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Golden leuchtet in der Abendsonne das bald fertige Hoho in Wien – im Schatten davor die gut gelaunte Holz-Exporteursrunde © Georg Binder

Holz-Exporteursrunde

Märkte noch orientierungslos

Ein Artikel von Gerd Ebner | 19.02.2019 - 16:49

Wie weit ist Schadholztransport möglich?

Unisono erkennt man „große Mengen, die zu Spotpreisen aus Tschechien nach Deutschland und insbesondere Österreich strömen“. Weniger einheitlich war die Beurteilung des Angebots aus dem Veneto, Trentino und aus Südtirol. „Frei Werk ist das Holz gar nicht so günstig“, war eine Meinung. Andere sahen allerdings die Möglichkeit, dass es sich sogar für steirische Betriebe rechnen würde, Schadholz zu importieren.

Die Holzqualität wäre jedenfalls sehr gut. Die lokal großen Mengen führen dazu, dass auch in den Folgejahren noch aufgearbeitet werden muss. Wie es dann mit der Qualität aussieht, sei eine wichtige Frage.

Ernten, bevor Wald tot ist

Die hohe Schneelage in Westösterreich führte im schneearmen Osten dazu, dass in Ruhe aufgearbeitet werden konnte. „Schneiden wir den Wald um, bevor er stirbt“, sei in tiefen Lagen des Waldviertels bereits das Motto. Entsprechend hoch ist das Angebot. Die Kiefer im Weinviertel weist ebenfalls große Schäden auf.

Ein weiteres trockenes Jahr wäre katastrophal. Die Säge-, Papier- und Plattenindustrie seien unisono alarmiert.

Rundholzcontainer nach China

Zur Marktentlastung erfolgten nun erste Rundholzlieferungen per Container von Deutschland und Österreich aus nach China. Gespannt war man in der Runde, ob das beispielhaft für die Zukunft sei und insbesondere, wie die Ware in Fernost ankomme.

Ein Dauerbrenner aller Holz-Exporteursrunden ist der Waggonmangel, speziell bei den ÖBB. Weitere Bahnhofschließungen sorgten jüngst für Aufregung in der Holzbranche.

Die Witterung und das Schadholzaufkommen lassen die Sägewerke auf sehr hohem Niveau produzieren. „Die verdienen jetzt gutes Geld. In fünf bis sechs Jahren wird allerdings das Rundholz fehlen“, wurde schon gewarnt.

Italienisches Kaufmanns-Genie

Die italienischen Wirtschaftsdaten für 2019 sind nicht erfreulich. In der Holz-Exporteursrunde war man sich aber uneinig, ob der Bedarf in Italien wirklich niedriger sein werde. In Wien wusste man, dass das Angebot bis in den Dezember preislich stabil war. „Durch deutsche Kampfpreise kam aber in Italien preislich alles ins Rutschen. Und jetzt gibt es bei der Seitenware eine Preisdifferenz von bis zu 40 €/m3. Die Kunden wissen: Wenn du jetzt den falschen Lieferanten hast, hast du ein Problem. Daher kaufen viele gar nichts mehr und warten ab. Die Italiener sind exzellente Kaufleute. Sie nutzen jede Marktveränderung aus“, gab es Lob in Richtung Italien.

Zurückhaltung bei fallenden Preisen

„Es ist doch immer das Gleiche. Bei steigenden Preisen kauft jeder ein Schnittholz-Paket mehr, als er braucht, bei fallenden Preisen eines weniger. Das verstärkt den Strudel nach unten – und wir sind jetzt mittendrin“, brachte es ein Holzexporteur auf den Punkt.

„Jede Holzindustrie mit integrierter Weiterverarbeitung muss produzieren. Stockt der Absatz, wird geschleudert. Für BSH und KVH gibt es weniger Abnehmerländer, da wirkt sich das umso schneller aus“, klagte ein anderer.

Rückfall um fünf Jahre?

Die Seitenwarenpreise haben bald 20 % gegenber dem Vorjahr nachgegeben – auf ein Niveau, das es zuletzt 2010 gab. „Im Vorjahr hieß es bei vielen Sortimenten noch: ‚Das muss nicht nach Italien, dafür gibt es weltweit Alternativmärkte.‘ Ich frage mich nun, wo diese Abnehmer sind. Eher scheint es so, dass erneut Italien als Entlastungsmarkt benutzt wird“, beklagte ein Italienspezialist.

