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ASM 130: Besäumer bewältigt Schnitthöhen bis 130 mm bei dreistielig variablem Einschnitt © DI (FH) Martina Nöstler

Vielfältige Sortimente

Ein Artikel von DI (FH) Martina Nöstler | 18.12.2007 - 10:27
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ASM 130: Besäumer bewältigt Schnitthöhen bis 130 mm bei dreistielig variablem Einschnitt © DI (FH) Martina Nöstler

Möglichst hohe Qualitäten aus dem Rundholz rausholen und nicht nur Massensortimente zu produzieren - so lautet der Anspruch beim Sägewerk Birrer, Hergiswil/CH. An die 12.000 fm werden jährlich im Sägewerk mit dem Gatter eingeschnitten. „Wir haben in den vergangenen Jahren ständig unsere Arbeitsabläufe optimiert”, berichtet Geschäftsführer Lukas Birrer. Dennoch wurde es aufgrund der steigenden Marktanforderungen notwendig, eine große Investition im Bereich der Säge sowie bei der Sortier- und Stapelanlage in Angriff zu nehmen. „Wir sind einfach an unsere Grenzen gestoßen”, ergänzt Birrer.
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Zum Nachschneiden wurde vor dem ASM noch eine Fremdaufgabe installiert © DI (FH) Martina Nöstler

Zweigeteilter Spezialist. Birrer hat sich besonders auf ein Sortiment spezialisiert: Fensterkantel in hochwertigen Qualitäten. „Wir können schnell und flexibel liefern”, ist Birrer überzeugt. Etwa 50% der Einschnittmenge betrifft diese Dimensionen. Die andere Hälfte sind Bauholz bis 12 m Länge sowie Ware für die Paletten- und Verpackungsindustrie.
2006 entschloss sich Birrer, einen neuen Besäumer und eine Sortier- und Stapelanlage zu errichten. Als Lieferant wurde H.I.T., Ettringen/DE, gewählt. „Mir haben die Lösungsansätze von H.I.T. gefallen. Die angebotene Lösung hat gepasst”, begründet der Geschäftsführer. Investitionssumme: 2,5 Mio. CHF (1,5 Mio. €).
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Mitarbeiter beurteilt vor der Stapelung die Qualität des Schnittholzes – hinter dem Sortierrad sind die Kappkreissägen installiert © DI (FH) Martina Nöstler

Genaue Vorbereitung. Im Herbst 2006 begannen in Hergiswil die baulichen Vorbereitungen für die neuen Maschinen. Im Jänner startete H.I.T. mit den Installationen. „Da die neuen Anlagen alle zusammenhängen, war eine präzise Vorbereitung notwendig”, erinnert sich Birrer zurück. Dadurch musste die Produktion im Sägewerk lediglich für zwei Wochen eingestellt werden. Der Maschinenbauer hat die Mechanisierung hinter dem bestehenden Gatter erneuert und den neuen Besäumer, Typ ASM 130, angebunden.
Haupt- und Seitenware bis 130 mm gelangt hinter dem Gatter zum ASM. Zwei Decks wurden installiert: einmal für den direkten Weg vom Gatter zum Besäumer. „Die obere Etage dient zur Fremdaufgabe zum Beispiel von trockener Ware oder zur Rückführung zum ASM, wenn etwa Fensterkantel produziert werden”, erläutert H.I.T.-Betriebsleiter Franz Anton.
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Das Sortierrad trennt die verschiedenen Dimensionen aus einer Box, die nochmals nachsortiert werden © DI (FH) Martina Nöstler

Daten direkt übergeben. Der Besäumer bewältigt Schnittstärken bis 125 mm. Generell verarbeitet Birrer Längen von 2,5 bis 6,3 m bei einem maximalen Querschnitt von 120 mal 240 mm. Bis zu dreistielig kann der Besäumer die Ware auftrennen. Werden unterschiedliche Dimensionen geschnitten, ist eine automatische Vereinzelung der Ware hinter dem ASM möglich. Ansonsten gelangt das Holz chargenweise zur angeschlossen Sortier- und Stapelanlage.
Der Bediener kann das Schnittholz je nach gefordertem Sortiment entweder mittig zentrieren oder an der linken beziehungsweise rechten Waldkante ausrichten. Beim faserparallelen Schnitt wird das Reststück nochmals durch den Besäumer geführt. Die Daten (Qualität und Dimension) werden direkt an die Sortier- und Stapelanlage weitergegeben.
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Ansicht auf die 30-Boxen-Sortierung mit Stapelanlage (Zuführung vorne links, Paketierug hinten rechts) © Birrer

