Aufgabe: Eine Vakuumentstapelung hebt Schicht für Schicht ab, vereinzelt sie, führt sie der Sortierstation zu und entsorgt die Stapelleisten © Minda
Die Leimholzspezialisten von Minda, Minden/DE, waren für das Gesamtkonzept verantwortlich. Gemeinsam mit Schaffitzel bestimmten sie, wo welche Maschinen angeordnet werden. Die Halle wurde neu gebaut. Die Binderproduktion folgt dem idealen Layout – einer U-Form. 45 m sollte die Maximallänge der BSH-Träger betragen. Die Halle besitzt hierfür 3500 m2 Grundfläche.
Maschinelle und manuelle Sortierung
Leimholzfertigung in 14 Schritten. 1: Aufgabe mit Vakuumentstapelung, 2: Feuchtigkeitskontrolle, 3: maschinelle Festigkeitsmessung, 4: manuelle Qualitätssortierung, 5: Sortierroboter mit sechs Boxen, 6: Restholzbox, 7: Kappung, 8: Kompakt-Keilzinkenanlage, 9: Aushärtelager, 10: Vierseiten-Hobelautomat, 11: verstellbarer Anschlag, 12: Binderaufstellstation, 13: 45?m Bogenpresse, 14: gerade Presse © Johannes Plackner
Die Lagen werden über einen Querförderer vereinzelt. Der führt die Bretter zunächst zur Taktfeuchtemessung DMT8 von Gann. Als Nächstes kommt eine Stirnseitenfräse, welche eine definierte Oberfläche anfertigt. Darauf klopft die Stahlkugel des Microtec-Viscan-Systems. Aufgrund der Schwingungsfrequenz, des Querschnitts, der Länge und des zuvor gemessenen Gewichts errechnet Microtec in Sekundenbruchteilen die Festigkeitsklasse. Ob die Lamelle den Sichtanforderungen entspricht, entscheidet ein Bediener. Mit Fluoreszenzkreide zeichnet er die Holzfehler an, die im nächsten Schritt ausgekappt werden.
Die angezeigneten Kappschnitte registriert ein Kreidescanner direkt nach der Beurteilungsstation. Diese Daten sind für die weitere Verarbeitung von erheblicher Bedeutung.
Jetzt kommt jenes Bauteil, das Schaffitzels Linie zu einer einzigartigen macht. Vor der Kappsäge sortiert ein knalloranger Industrieroboter von ABB, Zürich, die Lamellen nach Oberflächenqualität, Festigkeitsklasse und Holzart (s. Kasten re. Seite). Bereits jetzt weiß der Leitrechner, wo und in welchem Binder jede Lamelle landen soll. Schaffitzel ist von dieser Technik begeistert: „Als Minda das angeboten hat, wusste ich: Das ist die Zukunft, das will ich haben.“ Kaum ein Betrieb kann die Flexibilität des Roboters besser nutzen als Schaffitzel. Der Schwabe verleimt nicht nur Fichte, sondern auch Accoya, Buche, Lärche oder Douglasie. Die Minda-Anlage kommt auch mit Hybridträgern mit zwei Holzarten zurecht.
Querlager lässt sich teilen
Im Querlager härten die bis zu 45?m langen Lamellen aus - bei Bedarf arbeitet das Lager, aufgeteilt auf zwei Bereiche (20 und 24?m), im Blockbetrieb © Minda
Die ausgehärteten Lamellen gelangen am Ende des Querlagers über eine Knickentstapelung auf Höhe der Hobelrollenbahn. Ein Mitarbeiter legt die bis zu 45 m langen Bretter um. Dann geht‘s ab in den 150 m/min schnellen, eingehausten Vierseiten-Hobelautomaten von Rex. Gleich nachdem die Lamellen den Hobelkobel verlassen haben, werden sie von oben mit MUF-Leim und Härter benetzt (Türmerleim). Es folgt die letzte Rollenbahn. Das Ende der Fahrt markiert ein millimetergenau verstellbarer Automatikanschlag. Er stoppt die Lamelle an jenem Ort, wo sie im Binder vorgesehen ist. Die Lamelle wird aufgestellt und auf einem schrägen Querförderbereich zum Presskuchen vorgeformt.
Zur Beschickung von gerader und Bogenpresse benutzt Schaffitzel drei Brückenkräne mit synchronisierter Steuerung. Sobald die Lamellen im Bett liegen, bringen zwei Bediener den Pressdruck auf. 360 min (bis zu sechs Stunden) dauert das Aushärten. Dann kommt abermals der Kran, hebt die Binder auf die Zuführung des Rex-Binderhobels. An dessen Hinterseite wartet dann die Abbundhalle.
Produktion für die nächste Generation
Die neue Linie verdoppelt die Kapazität auf 11.000 m3/J. Mit 45 m sind deutlich längere Binder möglich als auf der alten Anlage aus 1989, die nur 31 m ermöglichte. „Investiert habe ich auch, da mein Sohn Jörg nächstes Jahr ins Unternehmen einsteigen wird. Da will man natürlich einen attraktiven Betrieb übergeben“, weiß Schaffitzel. Mit dem Projektablauf war man sehr zufrieden. Nur zwei Wochen standen die Maschinen still. Kurz danach wurde ein 42 m-Binder erzeugt und ausgeliefert. Natürlich fristgerecht, immerhin sind wir hier in Schwaben.Die Roboter kommen in die Leimholzindustrie
3,9?m Spannweite hat der Industrieroboter, den Minda bei der Schaffitzel Holzindustrie erstmals als Lamellensortierer in eine BSH-Produktion integrierte © Johannes Plackner
Acht bis zehn Stücke pro Minute wird der sechsachsige Roboter manipulieren. Trotz unzähliger Bewegungen der Gelenke sei diese Lösung wartungsarm, betont Minda. Die Maschinenbauer setzen seit Langem bei der Ausstattung von Wellpappebetrieben auf Industrieroboter. Die Ansteuerung und Wartung haben die Mindener im Griff. Verglichen mit einem Etagenpuffer mit sechs Lagerplätzen seien die Standardroboter auch günstiger, heißt es.