Bei den Pellets hätten sich die Hersteller im Herbst noch Sorgen gemacht, ob im Winter die Versorgungssicherheit für alle Kunden noch gegeben sei. „Nun, in einem Winter mit Schnee, aber eher hohen Temperaturen brauchten die Kunden wenige Pellets und die Hersteller arbeiteten durch. Jetzt gibt es eher zu viele als zu wenige Pellets“, resümierte einer. Zweistellige Rückgänge seien beim Vorsaisonpreis nun keine Überraschung, hieß es.

Österreich boomt

Und im Inland? Die Holz-Exporteursrunde sah in der Seestadt Aspern, was sich tut: Überall stehen Krane, der Ballungsraum Wien boomt. Das Wetter lässt zu, dass im 1. Quartal durchgebaut wird. Dasselbe gilt für die Steiermark: Die Holzbauunternehmen sind gut ausgelastet. Das lässt die Zuversicht für das 2. und 3. Quartal steigen.

Ist Brexit „game changer“ bei Eiche?

Zu einer geänderten Marktlage könnte es bei der Eiche kommen. Ende März wird Großbritannien wohl die EU verlassen. Das Vereinigte Königreich ist ein großer Markt für besäumte Ware. Zuletzt wurde aufgrund der Unsicherheit aber deutlich weniger importiert. Die Preise gaben um 20 bis 25 % nach. Das zieht Kreise bis nach Italien, von wo aus viel nach Großbritannien exportiert wurde.

Ein weiterer Markttrend bei der Eiche ist, dass die rustikale Ware nicht mehr so gefragt ist. Der Bedarf ist auf Dielen guter Qualität fokussiert.

Was man aus Osteuropa benötigen würde, seien Friesen. „Die Betriebe, die das können, existieren mittlerweile aber kaum noch“, bedauerte man.

Trockene Eiche gesucht, aber nicht um jeden Preis

In Summe seien die Eichen-Schnittholzlager gefüllt. Trockene Ware gehe noch immer gut, „wird einem aber auch nicht mehr aus der Hand gerissen“, lautete die kleine Einschränkung.

Für Wertholz sah die Runde eine stabile Konjunktur voraus und war zuversichtlich, genug Ware zu bekommen. Mit einer Ausnahme: Fichten-Wertholz könnte knapp werden. Das gilt ebenso für die Kiefer. „Von der schlechten Ware gibt es genug, die schöne ist knapp.“

„Viel zu wenig Rohware“ erkannt man, „wie üblich“, bei der Lärche.

Keine Zirbenschwemme

Zirbe läuft immer noch. Die Holzexporteure sehen keine Zirbenschwemme aus den Vaia-Schadholzflächen voraus. „Dieses empfindliche Schadholz muss erst geerntet und vor dem Sommer aufgearbeitet sein.“ Dass die ÖBf AG nun aktiv auf potenzielle Zirbenkäufer zugehen, wird als leichte Marktnervosität interpretiert.

Holzexporteure am Wort

Jetzt besinnen sich alle auf Italien, weil andere Märkte weniger laufen.

Ein Holzexporteur

Wenn die Preise steigen, kauft jeder eine Ladung mehr, wenn sie fallen, eine weniger.

Ein Holzexporteur

In den Vorjahren waren wir nicht mehr gewohnt, dass es zu Jahresbeginn preislich bergab geht. Das war aber jahrzehntelang normal. Jetzt sollte keiner kalte Füße bekommen. Die Lage ist weniger negativ, als es vielleicht scheint.

Ein Holzexporteur

Es ist für Europa absolut preisrelevant, wie sich der chinesische Markt entwickelt. Läuft es nicht so gut, gibt es automatisch Druck auf allen Überseemärkten.

Ein Holzexporteur

Die Markteinschätzungen folgender Unternehmen wurden berücksichtigt: Cappellari, St. Stefan; Cato Holzhandel, Innsbruck; Frischeis, Stockerau; HCN, München; Jung, Maishofen; Georg Pagnia, Oldenburg/DE; Schuster, Innsbruck; Teuschler, Bad Waltersdorf