Die Redaktion des Holzkurier führte ein Interview mit BaySF-Vorstandsvorsitzenden Martin Neumeyer und bat seine Vorstandskollegen Rudolf Plochmann und Manfred Kröninger zum Gespräch.
Herr Neumeyer, die BaySF wurden zum Forstbetrieb des Jahres 2026 gewählt. Wie ordnen Sie diese Auszeichnung ein?
Wir sehen das als bedeutende Würdigung. Die Auszeichnung bestätigt die Leistungsfähigkeit unserer Organisation und den Kurs, den wir eingeschlagen haben. Für mich persönlich ist sie auch ein Zeichen, wie wichtig ein aktueller Marktüberblick ist – ich informiere mich mehrmals täglich über die Entwicklungen im Holzsektor.
Strategische Holzlagerplätze gelten als zentraler Baustein Ihrer Marktpolitik. Welche Funktion erfüllen sie heute?
Sie sind ein Kerninstrument zur Stabilisierung der Holzpreise und zur Sicherung des Werterhalts. Mit mehr als 2 Mio. fm Lagerkapazität – Nass- und Trockenlager – können wir sowohl Sturmholz als auch große Mengen an Borkenkäferholz kontrolliert aufnehmen. Die Standorte sind gezielt entlang von Risikoregionen und in der Nähe wichtiger Sägewerksstandorte platziert. So halten wir Transportwege kurz und bleiben in Krisen flexibel handlungsfähig.
Welche Rolle kann künstliche Intelligenz (KI) künftig im Holzverkauf spielen?
Wir entwickeln derzeit ein Pilotprojekt, das KI mit nationalen und internationalen Marktdaten speist, um belastbare Prognosen zur Preisentwicklung zu liefern. Ziel sind kurzfristige und mittelfristige Entscheidungshilfen. Parallel denken wir über digitale Vermarktungsformen nach, bei denen ausgewählte Sortimente online angeboten und systematisch an den bestzahlenden Marktteilnehmer verkauft werden. Das ist noch experimentell, aber perspektivisch sinnvoll.
Neben dem Holzgeschäft wollen Sie weitere Erlösquellen ausbauen. Was ist geplant?
Holz bleibt unser zentrales Produkt und bestimmt 90% unserer Wertschöpfung. Gleichzeitig müssen wir unsere Flächen stärker nutzen, um das Unternehmen stabil aufzustellen. Schon heute erzielen wir über 40 Mio. € jährlich aus zusätzlichen Geschäftsfeldern, etwa über Ökokonto-Punkte. Dieses Volumen wollen wir in den kommenden Jahren deutlich ausweiten, um finanzielle Reserven zu schaffen und unsere Strukturen langfristig abzusichern.
Welche Bedeutung haben Windenergieanlagen für die BaySF?
Erneuerbare Energien werden ein tragendes zweites Standbein. Bis 2030 sollen rund 500 Windenergieanlagen auf unseren Flächen errichtet oder angestoßen werden – überwiegend über Verpachtungen, teils auch im Eigenbetrieb. Damit schaffen wir dauerhafte Einnahmen, die uns in Schadensjahren ermöglichen, den Wald ohne Abstriche zu bewirtschaften, um unseren Wald zu einem klimaresistenten Zukunftswald umzubauen.
Holz bleibt unser zentrales Produkt und bestimmt weiterhin rund 90% unserer Wertschöpfung.“
Interview mit Vorstand Plochmann
Die BaySF verzeichnen das schwächste Borkenkäferjahr seit einem Jahrzehnt. Dennoch betont Vorstand Rudolf Plochmann die Notwendigkeit eines durchgehend strikten Managements. Bereits im Winter müssen befallene Bäume vollständig entnommen werden, da ein Großteil der Käfer unter der Rinde überwintert. Entscheidend bleiben engmaschige Kontrollen, rasches Aufarbeiten und der sofortige Abtransport des Holzes. Technische Hilfsmittel für die Borkenkäfersuche, wie Satellitenbilder, Kameras oder Spürhunde wurden geprüft, bieten auf großen Flächen aber keinen klaren Vorteil, da frühe Befallsmerkmale bislang nicht zuverlässig erkannt werden.
