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CT.Log am Microtec-Gelände in Brixen © Microtec

Gewaltige Datenmengen

Ein Artikel von Hannes Plackner | 01.10.2014 - 09:50
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Federico Giudiceandrea präsentierte in Klagenfurt die neue Bedienoberfläche © Johannes Plackner

Was bringt‘s? Diese Frage hat jeder Holzindustrielle im Kopf, wenn es um Investitionen geht. Das gilt auch bei Scannern. Antworten auf diese Frage gab‘s am Microtec-Stand auf der Klagenfurter Holzmesse. Das dort vorgestellte Sortiment reichte vom Flaggschiff CT.Log für Rundholz (von dem bereits die fünfte Anlage verkauft ist) bis weit in die Weiterverarbeitung hinein. Bei Weinbergers BSH-Werk in Abtenau wird etwa jede Lamelle von einem Goldeneye-Multisensor-Scanner und einem M3Scan-Feuchtemessystem untersucht. Das funktioniere tadellos, konnte man bei einem Gespräch am Messestand erfahren.

Neue Farbkameras, neue Ideen

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Goldeneye?500 präsentiert sich im neuen Design © Microtec

Microtec-Chef und Vordenker Dott. Federico Giudiceandrea stand in Klagenfurt selbst Rede und Antwort. Der Schweighofer-Preisträger erklärte in seiner typisch engagierten Art, wohin die Reise gehe: „Unsere Systeme fokussieren sich immer mehr auf die Qualitätserkennung.“ Daher entwickelt Microtec Kameras, die für die Erkennung von Holzmerkmalen optimiert sind. Die Optoelektronik mit höherer Abtastrate und besserer Auflösung nennt sich „Crometic-Kamera“. Geforscht wird auch bei der Eigenfrequenzmessung. Zur Erklärung: Wird ein Brett durch einen Schlag in Schwingung versetzt, kann ein Laser anhand der Schwingungsfrequenz die Holzfestigkeit erkennen. Diese Methode ist als System Viscan etabliert und zugelassen. „Die Idee ist aber nicht ausgereizt. Ich bin überzeugt, dass man interne Merkmale, etwa Risse, heraushören kann“, schilderte Giudiceandrea. Das verlangt eine exakte Frequenzmessung. Da Microtec in seinen Viscan-Einheiten Laser statt Mikrofone verwendet, ist man bereits gerüstet.

Erstes CT-System für Deutschland gebaut

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CT.Log am Microtec-Gelände in Brixen © Microtec

Wer dieser Tage den Microtec-Hauptsitz in Brixen passiert, kann dort einen CT.Log in voller Größe bestaunen. Direkt am Unternehmensgelände wurde jenes Exemplar aufgebaut, welches im Herbst bei der Holzindustrie Torgau (HIT) installiert wird. Es wird das erste System seiner Art in Deutschland sein.

Die technisch anspruchsvolle Anlage mit rotierendem Röntgenfeld wird in Brixen in Probebetrieb genommen. Darauf hin folgen die Abnahme, die Demontage, der Transport an den Bestimmungsort sowie der erneute Aufbau beim Kunden.

System wird sich ab 500.000 fm/J lohnen

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Microtec-Logeye hat eben-falls ein neues Design und eine neue Technologie © Microtec

