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Toftan 2, Võrumaa, Estland © Toftan
Interview

Nahe am Optimum

Ein Artikel von Gerd Ebner | 10.04.2018 - 07:40
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Martin Arula, Geschäftsführer Toftan 1 und 2 © Gerd Ebner

Wie entstand Toftan 2?

Wir gingen sehr systematisch vor: Welcher Rohstoff ist im Umkreis von 50 km erhältlich? Die Antwort war: 8- bis 20 cm-Schwachholz in 3 m Länge. Der Rohstoff ist schwer zu handhaben und außerdem kaum geeignet, Höchstleistungen zu erzielen. Daher mussten wir hohe Zielgeschwindigkeiten für alle Anlagenteile einstellen.

Skandinavische Technik dominiert bei Ihnen. Warum?

Wir haben alle namhaften europäischen Ausrüster eingeladen, uns mit existierenden Installationen zu beweisen, dass sie die Vorgaben erfüllen. Bereits realisiert haben es die nun ausgewählten.

Entspricht das Werk dem theoretischen Optimum?

Fast. Wir mussten doch einige Konzessionen hinnehmen – etwa im Genehmigungsverfahren. Der Brandschutz zwang uns, die Fahrwege deutlich breiter zu gestalten. Allein das führt dazu, dass die Schnittholzstapler 1000 km/J weiter fahren, als wir es geplant haben. Vorschriften kosten mitunter also wirklich Geld und Zeit.

Welche Bewandtnis hat es mit den überall sichtbaren Leistungsdaten auf den Betriebsmonitoren?

Ich möchte die Sensibilität für die Gesamteffizienz schärfen. Niemand starrt permanent auf die Performance-Zahl am Monitor. Unbewusst wirkt es aber sicher. Stehen wir einmal für drei Minuten, geht die Zahl nach unten. Das verdeutlicht, wie bedeutend etwa die Verfügbarkeit ist.

Mir sind Ausbeute, Leistung und Qualität wichtig. Es ist einfach, eines davon zu maximieren. Nur ein Gesamtspiel aller drei Komponenten sorgt für den höchsten Profit.

Jede Woche haben wir Meetings, was wir verbessern können. Mit kleinsten Schritten optimieren wir die Gesamtanlage weiter. Vorschläge jedes Mitarbeiters sind willkommen. Wer täglich an der Maschine sitzt, kennt ihre Abläufe.

Im Werk arbeiten nur 18 Mitarbeiter, acht sind es im direkten Sägewerksumfeld. Ist das nicht riskant?

Das geht nur, wenn die Mitarbeiter flexibel an verschiedenen Positionen einsetzbar sind. Außerdem müssen Mitarbeiter zweisprachig sein, um mit den Ausrüstern kommunizieren zu können. Dafür zahlen wir auch fast 40 % über dem estnischen Durchschnittslohn.

Haben Sie technisch den Standard erreicht, den Sie sich wünschten?

Ich haben den Anspruch, jedes Brett so optimieren zu wollen, als ob es das letzte Brett auf Erden wäre.

Die größten Mängel gibt es noch in der Bildbeurteilung. Nur ein paar Algorithmen zu ändern, ist zu wenig. Wahrscheinlich bedarf es Artificial Intelligence. Bei den Millionen Brettern, die wir im Jahr haben, müsste künstliche Intelligenz eigentlich genug Futter haben, um sich ständig neue Erkenntnisse beizubringen.

Derzeit erzielen wir rund 170 €/m³ in allen Sortimenten. Da ließe sich mit Optimierung noch einiges machen.

Grundsätzlich gilt aber: Je wertvoller das Rundholz wird, desto achtsamer müssen wir im Sägewerk damit umgehen. Billiges Material wird immer zu achtlos gehandhabt.