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Abalon-Geschäftsführer Manfred Reinkemeier hat das Sägewerk umgebaut und ist jetzt auf Erfolgskurs © DI (FH) Martina Nöstler

Wieder auferstanden

Ein Artikel von DI (FH) Martina Nöstler aus Heiligenkreuz | 16.08.2005 - 00:00
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Abalon-Geschäftsführer Manfred Reinkemeier hat das Sägewerk umgebaut und ist jetzt auf Erfolgskurs © DI (FH) Martina Nöstler

Nicht einmal zwei Jahre wurde im viel diskutierten Buchen-Sägewerk im Burgenland geschnitten, bevor das Sägewerk von einer in Wien ansässigen Stiftung (Gafluna) übernommen wurde. Seit 4. November 2003 ist Manfred Reinkemeier als Geschäftsführer des seit April unter dem Namen Abalon Hardwood, Heiligenkreuz, firmierenden Unternehmens tätig.Amerikanische Technik. In den vergangenen eineinhalb Jahren unter Reinkemeiers Führung hat sich in Heiligenkreuz viel getan: Die bestehenden sechs Twin-Bandsägen-Anlagen sowie die Blockbandsäge wurden abgebaut und nach Tschechien verkauft. Stattdessen werden nun amerikanische Bandsägen eingesetzt.
Reinkemeier hat sich nach eigenen Angaben von jedem Maschinen-Hersteller das Beste herausgepickt. So ist etwa der Blockwagen von einem anderen Produzenten als die Bandsäge. „Die Amerikaner sind die Vorreiter in der schräg gestellten Bandsägen-Technik. Unser Blockwagen ist in den USA etwa 1100 Mal im Einsatz“, erläutert Reinkemeier seine Beweggründe. „In Amerika gibt eine wesentlich längere Laubholz-Tradition. Aber das Wichtigste ist, dass die US-Maschinen wesentlich robuster und einfacher gebaut sind“, unterstreicht er. Europäische Anlagen hätten zuviel Technik, die sie für Fehler anfälliger machen.
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Schräge Bandsäge und vertikale Nachschnittbandsäge (Bild) aus Amerika für Buchen-Einschnitt © DI (FH) Martina Nöstler

Selbst demontiert und installiert. Am Tag genau ein Jahr nach Reinkemeiers Eintreten konnte der erste Probeschnitt auf den neuen Anlagen gefahren werden. „In nur zwei Monaten wurden die alten Maschinen demontiert und in vier die neuen aufgestellt“, freut er sich. Die bestehenden Förderer aus dem ersten Betrieb wurden teilweise wieder verwendet – vom eigenen Personal abgebaut und an die neuen Gegebenheiten angepasst. Auch für die Wartung der amerikanischen Maschinen sieht Reinkemeier kein Problem, da seine Mitarbeiter die Montage der neuen Anlagen fast zur Gänze selbst durchgeführt haben.300 fm pro Schicht. An der ersten schrägen Bandsäge werden am Stamm auf vier Seiten die Schnittebenen festgelegt, bevor er zur zweiten vertikalen Nachschnittbandsäge transportiert wird. Erst dort wird der qualitätsoptimierte Einschnitt durchgeführt. Die Sägeblätter bezieht man von europäischen Herstellern, die diese nach Reinkemeiers Anforderungen herstellen. Das Werk ist auf eine Kapazität von 300 fm pro Schicht ausgelegt, wobei seit dem Frühjahr in zwei Schichten produziert wird. Nächstes Jahr möchte man 120.000 fm bewältigen.
Abalon verkauft fast nur besäumtes, egalisiertes und getrocknetes Schnittholz. „Das ist einerseits beim Transport kompakter. Ein weiteres Plus ist, dass standardisierte Ware weltweit verkauft werden kann“, erläutert Reinkemeier. Die Fertigware wird entweder direkt an industrielle Weiterverarbeiter oder über Händler vertrieben.
Das Rundholz bezieht Abalon aus Osteuropa, ein wichtiger Lieferant kommt aus Deutschland. Reinkemeier legt Wert auf Holz aus nachhaltiger Bewirtschaftung: „Das wird von den Kunden immer mehr verlangt und bringt Wettbewerbsvorteile. Wir werden in Kürze selbst nach FSC zertifiziert.“ Gekauft werden Durchmesser 3b aufwärts mit 2 bis 5 m Länge.
Mittelfristig sollen zwei Drittel Buche und ein Drittel andere Laubhölzer verarbeitet werden. Er möchte dem Forst anbieten, komplette Rundholz-Ladungen abzukaufen. Dies soll dem Forst Vorteile in der Logistik bringen.
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Ressourcen-Austausch mit Biomasse-Kraftwerk – Restholz gegen Wärme und Dampf © DI (FH) Martina Nöstler

Restholz gegen Wärme. Am Nachbargrundstück von Abalon entsteht derzeit ein Biomasse-Heizkraftwerk von Begas. Dieses wird im April 2006 starten und Abalon für Restholz Wärme und Dampf liefern. Damit werden die bald 28 Mühlböck-Trockenkammern beheizt.
Seit dem Markt-Neueintritt Anfang 2005 wird die Kundenstruktur ständig mit hochkarätigen Vertriebspartnern erweitert. In Österreich wurde soeben mit Frischeis eine Vertriebs- und Distributionspartnerschaft begonnen. In den USA konnte mit Northwest Hardwoods (Weyerhaeuser) einer der größten US-Laubholzhersteller als exklusiver Vertriebspartner gewonnen werden. „Dies zeigt auch, auf welchem Niveau wir uns bezüglich Qualität und Bedeutung bereits wenige Monate nach dem Neustart befinden“, so Reinkemeier.
Insgesamt sieht er seinen Betrieb als „nichts Besonderes - es kochen alle nur mit Wasser”, meint er. „Wir versuchen wie die anderen, das beste Produkt, standardisiert und spezifiziert, zu erzeugen.” Ab 2006 rechnet Reinkemeier mit Gewinnen.

Abalon Hardwood-Facts

Geschäftsführer: Manfred Reinkemeier
Mitarbeiter: 85
Holzarten: Buche, auch Eiche
Einschnitt: 300 fm pro Schicht
Technik: schräge Block-, vertikale Nachschnittbandsäge, Besäumer, Rotoles
Export: 95% (Europa, Asien, USA)