Waldbrände, Stürme und Borkenkäfer verursachen in der europäischen Forstwirtschaft Kosten von 115 Mrd. €. Die Forscher untersuchten zur Darstellung der aktuellen Situation die Wertminderung durch verschiedene Störungen in Europas Wäldern im Zeitraum von 1981 bis 2005.
Ohne wirksame Maßnahmen zur Eindämmung der Klimakrise könnten sie bis Ende des Jahrhunderts auf bis 247 Mrd. € anwachsen, so die Forscher. Die direkten ökonomischen Schäden durch Kalamitäten werden sich erhöhen. Die Folgen wären für die holzorientierte Forstwirtschaft gravierend so die Forscher. Der holzbasierte Waldwert könnte um bis zu 42% sinken, die Bruttowertschöpfung des Forstsektors um bis zu 15%.
Aus Sicht des Forschungsteams ist Zentraleuropa (Deutschland, Österreich, Tschechien) ein Hotspot der Störungskosten, mit prognostizierten Verlusten des holzbasierten Waldwerts von bis zu 19.885 €/ha für den Zeitraum 2076 bis 2100. Dies deute darauf hin, "dass Störungen künftig erhebliche wirtschaftliche Herausforderungen für die holzorientierte Forstwirtschaft darstellen könnten", betonen die Forscher.
Allerdings wirken sich die Folgen des Klimawandels regional unterschiedlich aus. Die Wälder in Nordeuropa könnten aufgrund längerer Wachstumsperioden und höherer CO2-Konzentrationen von Produktivitätszuwächsen profitieren. Die Schadkosten in Skandinavien liegen um zwei Drittel unter denen von Zentraleuropa.
In Südeuropa übersteigen die Kosten die möglichen Zugewinne deutlich. „In zentraleuropäischen Ländern wie Österreich, Deutschland und Tschechien wird der Waldwert bereits bei einer moderaten Erderwärmung so stark sinken, dass ein etwaiger Produktionszuwachs die Störungsverluste nur schwer ausgleichen kann“, erklären die Forscher.
Die Forscher weisen darauf hin, dass ihre Modellrechnungen (bis 2100) konservativ sind, da sie sich auf holzbezogene Werte konzentrieren. Gesellschaftliche Kosten nicht marktfähiger Ökosystemleistungen sowie potenziell neue Bedrohungen durch invasive Schädlinge und Krankheiten wurden in der Studie nicht berücksichtigt. Einkünfte aus Durchforstungen oder alternative waldbauliche Strategien flossen nicht in die Berechnungen ein. Die Forscher plädieren dafür, in Zukunft Störungskosten in die Forstplanung mit einzubeziehen. Dazu gehören aus Sicht der Wissenschafter der Anbau weniger störungsanfälliger Baumarten, strukturreiche Mischwälder oder die Verkürzung der Umtriebszeit.
Zusammenfassung
Ohne effektive Klimaschutzmaßnahmen drohen der europäischen Forstwirtschaft erhebliche Verluste. Nur bei einer Begrenzung der Erwärmung auf ein mildes Niveau (Szenario RCP2.6) könnten Produktivitätsgewinne die Schäden ausgleichen und sogar zu einem leichten ökonomischen Plus führen. Bei ungebremstem Klimawandel (Szenario RCP8.5) hingegen sind die prognostizierten Verluste in Süd- und Mitteleuropa so hoch, dass die reguläre Waldbewirtschaftung zunehmend gefährdet wäre. Skandinavische Wälder profitieren am stärksten von den klimatischen Veränderungen. Dort könnten Produktionszuwächse die Schadenskosten sogar übertreffen.
Die Studie (Rising cost of disturbances for forestry in Europe und climate change) erschien im Fachmagazin „Nature Climate Change“.
Rising cost of disturbances for forestry in Europe under climate change | Nature Climate Change