„Vom Risiko zur Resilienz“: Wie vielfältige Laubmischwälder und innovative Holznutzung die Holz-Wertschöpfungskette stärken © Europenean Forest Institute, FSI
Stürme werden stärker, Dürren dauern länger. Dadurch werden Wälder anfälliger für Schädlinge, wie zum Beispiel Borkenkäferbefall. Wir alle wissen, dass der Klimawandel Auswirkungen auf unsere europäischen Wälder hat. Indem wir die von uns bewirtschafteten Wälder an die klimatischen Veränderungen anpassen, verändern wir auch den Holzmarkt. Für Waldbesitzer und Förster ist es wichtig, diese Veränderungen zu verstehen. In den vergangenen vier Jahren hat das Resonate-Projekt, geleitet vom European Forest Institute (EFI), Joensuu/FI, untersucht, wie Waldbewirtschaftung und Wertschöpfungsketten sich anpassen und resilienter werden können, um auch unter veränderten Bedingungen weiterhin zu bestehen.
Unmittelbare Folgen: Marktstörungen und Überschüsse
Nach einer Störung führt die Aufarbeitung beschädigter Bäume zur Verringerung weiterer Schäden im Ökosystem sowie zu einem Überangebot an Holz auf dem Markt. Dieses Holz wird oft vorzeitig geerntet und kann verschiedene Schäden aufweisen. Ein Überangebot drückt die Preise und führt zu Marktinstabilität, was die Vorhersage der Rentabilität erschwert. Zudem wird es schwieriger, nachhaltige Entscheidungen für die Waldbewirtschaftung zu treffen und eine langfristige Planung zu ermöglichen.
Widerstandsfähigere Wälder schaffen
Borkenkäferbefall hat nicht selten großflächige Kahlschläge zur Folge. Betroffen von den Kalamitäten sind nicht nur störungsanfällige Fichtenreinbestände © European Forest Institute, FSI
Trotz akuter Herausforderungen ist es langfristig wichtig, Wälder an den Klimawandel anzupassen. Resonate-Forscher betonen, dass ein Übergang von Nadelholz-Monokulturen zu einer ausgewogeneren Mischung mit Laubbäumen entscheidend ist. Mischwälder mit mindestens drei verschiedenen Baumarten sind besser an extreme Wetterbedingungen, Schädlinge und Krankheiten angepasst. Zudem sind Laubbäume oft widerstandsfähiger gegenüber Trockenheit und Schädlingen.
Eine proaktive Bewirtschaftung ist zwar zunächst kostenintensiver, verringert aber langfristig Schäden. Dennoch ist diese Umstellung anspruchsvoll. Forstflächen müssen möglicherweise von gleichaltrigen Nadelholzbeständen in strukturreiche Mischwälder umgewandelt werden. Zudem bleibt ungewiss, welche Laubbaumarten sich am besten eignen und wie sie bewirtschaftet werden sollten. Mischwälder erfordern häufigere Eingriffe, und die Holzverarbeitungsindustrie ist bisher auf Nadelholz ausgerichtet – der Markt für Laubholz entwickelt sich erst. Die Wiederbewaldung nach Störungen bietet eine Gelegenheit zur Förderung klimaangepasster Baumarten. Natürliche Verjüngung nach Störungen erhöht die Biodiversität und senkt die Wiederaufforstungskosten. Sie kann jedoch durch gezielte Pflanzung widerstandsfähigerer Baumarten ergänzt werden.
Anschließend können forstliche Bewirtschaftungsmethoden, die natürliche Störungen nachahmen, die Widerstandsfähigkeit und Biodiversität des Waldes fördern. Beispielsweise hilft die Einbeziehung von Totholz und älteren Bäumen, wertvolle Lebensräume für Wildtiere zu schaffen und die Bodenqualität zu verbessern. Ebenso ist ein effektives Wildtiermanagement wichtig, um die natürliche Verjüngung mit verschiedenen Baumarten zu unterstützen. Selektive Holzernte trägt dazu bei, die Baumartenvielfalt zu erhalten und die Anfälligkeit für Schädlinge und Krankheiten zu verringern. Die Forschung von Resonate unterstreicht, dass Biodiversität nicht nur ein ökologisches Ziel ist, sondern ein wesentliches Instrument zur Stärkung der Waldresilienz. Eine vielfältige Baumarten- und Bestandsstruktur erhöht langfristig die Produktivität des Waldes. Mischwälder sind besser gegen extreme Wetterereignisse gewappnet, da verschiedene Arten unterschiedlich auf Trockenheit, Stürme oder Schädlinge reagieren. Während einige Bäume leiden, können andere gedeihen und so die Stabilität des Ökosystems unterstützen.
Herausforderungen für Waldbesitzer
Die Forschung von Resonate zeigt eine erhebliche Risikolücke zwischen Waldbesitzern und der Holzindustrie. Waldbesitzer spüren die unmittelbaren Folgen von Störungen. Die Holzverarbeitungsindustrie, insbesondere auf regionaler oder nationaler Ebene, kann Marktfluktuationen oft besser abfedern, sieht sich jedoch zunehmend mit Holzknappheit konfrontiert. Investitionen in Infrastruktur für Holzernte und Verarbeitung können die Resilienz der Wertschöpfungskette verbessern. Flexible Erntetechnik und effizientere Transportlogistik erleichtern die rasche Verarbeitung von Schadholz und reduzieren Marktstörungen.
Kleinere Waldbesitzer sind oft stärker betroffen als große Forstbetriebe. Ihnen fehlen möglicherweise die Ressourcen, um Schäden zu bewältigen, den Wald umzustrukturieren oder auf Marktveränderungen zu reagieren. In der Forschung zeigte sich, dass viele Kleinwaldbesitzer in Europa ihre Bewirtschaftungsstrategien überdenken. Einige geben die aktive Waldbewirtschaftung ganz auf, da sie nicht mehr rentabel erscheint.
Lösungsansätze könnten eine engere Zusammenarbeit zwischen Waldbesitzern und der Holzindustrie darstellen. Kooperativen oder Erzeugergemeinschaften könnten helfen, Kosten und Risiken besser zu verteilen. Zudem könnten Risikoausgleichsmechanismen wie Preisgarantien oder Versicherungsmodelle Waldbesitzern mehr Sicherheit geben. Die Forschung legt nahe, dass politische Entscheidungsträger die Herausforderungen von Waldbesitzern stärker berücksichtigen sollten. Finanzielle Anreize für klimaangepasste Bewirtschaftung, Wasserschutz oder den Erhalt von Lebensräumen könnten helfen, da diese Ökosystemleistungen für die Gesellschaft von großer Bedeutung sind und die Nachfrage danach steigt.
Marktwandel: Vielfalt und Innovation
Der Holzmarkt verändert sich. Die Resonate-Forschung zeigt, dass Verbraucher und Industrie zunehmend nachhaltige und hochwertige Holzprodukte nachfragen. Der Übergang zu Mischwäldern erfordert jedoch auch eine Anpassung der Holzverarbeitung.
Besonders Laubhölzer müssen stärker in der Industrie genutzt werden, beispielsweise in neuen Werkstoffen, der Biochemie, kohlenstoffbasierten Materialien oder der Textilproduktion. Diese Märkte stecken noch in den Kinderschuhen, bieten aber spannende Chancen für Waldbesitzer, die innovative Partnerschaften eingehen möchten. Der Austausch in Netzwerken oder Branchenverbänden kann helfen, über Markttrends informiert zu bleiben und neue Möglichkeiten zu erkennen.
Weitere Infos: www.resonateforest.org