Über 100 m Transport. Die besäumte Ware wird hinter dem ASM nach links zu einem Quertransport abgezogen und vereinzelt. „Aufgrund der baulichen Konstellation bei Birrer - die Sortierung ist in einer extra Halle untergebracht - mussten wir einen über 100 m langen Transportweg überwinden”, erklärt Anton. Das Schnittholz wird nun in 5 m Höhe über das Betriebsgelände gefördert.
Die Ware wird nach dem Transport in der Sortierung mit 30 heb- und senkbaren Boxen eingeteilt. Zusätzlich wurden drei Boxen für die Rücksortierung vorgesehen. „Das Besondere bei der Anlage sind die vielfältigen Dimensionen und Qualitäten, die bei Birrer anfallen”, ergänzt Anton. Eigentlich wäre aus diesem Grund eine Sortierung mit 100 Boxen oder mehr notwendig gewesen. In eine werden bis zu vier Qualitäten oder Querschnitte einsortiert. Ist eine Box voll, wird diese nach unten entleert und über eine Entzerrstufe nach oben zur Stapelanlage gefördert.
Eine Quer- und Längsvermessung ermittelt die Brettgröße. Die Ware, die nicht sortiert wird, wird mittels Sortierrad ausgeschleust und in eine der drei Boxen zwischengelagert, bis diese zur Stapelanlage gelangt. „Mit dem Sortierrad haben wir eine gute Lösung für unsere zahlreichen Querschnitte gefunden”, freut sich auch der Schweizer Unternehmer.
Vor der Stapelanlage wurden fünf Kreissägen für den Sauberkeitsschnitt an den Enden und/oder Trennschnitt installiert. Die Sägen lassen sich bis auf 600 mm millimetergenau zusammenfahren. Der Ausschuss fällt mittels Klappe nach unten. Der Schnittholz-Teppich wird am Paket sauber abgelegt. Bei der Lattenlegung fallen die Stapellatten nicht einfach auf die Ware drauf, sondern werden mittels Greifer sanft und an der richtigen Stelle positioniert. Aus Sicherheitsgründen wurden die Anlagen mit Videokameras und Lichtschranken ausgestattet.
Da nun der Flaschenhals im Sägewerk beseitigt ist, wird der Einschnitt künftig bei Birrer Holz auch etwas gesteigert. „Wir möchten aber klein und flexibel bleiben”, erläutert der Chef, der an einen maximalen Einschnitt von 20.000 fm/J denkt.
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Genau gearbeitet: Ein Greifer legt die Stapellatten präzise am Schnittholzpaket ab © DI (FH) Martina Nöstler

Gemeinsam gefeiert. Der erfolgreiche Umbau wurde bei Birrer gebührend gefeiert. „Viele Kunden und Nachbarn waren auf unsere neue Produktion neugierig”, meint Birrer. Darum hat man am 1. September einen Tag der offenen Tür veranstaltet, bei dem sich über 1000 Gäste ein Bild vom Sägewerk machen konnten.Kooperation für Rundholz-Beschaffung. „Wir achten schon beim Rundholzeinkauf auf hohe Qualität.” Die Ware wird ausschließlich in der Schweiz bezogen, zur Hälfte etwa von privaten Waldbesitzern oder Kooperationen in der Region. Birrer kauft sämtliche Rundholz-Durchmesser. Bis 60 cm kann Birrer am Gatter selbst schneiden. „Etwa 500 fm/J lassen wir bei einem Bandsägewerk im Lohn schneiden”, informiert der Unternehmer. Die Rohholzbeschaffung wird in den nächsten Jahren laut Birrer ein zentrales Thema für die Sägewerke darstellen. Darum ist man seit zwei Jahren Teil der Forst-Line-Gruppe. Die Organisation übernimmt unter anderem den Einschlag, Transport und Vermarktung für mehrere Unternehmen.
Das Restholz wird an die Papierindustrie verkauft, die Sägespäne an die Spanplatten- oder Pelletsindustrie. Rinde oder trockenes Restholz wird an Heizanlagen geliefert oder selber thermisch genutzt. Damit werden etwa die Trockenkammern und Wohnungen be
Seit drei Jahren ist Birrer Holz auch nach FSC, Swiss-Quality und PEFC zertifiziert. „Den Rohstoff aus möglichst nachhaltiger Forstwirtschaft zu beziehen, ist ein Ziel, dass wir heute zu 90% erreichen”, freut sich der Geschäftsführer.

Birrer-Facts

Gegründet: 1925 von Alois Birrer
Geschäftsführer: Lukas Birrer
Mitarbeiter: 15
Umsatz: 4 Mio. CHF (2,5 Mio. €)
Einschnitt: 12.000 fm/J (2007)
Technik: Gatter, Besäumer
Holzarten: Fichte, Tanne
Produkte: Rohware für Fensterkanteln, Bau- und Verpackungsholz, Palettenware
Absatz: ausschließlich regional an Tischlereien, Zimmereien, Paletten- und Kistenfabriken