Ein Gespräch mit Giudiceandrea zu führen, ohne sein Meisterstück, den CT.Log, anzusprechen, ist undenkbar. Der Hochleistungsscanner, welcher Microtec (zum zweiten Mal) die Holzkurier-Auszeichnung „Holzindustrieausstatter des Jahres“ einbrachte, wurde heuer zwei Mal gebaut. Einer war für das neue Sägewerk der Idaho Forest Group in Lewiston/US bestimmt. Der Rundholzplatz stammt von der Maschinenfabrik Springer, Friesach. Der zweite wird bei der Holzindustrie Torgau (HIT) montiert (s. Kasten li.). „Ich freue mich über diese Installationen. Denn damit wird die Wirtschaftlichkeit im finanziell harten Sägewerksalltag unter Beweis gestellt“, meinte Giudiceandrea.
Seit Vorstellung des Systems auf der Ligna 2011 hat das Microtec-Team vor allem die zugehörige EDV weiterentwickelt. Es sind gewaltige Datenmengen, die in Echtzeit weiterverarbeitet werden müssen. Bei HIT wird der CT.Log direkt vor der Sägelinie platziert. Ziel ist die wertoptimierte Produktion. Zwischen dem Scanvorgang und der Stammeindrehung vor der Bandsäge vergehen nur Sekunden. Microtec verwendet dafür eine iterierende Optimierung. „Das geht schon recht schnell und wir entwickeln die Systeme ständig weiter. Vorteilhaft ist natürlich, dass die Rechner selbst immer schneller werden“, erklärte der Microtec-Geschäftsführer.
Bei klassischen Nadelholzsägewerken setzt Giudiceandrea die Wirtschaftlichkeitsschwelle bei „rund 500.000 fm/J“ an. Es gebe aber auch eine Reihe von Anwendungen, wo sich ein CT.Log für deutlich geringere Einschnittmengen lohnt.
Neben dem Flaggschiff hält Microtec auch die restliche Flotte an Scansystemen am Puls der Technik. Die Logeye-Rundholzscanner wurden weiterentwickelt. Die 3D-Vermessung ist mit Farbkameras und Röntgen aufgerüstet worden. Klenk Holz hat etwa für sein Kiefernsägewerk in Baruth ein solches System geordert.
In Schweden ist man schon einen Schritt weiter. Dort wird das reine Holzvolumen ermittelt, obwohl in Rinde gemessen wird. Wann die Blochqualität ebenfalls vollautomatisch bestimmt wird, sei nur eine Frage der Zeit (beziehungsweise der Zulassung – technisch möglich ist es bereits). Weitere Anwendungen sind die automatische Erkennung und Ausschleusung von teilentrindeten Blochen und damit die Schonung der Sägelinie.

Absatzrekord

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Blick in die Werkstatt: In der blitzsauberen Montagehalle in Brixen bauen Microtec-Mitarbeiter Golden­eye-Scanner für Kunden in aller Welt © Microtec

Als „sehr großen Erfolg“ bezeichnete Giudiceandrea die Goldeneye-Serie. Diese Anlagen erkennen die Qualität von Schnittholz. Sie sind speziell auf die Bedürfnisse der Weiterverarbeitung und Leimholzfertigung ausgelegt.
2013 wurde die Serie überarbeitet (s. Interview re. mit Entwicklungsleiter Konrad Tschurtschen­thaler). Das Resultat: Seit Markteinführung der neuen Generation sind bereits 34 Goldeneye Scanner verkauft worden, auch dank der erfolgreichen Zusammenarbeit mit System TM, Odder/DK. Das sei Rekord. Installiert wird weltweit: Holzverarbeiter in Nord- und Südamerika zählen ebenso zum Kundenkreis wie Kollegen in Neuseeland oder Russland. Microtec setzt bereits 60 % außerhalb von Europa um. Das verlangt auch entsprechenden Service. Die Südtiroler haben daher einen Fernwartungsdienst und eine 24/7-Hotline eingerichtet. „Das wird uns aber auch in Europa zugutekommen – spätestens dann, wenn die Industrie hierzulande in den Dreischichtbetrieb zurückkehrt“, blickte Giudiceandrea optimistisch in die Zukunft.

Seit Inbetriebnahme „keine Reklamationen“

Was das Innenleben der Goldeneye-Systeme angeht, kommt Giudiceandrea nochmals auf die Crometic-Kameras zurück. Diese werden bei den aktuellen Kantholzscannern eingesetzt (und ließen sich bei älteren Systemen auch nachrüsten). Technisch vorteilhaft sei deren „extrem schnelles, logarithmisches Verhalten“, sagte Giudiceandrea. Gemeint ist damit, dass diese Kameras in einer helleren Umgebung arbeiten können, ohne dass es zu einer Sensorsättigung kommt. Und mehr Licht heißt immer: bessere Erkennung. Die Abtastrate der Crometic-Kameras erreicht 4000 Scans pro Sekunde. Das reicht für alle vorkommenden Vorschubgeschwindigkeiten aus.
Und die Erkennungsqualität? Lassen wir das einen Experten beurteilen, der am Messestand vorbeischaute. Johann Alfred Weinberger ist Geschäftsführer von Weinberger Holz. Der Betrieb hat sich konsequent auf die Herstellung von hochwertigem Leimholz spezialisiert. In der neuen BSH-Fertigung in Abtenau (Berichte s. Holzkurier Hefte 36 und 38) arbeitet ein Goldeneye-Qualitätssscanner mit M3Scan-Feuchtemessung. „Wir haben nun über Monate keine Reklamation und erzielen eine bessere Ausbeute“, erklärte Weinberger in Klagenfurt. „Das dürfen Sie zitieren.“ Damit wäre auch die eingangs gestellte Frage „Was bringt‘s?“ beantwortet.

