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Raimann-Projektmanager DI (FH) Kurt Kutschmann (li.) und Keck-Geschäftsführer Bernhard Rathke © DI (FH) Martina Nöstler

Ganz oder gar nicht

Ein Artikel von DI (FH) Martina Nöstler | 31.10.2005 - 00:00
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Raimann-Projektmanager DI (FH) Kurt Kutschmann (li.) und Keck-Geschäftsführer Bernhard Rathke © DI (FH) Martina Nöstler

Bereits vor sechs Jahren hat man im Holzwerk Keck, Ehningen/DE, begonnen, die im Sägewerk erzeugten Buchen-Sortimente für die Möbel- und Parkettindustrie zu besäumen und optimieren. „Die gebraucht gekaufte Anlage mit der notdürftigen Mechanisierung wurde für uns durch die ständig steigende Nachfrage nach besäumter Ware aber zu klein. Wir standen vor der Entscheidung: ganz oder gar nicht“, erklärt Geschäftsführer Bernhard Rathke die Beweggründe für die im Vorjahr getätigte Investition. Im Mai 2004 wurde die Installation durchgeführt, einen Monat später konnten bereits die ersten Zuschnitte vorgenommen werden.
„Der Trend geht vom reinen Sägewerk zur Weiterverarbeitung – obwohl dieser Schritt für uns nicht einfach war“, fügt Rathke hinzu.
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Raimann ProfiRip KR 450 M – flexible Anlage für den Zuschnitt von Laub- und Nadelholz © DI (FH) Martina Nöstler

Neue Märkte und hohe Qualität. Aufgrund der hohen Anlagen-Flexibilität und auch der Lieferung des Equipments rund um die Hauptmaschine fiel die Entscheidung auf eine ProfiRip KR 450 M von Raimann, Freiburg/DE. Auch die Mechanisierung zwischen den einzelnen Maschinen stammt von Raimann. „Das Unternehmen wollte eine flexible Zuschnitt-Anlage. Außerdem sollte sowohl die Qualitäts- als auch die Holz-Ausbeute gesteigert werden“, erläutert Raimann-Projektmanager DI (FH) Kurt Kutschmann. Auch möchte man sich bei Keck mit der Produktion neue Märkte erschließen.
Mit der Raimann ProfiRip KR 450 M lässt sich sowohl Laub- als auch Nadelholz verarbeiten – ein großer Vorteil für den gemischten Einschnitt bei Keck. Die unbesäumte und getrocknete Ware wird mittels Kipptisch entstapelt, händisch vermessen und – wenn notwendig – auf einer vorhandenen Anlage vorgekappt.
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Bediener teilt die Ware in Qualitäten ein, mittels TimberMax-Optimierungsprogramm wird bestmögliche Qualitätsausbeute ermittelt © DI (FH) Martina Nöstler

Bestmöglicher Zuschnitt. Anschließend gelangt die zu besäumende Ware zu einer Vorbeurteilungsstation: Das Holz wird vom Bediener automatisch entlang der Waldkante ausgerichtet und mit einem Laser in der Breite abgefahren. Er markiert die verschiedenen Qualitäten am Holz. Anschließend errechnet das TimberMax-Optimierungsprogramm anhand der im Computer hinterlegten Auftragsdaten die bestmögliche Ausbeute. „Neben den Dimensionen sind auch die Erlöse im Programm hinterlegbar“, ergänzt Kutschmann. „Damit garantieren wir eine hohe Qualitäts- und Holzausbeute.“ Anhand des von TimberMax ermittelten Einschnitts stellen sich auch die Sägeblätter automatisch ein.
„TimberMax bedeutet, es wird genau das just-in-time produziert, was benötigt wird. Das heißt hohe Flexibilität und Transparenz bei gleichzeitiger Senkung der Stückkosten durch eine bessere Holzausbeute“, so Kutschmann.
Die ProfiRip KR 450 M verfügt über eine dreifache Blattverstellung. Die maximale Schnittbreite liegt bei 450 mm, die größte Durchlassbreite bei 1150 mm. Holzstärken bis 140 mm können bei einem Vorschub von bis zu 80 m/min – je nach Holzart – verarbeitet werden. Die Rohwaren-Eingangslänge beträgt bei Keck 6 m, die gesamte Anlagen-Konstellation nach der Vorkappung ist auf maximal 5 m Länge ausgelegt.Patentiert. „Für den Zuschnitt selbst haben wir ein Verfahren entwickelt, damit man selbst bei einer eventuellen Brett-Schüsselung rechtwinkelige Lamellen schneiden kann“, berichtet Rathke stolz. Aus diesem Grund können bei der weiteren Verarbeitung die Hobelverluste minimiert werden.
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OptiCut 150 kappt unerwünschte Holzmerkmale aus – dahinter Sortierstrecke mit Auswurfplätzen © DI (FH) Martina Nöstler

