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Franz Welte kann wieder strahlen - nachdem sein Sägewerk 2010 abbrannte, geht es jetzt im neuen Werk wieder aufwärts © Michael Reitberger

Er sägt wieder

Ein Artikel von DI Michael Reitberger | 07.08.2012 - 13:12
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Franz Welte kann wieder strahlen - nachdem sein Sägewerk 2010 abbrannte, geht es jetzt im neuen Werk wieder aufwärts © Michael Reitberger
Als er eines Junitages 2010 vor den Trümmern seines abgebrannten Sägewerks stand, wähnte sich Franz Welte am Rande seiner Existenz. Ein trotz Metallsuchgerät in der Hackmaschine verirrtes Eisenteil hatte am Vortag kurz vor Feierabend einen technischen Defekt ausgelöst, wodurch glühend heiße Metallteile in einen Sägespänebunker fielen. Erst am kommenden Morgen entzündeten sich die Späne. Noch bevor Welte selbst an Ort und Stelle war, verrichteten bereits Einsatzkräfte der örtlichen Feuerwehr ihren Dienst. „Zuerst dachten wir, es sei nicht so schlimm, weil nur ein Teil des Gebäudes brannte und die Löscharbeiten in vollem Gange waren. Doch dann kam es überraschend zu einer Staubexplosion und das komplette Sägewerk stand nach einem ohrenbetäubenden Knall in Flammen. Ich konnte nur noch zusehen, wie das, wofür ich jahrzehntelang hart gearbeitet hatte, in Minutenschnelle dahingerafft wurde“, schildert Welte seine Schreckensgeschichte.

Weitermachen war Familiensache

Wie bei vielen anderen Sägewerksunternehmern ist Welte als Eigentümer und Geschäftsführer nicht der einzige seiner Familie, der im Sulzer Betrieb arbeitete. Seine Frau Christine kümmerte sich um die Buchhaltung und allfällige Büroarbeiten. Ebenfalls wurden die beiden Söhne früh mit der Branche vertraut gemacht. Der ältere ist Kuchl-Absolvent, der jüngere folgt mit großen Schritten. „Kurz nach dem Brand war es am wichtigsten, mit unseren Versicherungspartnern zu kommunizieren und den Schaden ersetzt zu bekommen. Ich wollte Säger bleiben, aber dazu musste die Frage der Finanzierung geklärt sein. Durch die tatkräftige Unterstützung unseres Versicherungspartners Riffler & Partner, Bludenz, gingen relativ zügig erste Schadensersatzzahlungen der Versicherung ein. Da es uns in Sulz von politischer Seite stark erschwert wurde, wiederaufzubauen, entschlossen sich meine Familie und ich zum Bau eines neuen Sägewerks.“

Kundenstamm blieb erhalten

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Die Hauptware wird bei Welte ergonomisch mit einem Vakuumheber gestapelt © Michael Reitberger
Zwei Jahre vergingen, bis Welte am neuen 12.000 m²-Standort in Feldkirch seinen ersten Stamm sägte. „Bis dahin hatten wir schwer zu kämpfen. Ich wollte meine Mitarbeiter in der Übergangszeit weiterbeschäftigen und meinen Kundenstamm erhalten. Die Maschinen, die in Sulz noch reparabel waren, nutzten wir, um über die Runden zu kommen. Ich habe nach wie vor Rundholz gekauft und dieses bei anderen Sägern lohnschneiden lassen. Da der Grund in Feldkirch schon uns gehörte, konnten wir dort nach einigen behördlichen Stolpersteinen das Gelände vorbereiten. Hätten wir uns erst einen Grund kaufen müssen, wäre ein Neubeginn undenkbar gewesen“, erklärt Welte.

