Deutschland

WEHAM 2025: viel Rundholz – bis 2037

Ein Artikel von Philipp Matzku | 08.07.2025 - 13:39
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In den Bundesländern, wo die Kiefer und Fichte auch die nächsten Jahrzehnte bestandesbildend  vorkommen, gibt es die größten Waldflächen in Deutschland © Thünen-Institut 2025, BMEL

Zwischen 2013 und 2022 lag der amtlich erfasste Holzeinschlag bei  durchschnittlich 63 Mio. fm/J. Laut Thünen-Institut betrug er tatsächlich 74 Mio. fm/J, gemäß 4. Bundeswaldinventur (BWI 2022) 73 Mio. fm/J. Bis 2037 erwartet das Thünen-Institut in seiner vom deutschen Bundeslandwirtschaftsministerum (BMEL) Anfang Juli veröffentlichten Waldentwicklungs- und Holzaufkommens-Modellierung (WEHAM) ein Rohholzpotenzial von 85,9 Mio. fm/J. Im vorherigen Basisszenario (WEHAM 2015) lag dieser Wert nahezu identisch bei 85,8 Mio. fm. Im Modellmittel (2023 bis 2062) ergibt sich ein Potenzial von 80,6 Mio. fm/J. In der Periode 2023 bis 2032 startet WEHAM mit etwa 88 Mio. fm/J. In den darauffolgenden drei Dekaden sinkt das Potenzial auf BWI-Niveau und steigt gegen Ende des Zeitraums wieder leicht an.

Fichte bleibt Rohholz-Champion

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Die Fichte hat trotz des starken Rückgangs auf der Fläche zumindest im Hauptbestand weiterhin das größte Nutzungspotenzial © Thünen-Institut 2025, BMEL

Die Fichtengruppe (Fichte, Tanne, Douglasie) war über Jahrzehnte die wirtschaftlich wichtigste Gruppe. Trotz Flächen- und Vorratsrückgang bleibt die Fichte mit 32,9 Mio. fm/J die bedeutendste Baumart hinsichtlich des Rohholzpotenzials – das entspricht 41% des Gesamtpotenzials. Für den Zeitraum 2013 bis 2052 prognostizierte das WEHAM 2015-Szenario ein Potenzial von 31,6 Mio. fm/J. Die verfügbare Fichtenrundholz-Menge sinkt von 30,5 Mio. fm/J in der 5-Jahresperiode 2023 bis 2027 auf 24,9 Mio. fm/J in der Periode 2058 bis 2062. In den kommenden 20 Jahren reduziert sich das Fichtenpotenzial nur geringfügig auf etwas über 28 Mio. fm/J, um sich in weiterer Folge zwischen 24,5 und 24,9 Mio. fm/J einzupendeln. 

Der Flächenanteil der Fichte im Bundesgebiet beträgt  laut aktueller WEHAM 26%. Über 60% des Fichtenpotenzials liegen in Bayern und Baden-Württemberg. Die restlichen Bundesländer treten künftig in den Hintergrund. 55% des Vorrats befinden sich im Privatwald, davon 30% im Kleinprivatwald. Vorräte nehmen in allen Eigentumsarten ab, im süddeutschen Kleinprivatwald besonders deutlich.

Im Prognosezeitraum verliert die Fichte 15% ihres stehenden Vorrats. 2022 wurde er in der WEHAM-Studie mit 984 Mio. fm angegeben. In der 4. BWI sind es 1 Mrd. Vfm. 2062 rechnet das Forschungsteam des Thünen-Instituts mit 841 Mio. Vfm. Das Potenzial liegt in den nächsten 15 Jahren 18% unter dem BWI-2022-Niveau, vor allem bei Durchmessern unter 50 cm BHD. Ein Großteil des Schadholzes der vergangenen Jahre entfiel auf Fichte. Erst nach etwa zwei Jahrzehnten steigt ihr Potenzial wieder, wenn sich Kalamitätsflächen natürlich verjüngen.

