Vor fünf Jahren hat sich Ernst-August Vehmeyer am Sägewerk Heinrich Harling, Bergen-Eversen/DE, beteiligt. Seitdem hat sich einiges getan. „Wir haben das Sägewerk sukzessive erneuert und auf eine industrielle Produktion umgestellt, ohne dabei unsere Flexibilität als mittelständisches Unternehmen aus den Augen zu verlieren“, erläutert Heinrich Harling-Geschäftsführer Hieronymus Bischoff im Gespräch. So hat man etwa die Gatter-Kreissägenlinie vor drei Jahren durch eine SAB-Spanerlinie ersetzt. Um die damit entstandene Einschnittkapazität von rund 250.000 fm/J ausschöpfen zu können, investierte Harling im vergangenen Jahr in einen neuen Rundholzplatz. „Bisher konnten wir nur Langholz ausformen und sortieren. Der Rundholzplatz war damit der Engpass der Produktion“, berichtet Bischoff.
Rundholzplatz für Lang- und Kurzholz
„Wir haben uns mehrere Anbieter angesehen. Letztlich waren wir überzeugt, dass B-S-I uns das beste Konzept bieten kann“, erläutert Bischoff und ergänzt: „Der Anlagenbauer hat uns ein gutes Gefühl vermittelt.“ B-S-I realisierte bei Harling einen kompakten Rundholzplatz mit je einer Aufgabe für Kurz- und Langholz. Die Jahresleistung liegt bei 350.000 fm. „Es ist das größte Rundholzplatz-Projekt, das wir bisher realisiert haben. Wir freuen uns über das Vertrauen, das uns die Verantwortlichen bei Harling entgegengebracht haben“, sagt Dominic Winter, der mit seinem Vater Alfred die Geschicke von B-S-I leitet. „Die Planung war eine Herausforderung. Ursprünglich sollte der neue Platz unter einem Portalkran zwischen den Gleisen Platz finden. Außerdem mussten wir den Umbau in Etappen durchführen, damit das Sägewerk so kontinuierlich wie möglich mit Holz versorgt wird“, erinnert sich Alfred Winter. Im Zuge der Planung – und auch aus Altersgründen – musste der Portalkran schließlich weichen. Nichtsdestotrotz benötigt der neue Rundholzplatz kaum mehr Fläche als ursprünglich veranschlagt.
Der Umbau startete im Oktober 2024. Ein Jahr später konnten die Montage und Inbetriebnahme abgeschlossen werden. „Wir sind mit der Abwicklung seitens B-S-I sehr zufrieden – alles hat tadellos geklappt“, bekräftigt Bischoff.
Die Aufgabe am Langholzplatz ist für Stämme von 4 bis 19 m, jene von der Kurzholzlinie auf 2,5 bis 5,2 m ausgelegt. Die Durchmesser reichen von 12 bis 65 cm. „Im Falle von Instandhaltungen können wir damit auch Stämme ab 4 m über die Langholzlinie fahren. Damit ist die Sägelinie stets mit Rundholz versorgt und es gibt keinen Engpass mehr“, informiert Bischoff.
Der Langholzplatz
Nach der Aufgabe werden die Stämme zunächst vereinzelt. Ein Scheibeneinleger sorgt dafür, dass immer nur ein Stück in die Linie gelangt. Im Längstransport geht es für die Hölzer zunächst durch eine generalüberholte Entrindungsmaschine von Esterer. Direkt im Anschluss passieren die Stämme das B-S-I-Metallsuchband mit einer Metallspule von Mesutronic. Auswerfer übergeben die Stämme auf einen Querförderer beziehungsweise in eine Mulde mit hydraulischen Ausrichtstempeln. Der generalüberholte Hombak-Erdstammreduzierer fräst die Wurzelanläufe ab. Die Besonderheit: Bei dieser Anlage ist der Stamm fixiert und der Fräser dreht sich um das Holz. „Bei krummer Kiefer bis 19 m Länge wäre ein herkömmlicher Wurzelreduzierer, bei dem sich das Holz dreht, nicht prozesssicher“, erläutert Alfred Winter. Für die Qualitätsbeurteilung liefert B-S-I hier auch einen Anschnittfräser. Die Hölzer werden dem Messblockzug übergeben und passieren die 3D-Messung von Jörg Elektronik. Nach einer Pufferstrecke wird das Langholz entsprechend der benötigten Länge – bis maximal 8 m – gekappt. Unter der Bedienkabine installierte B-S-I einen Sternförderer. „Damit können wir die Lücken zwischen den Stämmen schließen“, erklärt Dominic Winter. Nach dem Beschleunigungsblockzug kommen die Stämme auf den 150 m langen Sortierstrang. Von dort werden sie in eine der 50 Boxen plus Überroller absortiert. „Die Sortierung könnte mit bis zu 160 m/min fahren. Besser ist es aber, die Lücken zwischen den Stämmen so gering wie möglich zu halten und die Linie kontinuierlich und ohne Unterbrechungen zu betreiben“, weiß Alfred Winter.