Retour oder Längskappung. Nach dem ersten Zuschnitt-Vorgang werden die Lamellen, die nochmals optimiert werden müssen, automatisch zur ProfiRip zurückgefördert. Die fertige Ware wird über einen Querförderer zur Längskappung abgezogen. Die Waldkanten-Reste von der Vielblatt-Säge werden dadurch automatisch der Restholz-Entsorgung zugeführt.
Vor der Kappung kennzeichnet ein Bediener die nach den Sortiervorgaben nicht zulässigen Holzmerkmale mittels fluoreszierender Kreide. Für die Längskappung ist eine – ebenfalls von der Weinig-Gruppe, Tauberbischofsheim/DE, geliefert – OptiCut 150 von Dimter, Illertissen/DE, im Einsatz. Holzquerschnitte von 30 mal 12 bis 220 mal 80 mm sind verarbeitbar. Angetriebene Rollen oben sorgen für einen störungsfreien Transport und positionieren jedes Holz exakt, ist man beim Hersteller überzeugt. Nach der OptiCut 150 werden die gekappten Hölzer über eine Sortierstrecke an frei programmierbaren Auswurfplätzen ausgetaktet und von Mitarbeitern in verschiedene Wägen einsortiert.
„Die Mengen müssen passen, damit sich so eine Investition lohnt“, meint Rathke. „Aufgrund der steigenden Kunden-Anforderungen nach gekappter und qualitativ hochwertiger Ware sind wir aber am richtigen Weg“, ist sich der Geschäftsführer sicher.
Keck ist seit Dezember 2004 Gründungsmitglied des European Hardwood Export Councils (EHEC) mit Sitz in Wiesbaden/DE. „Die Einführung des NHLA-Standards mit externem Qualitäts-Kontrollsystem hat bereits Erfolge bei der Vermarktung von besäumtem Buchen-Schnittholz weltweit gebracht. Weitere Investitionen in diesem Bereich sind für 2006 geplant“, so Steffen Rathke, der momentan den EHEC-Vorsitz innehat.Pläne in Schublade. Der Einschnitt im Sägewerk wird mit einem Gatter bewältigt. Zu 75% wird Laubholz – großteils Buche – verarbeitet. „Im Herbst, wenn diese Holzart nicht verfügbar ist, weichen wir für unsere eigene Kisten-Produktion auf Nadelholz aus. Ich weigere mich, Buchen-Rundholz zu lange auf Lager zu legen – verstockte Buchen kann man nicht vermarkten“, bleibt Rathke standhaft.
Für weitere Investitionen im Sägewerk hat der Geschäftsführer auch schon Pläne in der Schublade …

Keck-Facts

Gegründet: 1903
Geschäftsführer: Bernhard und Steffen Rathke
Mitarbeiter: 35
Einschnitt: 40.000 fm/J, davon 75% Laubholz
Holzarten: Buche, Eiche, Ahorn, Esche, Fichte, Kiefer
Produkte: besäumte und unbesäumte Ware sowie Zuschnitte für die Möbelindustrie, Treppen, Innenausbau, Parkett, auch Import und Export über Holzgroßhandel
Export: 70% (weltweit, Schwerpunkt Europa)