Seit Mai 25.000 fm/J

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Für die Mechanisierungsausstattung im Feldkirchner Sägewerk trug der italienische Maschinenbauer Pribo die Verantwortung © Michael Reitberger
Im Mai diesen Jahres war es dann so weit und Welte Holz startete in der Paspelsstraße offiziell den Betrieb. Die Kapazität des Sägewerks beläuft sich auf einen Jahreseinschnitt von 25.000 fm Nadelholz. Das Werk wirkt sehr kompakt, der Produktionsfluss sehr durchdacht. Für die Planung des Sägewerks zeigte sich Rudolf Pfefferkorn, Steeg, mitverantwortlich. Aufgebaut wurden neben der vom Sulzer Standort mitgenommenen Entrindungsanlage nur neue Maschinen. Eine 1800er-Blockbandsäge von Primultini, Marano Vicentino/IT, bearbeitet die Bloche im Vor- und Rückschnitt. Die Mechanisierungs- und Brettstapelanlage lieferte Pribo, Lardaro/IT. Ein Combimes von EWD, Altötting/DE, sorgt für die automatische Brettbesäumung und den Hauptwarennachschnitt. Zusätzlich kommt in der Sägehalle eine Primultini-Trennbandsäge zum Einsatz. Zur Stapelung der Hauptware verwenden die 10 Mitarbeiter bei Welte Holz einen Vakuumheber von Kaiser Vakuumtechnik. Ein 800 kW-Kessel von Agro Forst- und Energietechnik, St. Paul i. L., beheizt unter anderem zwei 80 m³-Trockenkammern von Mühlböck, Eberschwang. Ein Trommelhacker von Vecoplan, Bad Marienberg/DE, verarbeitet das Restholz.

50 % aus und in die Schweiz

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Mit einem Combimes von EWD wird Seitenware besäumt und Hauptware nachgeschnitten © Michael Reitberger
Momentan produziert man täglich 80 m³-Nadelschnittholz (Fi/Ta/Lä), gibt Welte an. Eine Steigerung auf 120 m³ sei angedacht. Dafür und weil man den Bau einer Schnittholzhalle mit integrierter Hobelstraße in Planung hat, sollen angrenzende Flächen erschlossen werden. Insgesamt befinden sich am Standort 20.000 m² Grund im Besitz des Unternehmens. Doch auch hier muss sich Welte lange Behördenwege gefallen lassen. „Es ist selbstverständlich, dass wir mehr Platz brauchen. Ich baue doch kein 25.000 fm-Sägewerk auf 12.000 m². Wir befinden uns inmitten landwirtschaftlich nutzbarer Flächen. Deren Umwidmung dauert voraussichtlich bis zu zwei Jahre.“
An sich lobt Welte die Ansiedelung in Feldkirch als „Top-Standort“. Die Nähe zur Autobahn und in die Schweiz sei von Vorteil. 50% des Rundholzes kauft man im Nachbarland und ein ebenso großer Anteil der Schnittholzverkäufe geht dorthin.
Wie viele andere Vorarlberger Holzverarbeiter legt auch Welte seinen Fokus nicht auf Quantität, sondern auf Qualität. „Wir versuchen, unsere Produkte von der Massenware abzuheben. Unsere Kunden sind gerne bereit, für entsprechende Bauholzqualität auch den einen oder anderen Euro mehr zu bezahlen“, informiert der Säger (mit kernhaltigen Kanthölzern von deutschen Erzeugern machte Welte schlechte Erfahrungen). Zur Stammkundschaft von Welte Holz gehören Zimmereien, Baustoffhändler, Holzhändler, Bauunternehmen und die Verpackungsindustrie.
„Den Vorteil, in Vorarlberg auf bestes Hochlagen-Rundholz zurückgreifen zu können, nutzen wir voll aus. Wir haben das Bergholz vor der Haustüre. Ich kaufe nichts, was unter 800 m Höhenlage gewachsen ist. Zusätzlich achten wir darauf, vorzugsweise wintergeschlägertes Rundholz einzukaufen. Für gute Schnittholzqualitäten erkenne ich am Markt eine deutliche Tendenz nach oben. Probleme bezüglich Rohstoffversorgung kenn ich nicht“, so Welte.
Über einen möglichen Neuanfang im nahegelegenen Domat/Ems macht sich der Vorarlberger keine Sorgen.

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