Der Kurzholzplatz
Die Aufgabe für die bis zu 5,2 m langen Stämme befindet sich auf der gegenüberliegenden Seite der Langholzaufgabe. Mittels Stufenschieber und Einleger gelangen die Hölzer auf den Blockzug. „Diesen Bereich haben wir bereits so ausgeführt, dass man bei Bedarf sehr rasch einen Reduzierer einbauen könnte“, erläutert Dominic Winter. Ein generalüberholter Cambio-Entrinder befreit die Stämme von der Rinde, bevor sie am Auslaufblockzug vorvermessen werden. Ein Stammwender – ähnlich eines Tellers – wendet die Hölzer. Danach geht es für sie auf den Beschleunigungsrollengang des Typs Speedroller. Nach dem Mesutronic-Metallsuchgerät und einer 3D-Vermessung von Jörg Elektronik gelangen die Bloche über den Beschleunigungsblockzug auf die Sortierstrecke.
Kappstücke, Frässpäne und Rinde werden automatisch in separaten Boxen gesammelt. Unter jeder Aufgabe befinden sich beispielsweise Balkenkratzförderer, welche die Anlage sauber halten. Sternsiebe von B-S-I trennen die Rinde in zwei Fraktionen.
Der gesamte Rundholzplatz wird von nur einem Mitarbeiter bedient. „Wir haben in der komfortablen Kabine aber auch Platz für einen zweiten Bediener“, sagt Bischoff. Lang- und Kurzholz werden parallel sortiert, wobei der Kurzholzanteil mit 75 % deutlich höher ist. „Es war absolut die richtige Entscheidung, auf B-S-I zu setzen. Wir waren sehr rasch auf Leistung“, bekräftigt der Geschäftsführer und ergänzt: „Die Ideen von B-S-I und uns sind in das Projekt eingeflossen. Wir haben immer einen guten Konsens gefunden.“
Neue Features
B-S-I hat drei wesentliche Neuheiten aus Eigenentwicklung bei Harling integriert:
- die Kappsäge am Langholzplatz für bis zu acht Abschnitte pro Minute,
- die Drehvorrichtung für Kurzholz und
- den Speedroller mit einer Geschwindigkeit von bis zu 150 m/min
Zudem wartet der Anlagenbauer mit weiteren Neuheiten auf. „Derzeit testen wir einen doppelt wirkenden Stufenschieber für bis zu 36 Stück pro Minute bei uns in der Produktion. Nach dem Stufenschieber richtet ein Schraubenförderer die Stämme aus. Dahinter folgt ein variabler Sternzutakter, der die Stämme in den Blockzug und somit in die Spanerline taktet. Die Sägewerksbeschickung wird demnächst ausgeliefert. Außerdem konstruieren wir gerade einen Erdstammreduzierer mit Überstärkenreduzierung, der noch in diesem Jahr auf den Markt kommen soll“, verspricht Dominic Winter. „Wir haben auch unlängst die Produktion in Mechernich erweitert. Damit sind wir in der Lage, Projekte in dieser Größenordnung wie bei Harling zu meistern.“
Heinrich Harling
Standort: Bergen-Eversen/DE
Gegründet: 1894
Geschäftsführer: Ernst-August Vehmeyer, Hieronymus Bischoff
Mitarbeiter: 70
Einschnitt: bis 250.000 fm/J
Holzarten: 80 % Kiefer, 15 % Fichte, 5 % Lärche und Douglasie
Produkte: Bauholz und Balken, Rohware für BSH, KVH und BSP, Verpackungsholz, Schnittholzdimensionen für den Haus- und Gartensektor
B-S-I
Standort: Mechernich/DE
Gegründet: 2010
Geschäftsführer: Alfred und Dominic Winter
Mitarbeiter: 15
Leistungen: Beratung und Konzeption, Engineering, Rundholz- und Beschickungsanlagen, Entsorgungssysteme, Serviceleistungen, Wartung, De- und Remontagen, Umbauarbeiten, Ersatzteile für Fremdfabrikate, Montagepersonal