Der Vorrat der Tanne bleibt bis 2042 bei knapp 106 Mio. fm und erhöht sich bis 2062 auf 147 Mio. fm. Das Potenzial liegt aktuell bei 2,7 Mio. fm/J, reduziert sich in den nächsten 20 Jahren auf 2,5 Mio. fm/J und steigt dann anschließend bis 2062 auf 3,1 Mio. fm/J. Die Douglasie legt beim stehenden Vorrat in den nächsten vier Jahrzehnten um ein Drittel zu (2062: 124 Mio. fm), bleibt mit einem Anteil von 3% am Gesamtvorrat jedoch unbedeutend. Das Nutzungspotenzial liegt laut WEHAM 2025 derzeit bei 2,3 Mio. fm/J. Die Prognose für 2062 geht von 3,8 Mio. fm/J aus. 

Regional starke Kiefer

Zur Holzartengruppe Kiefer gehören Kiefern- und Lärchenarten. Insgesamt verliert die Gruppe rund 20% ihres Vorrats. Dieser lag laut BWI 2022 bei der Kiefer bei 794 Mio. Vfm. Für 2062 werden 621 Mio. Vfm projeziert. Das ist ein Rückgang von rund 22%. Der Lärchenvorrat schwankt in den nächsten 40 Jahren zwischen 103 Mio. fm (2032) und 105 Mio. fm (2047).

Das jährliche Gruppenpotenzial über den gesamten Betrachtungszeitraum von 40 Jahren beträgt 16 Mio. fm/J (WEHAM 2015: 14 Mio. fm/J). Das Nutzungspotenzial bei der Kiefer liegt bis 2027 bei 17,3 Mio. fm/J und sinkt dann kontinuierlich bis 2062 auf 12 Mio. fm/J. 28% dieses Potenzials stammen aus Brandenburg, wo Kiefer rund zwei Drittel des gesamten Rohholzpotenzials ausmacht. In den ersten 15 Jahren liegt das Kiefernpotenzial 43% über dem BWI-2022-Niveau, sinkt danach aber auf den BWI-Wert zurück. Das Nutzungspotenzial bei der Lärche liegt in der 5-Jahresperiode 2023 bis 2027 bei 1,7 Mio. fm/J und pendelt sich ab 2033 auf rund 1,4 Mio. fm/J ein. 

Die Kiefer ist mit 2,4 Mio. ha flächenmäßig die bedeutendste bestandsbildende Baumart in Deutschland. Danach folgt die Fichte mit 2,3 Mio. ha. Der Deutsche Säge- und Holzindustrie Bundesverband (DeSH) fordert daher, dass Kiefer im Holzbau baurechtlich bundesweit mit der Fichte gleichgestellt wird.

Buche: Rückgrat des Laubholzpotenzials

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Im Mittel entfallen über 75% des Rohholzpotenzials auf Stammholz – bei Nadelbäumen rund 90%, bei Laubbäumen unter 50%. Energieholz wird nicht gesondert ausgewiesen. © Thünen-Institut 2025, BMEL

Die Buche bleibt die wichtigste Laubbaumart (BWI 2022: 683 Mio. Vfm, WEHAM 2025: 681 Mio. Vfm). In den nächsten zehn Jahren reduziert sich der Vorrat auf 656 Mio. fm, um dann bis 2062 um 14% auf 765 Mio. fm zu steigen.  

Die Holzartengruppe Buche, zu der auch Esche, Ahorn, Birke und Erle zählen, macht 31% des Gesamtpotenzials aus (24,8 Mio. fm/J). Rund die Hälfte entfällt auf die Buche selbst. Das Nutzungspotenzial liegt deutlich über der bisherigen Nutzung. Besonders auffällig ist die Entwicklung im Vergleich zu WEHAM 2015: Damals wurde für den Zeitraum 2013 bis 2052 nur ein Buchenrundholz-Potenzial von 19,6 Mio. fm/J prognostiziert – heute sind es 27% mehr. In stärkeren Stammstärken (BHD ≥ 50 cm) bleibt das Rohholzpotenzial über den gesamten Zeitraum stabil. Das Nutzungspotenzial der Baumart Buche liegt derzeit bei 15,1 Mio. fm/J. Es sinkt bis 2047 auf jährlich 12,1 Mio. fm/J, danach steigt es laut WEHAM-Prognose aufgrund von Naturverjüngung bis 2062 wieder auf 13,7 Mio. fm/J. 