Nachfrage beim Entwicklungsleiter

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Konrad Tschur­tschenthaler, Leiter der Produktentwicklung von Microtec in Brixen © Microtec

Microtec ist mit seiner Goldeneye-Serie Weltmarktführer bei Multisensor-Qualitätsscannern für Holz. Sie sind in über 50 Ländern im Einsatz. In den Microtec-Labors in Brixen wird indes weitergetüftelt. 2013 wurde das Erfolgsmodell überarbeitet und der Goldeneye 500 neu eingeführt. Verantwortlich dafür ist Entwicklungsleiter Konrad Tschurtschenthaler.

Holzkurier: Nach welchem Prinzip arbeitet das System Goldeneye?
Konrad Tschurtschenthaler: Der Goldeneye ist ein Multisensorscanner. Er kombiniert 3D-Laserdimensionsmessung, Laserscattering, um den Faserverlauf zu erkennen, hochauflösende Kameras für Farb- und Oberflächenerkennung sowie Röntgensensoren für die Erkennung innerer Holzfehler und die Festigkeitsmessung. Wenn wir die Informationen der einzelnen Sensoren zusammenführen, erkennen wir die Holzfehler und -eigenschaften genau.

HK: Welche Neuerungen haben Sie zuletzt umgesetzt?
Tschurtschenthaler: Der aktuelle Goldeneye besitzt neue Microtec-Sensoren, welche die Bilder bereits am Chip verarbeiten. Die jüngste Generation der Röntgensensoren spart Energie, braucht keine Wasserkühlung und muss nicht separat abgeschirmt werden. Zuletzt haben wir aber vor allem die Software überarbeitet und sie für 64 Bit-Systeme optimiert. Die neue Oberfläche ist einfach zu bedienen. Anforderungen an das Endprodukt werden mit wenigen Klicks in Echtzeit gesteuert. Betonen möchte ich noch, dass Datenverarbeitung und -analyse in einen Rechner inte­griert sind.

HK: Was bringt das neue Design?
Tschurtschenthaler: Es erlaubt eine sehr kleine Lücke im Messbereich. So können auch kurze Bretter gescannt werden. Wir liefern den Goldeneye häufig als Einheit mit inte­griertem Ein- und Auszug. Das erhöht die Transportstabilität. Der Goldeneye bleibt trotz des neuen Aussehens eine offene Maschine. Alles ist kompakt verbaut und doch sind die Komponenten leicht zugänglich.

HK: Wie ist das Sortiment aufgeteilt?
Tschurtschenthaler: Die Modelle sind auf spezifische Querschnitte und Geschwindigkeiten ausgelegt. Der Goldeneye 600 scannt etwa bis zu 600 mm breite Bretter. Die Durchlaufgeschwindigkeit startet bei 100 m/min und erreicht beim Goldeneye 800 bis zu 1200 m/min. Für den Quertransport bieten wir mit dem Goldeneye 900 die Möglichkeit, alle vier Seiten eines Bretts zu scannen, was einen Einsatz auch in der Vorsortierung interessant macht. Der Goldeneye lässt sich natürlich mit weiteren Systemlösungen von Microtec kombinieren. Das sind etwa die Produkte M3Scan für Feuchtigkeitsmessung, Denscan für die Dichtemessung, Curvescan für die Messung von Verdrehung, Krümmung und die Lage der Markröhre oder Viscan für die Festigkeitsmessung.

HK: Angenommen, ich habe einen neuen Goldeneye in­stalliert. Was ist nun zu tun?
Tschurtschenthaler: Der Kunde charakterisiert zunächst detailliert sein Endprodukt. Für jeden Holzfehler wird dann ein komplexes Regelwerk erstellt – etwa, welche Größe, Position oder Häufigkeit von Ästen zulässig ist und welche Qualitätseigenschaften Priorität haben. Das ist bei jeder Installation unterschiedlich. Ziel ist es, anhand der erkannten Holzfehler ein Endprodukt zu garantieren, das den Spezifikationen entspricht und somit die Ausbeute und Wertschöpfung steigert.

HK: Wie viele Goldeneye-Systeme sind gegenwärtig im Einsatz?
Tschurtschenthaler: Weltweit rund 250. Damit haben wir enorme Erfahrung, wie Holzfehler auf dem Endprodukt zu vermeiden sind. Davon profitiert die Produktentwicklung ebenso wie Service und Wartung.

HK: Woran arbeiten Sie in der Produktentwicklungsabteilung aktuell?
Tschurtschenthaler: Die technischen Möglichkeiten entwickeln sich immer weiter. Diese Innovationen adaptieren wir für die Holz­erkennung. Gegenwärtig arbeiten wir beispielsweise an Applikationen für Laubholz und Lösungen für die großformatigen Produkte der Plattenindustrie.