Deutschland

Neue Wildnisgebiete in NRW statt zweitem Nationalpark

Ein Artikel von Michael Fehrle | 09.07.2025 - 12:54

Am 8. Juli haben Nordrhein-Westfalens Umweltminister Oliver Grischer und Landwirtschaftsministerin Silke Gorißen in Königswinter im Siebengebirge über die zusätzlichen Stilllegungen von Wirtschaftswäldern informiert. Im Siebengebirge werden 200 ha Landeswald aus der Nutzung genommen, in der Nähe werden derzeit noch weitere 100 ha geprüft. Weitere Wälder sollen in den Kreisen Coesfeld und Unna zu Wildnisgebieten umgewandelt werden. Dabei geht es vor allem um Flächen, die das Land mit Kofinanzierung durch die Europäische Union für Naturschutzzwecke erworben hat. Ein Gebiet nördlich des Nationalparks Eifel kommt ebenfalls in Betracht.

Vonseiten der Holzindustrie werden die zusätzlichen Stilllegungen kritisiert. Vor allem auf die Verarbeitung von Buche ausgerichtete Betriebe fürchten die weitere Beschneidung ihrer Rundholzversorgung. Die NRW-Landesregierung hat dagegen das Ziel, 15% des rund 127.600 ha großen Landeswaldes und 2% der 952.500 ha großen Gesamtwaldfläche der natürlichen Waldentwicklung überlassen zu wollen.

Die zusätzlichen Wildnisgebiete werden vielfach auch als „Nationalpark durch die Hintertür“ gesehen. Im September 2023 hatte die damalige Landesregierung mit Interessenbekundungsverfahren die Ausweisung eines zweiten Nationalparks begonnen. Nachdem der 2004 eingerichtete Nationalpark Eifel vor allem von Nadelwäldern dominiert ist, sollten nun Laubwälder unter Schutz gestellt werden. Dementsprechend lagen die Suchkulissen im Eggegebirge (Egge) in den Landkreisen Paderborn, Höxter und Lippe sowie im Arnsberger Wald oder dem Rothaarkamm im Kreis Siegen-Wittgenstein. Von den jeweiligen Landkreisen wurden daraufhin Bürgerentscheide durchgeführt. Alle Kreise lehnten die Einrichtung eine Nationalparks ab.