Eiche profitiert vom Waldumbau

Die Holzartengruppe Eiche (Trauben-, Stiel- sowie Roteiche) profitiert stark vom Waldumbau. Der Vorrat wird in der WEHAM Studie mit 406 Mio. fm angegeben. 2062 geht man seitens des Thünen-Instituts von 467 Mio. fm aus (+13%). Mit einem Anteil von 9% am Rohholzpotenzial ist sie die kleinste der Hauptgruppen, nimmt jedoch 12% der Waldfläche ein. WEHAM 2025 prognostiziert ein jährliches Potenzial von 6,5 Mio. fm/J, deutlich über der bisherigen Nutzung. Dieser lag laut 4. BWI bei 2,6 Mio. fm/J. Im Szenario von 2015 lag der Potenzialwert bei 5 Mio. fm/J. In 40 Jahren geht das WEHAM-Szenario von einem Potenzial von 7,7 Mio. fm/J aus. Regionale Schwerpunkte liegen in Bayern, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Rheinland-Pfalz.

Um die Potenziale von Laubholz besser zu erschließen, sollte der Anteil stofflicher Nutzung erhöht werden, da insbesondere Buchen und Eichen bislang oft energetisch verwertet werden, so die Forscher des Thünen-Instituts. Wenn sämtliche Sortimente (verwertbare, nicht verwertbare, Ernteverluste) bei Buche und Eiche betrachtet werden, kommt die WEHAM 2015 auf 27,5 Mio. fm/J bei der Buche sowie 8 Mio. fm/J bei der Eiche. Bei der WEHAM 2025 liegen diesbezüglich noch keine genauen Daten vor. 

Vorrat und Fläche halten Niveau

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Mehr als ein Viertel der verfügbaren Rundholzmenge gibt es im Kleinprivatwald. Diese zu mobilisieren, bleibt auch die nächsten Jahrzehnten eine der großen Herausforderungen © Thünen Insitut 2025, BMEL

Das mittlere Bestandesalter steigt im Modellzeitraum leicht von 82 auf 86 Jahre. Während Buche und Fichte nur geringfügig jünger werden, sinkt das Durchschnittsalter der Tanne durch großflächige Verjüngung um etwa 30%. 

Mehr als die Hälfte des modellierten Potenzials (52%) stammt aus dem Privatwald, der 48% der Fläche umfasst. Besonders im Kleinprivatwald (27%) bestehen hohe Potenziale, deren Mobilisierung jedoch aufgrund struktureller Hemmnisse fraglich bleibt. Der Staatswald ist stärker durch Nutzungseinschränkungen, wie Schutz- oder Gemeinwohlfunktionen, geprägt.

 

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Die Waldfläche bei Buche und Eiche gehen bis 2062 in Deutschland nach oben, während Kiefer und Fichte an Fläche verlieren  © Thünen-Institut 2025, BMEL

Trotz struktureller Veränderungen bleibt der Gesamtvorrat mit 3,6 Mrd. fm weitgehend stabil (WEHAM 2015: 3,9 Mrd. fm). Die Baumartenzusammensetzung und die Durchmesserstruktur verschieben sich jedoch spürbar. In 20 Jahren werden Durchforstungen zunehmend jüngere Bäume mit geringeren Durchmessern betreffen. Die modellierte Waldfläche beträgt konstant 10,7 Mio. ha und bleibt über den gesamten Betrachtungszeitraum hinweg unverändert – auch bei der Differenzierung nach Bundesländern und Eigentumsarten.