Für das kommende Jahr sieht Plochmann mehrere Einflussfaktoren. Ausreichende Bodenfeuchte im Sommer 2025 habe zur Entspannung beigetragen. Auch künftig seien günstige Witterungsbedingungen sowie das Ausbleiben von Sturm- und Schneebruchereignissen entscheidend. Eine stabile Nachfrage der Sägeindustrie unterstützt zudem den schnellen Holzabfluss, der für die Schädlingskontrolle wesentlich bleibt. Trotz des Rückgangs will der Betrieb das Management unverändert intensiv fortsetzen.
Für den Umbau hin zu klimaresilienten Mischwäldern müsse der Wildverbiss klar begrenzt werden. Die Jagd übernimmt nach seinen Worten eine Schlüsselrolle: Maßstab für Erfolg sei nicht die Trophäe, sondern eine gesunde, artenreiche Waldverjüngung. Daneben sei die Holznutzung sowohl ökologisch als auch ökonomisch der zentrale Motor, um Verjüngungsmaßnahmen zu ermöglichen und zu finanzieren.
Finanzen nachhaltig stärken
Vorstand Manfred Kröninger betont die große Bedeutung des Klimawaldfonds für die Stabilität der BaySF. Der Fonds markiert einen grundlegenden Kurswechsel: Gewinne verbleiben im Unternehmen, statt an den Freistaat Bayern abgeführt zu werden. Hintergrund sind die Erfahrungen aus den Holzmarktkrisen 2018 bis 2020, in denen fehlende Rücklagen zu Liquiditätsengpässen führten. Mit dem Fonds sollen künftige Preisrückgänge und Kalamitäten aufgefangen werden. Gleichzeitig stärke er die Motivation der Belegschaft, da erwirtschaftete Mittel sichtbar in den Wald zurückfließen.
Aktuell fließen sämtliche Überschüsse in den Klimawaldfonds. Das kurzfristige Ziel von 200 Mio. € soll bereits im laufenden Geschäftsjahr erreicht werden; derzeit liegt der Fonds bei rund 150 Mio. €. Mittelfristig peilt das Unternehmen eine Reserve von etwa 300 Mio. € an – entsprechend dem identifizierten Natur- und Marktrisiko, insbesondere durch Sturm- und Borkenkäferschäden.
Da rund 90% der Umsätze aus dem Rundholzgeschäft stammen und die nachhaltige Einschlagsmenge nahezu ausgeschöpft ist, sucht die BaySF Wachstumsfelder außerhalb des klassischen Holzgeschäfts. Neben Ökokonto-Punkten, die als kompakte Einnahmequelle dienen, sieht Kröninger vor allem erneuerbare Energien als strategisches Zukunftsfeld. Der Schwerpunkt liegt auf Windenergie, sowohl in Verpachtungsmodellen als auch im Eigenbetrieb. Damit soll das Unternehmen unabhängiger von volatilen Holzpreisen werden und langfristig stabil finanziert bleiben.
BaySF 2025
HOLZ & WALD
- Holzverkauf : 4,64 Mio. fm (2024: 4,44 Mio. fm; +200.000 fm)
- Holzeinschlag: 5,05 Mio. fm
- Vorrat: 320 Vfm/ha
- Zuwachs: 6,1 Mio. fm/J
- Schadholz, 1,42 Mio. fm (2024: 3,06 Mio. fm), Käferholz 900.000 fm
- Investition Pflanzungen/Saaten: 21,7 Mio. €
FINANZEN
- Gesamtumsatz: 501,8 Mio. € (2024: 465,4 Mio. €)
- Gewinn: 43,7 Mio. € (2024: 20,2 Mio. €)
- Holzumsatz: 432,7 Mio. € (+30 Mio. €)
- Jagd: 8,4 Mio. € (+0,8 Mio. €)
- weitere Geschäfte: 41,1 Mio. € (+4,1 Mio. €)
- Gemeinwohl: 15 Mio. € (–0,1 Mio. €)
- sonstige Umsätze: 4,6 Mio. € (+0,9 Mio. €)