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Rückblick 2019 | Ausblick 2020 

Mit mitteleuropäischem Schnittholz weltweit erfolgreich

Ein Artikel von Günther Jauk | 09.01.2020 - 14:15

Von 2007 bis 2013 verbuchten die sieben größten österreichischen Holzindustrien 137 Mio. € Verlust. Die Einschnittüberkapazität lag bei 20 % und Investitionen waren schwer zu finden. 2019, als der Holz-
kurier abermals die Bilanzen derselben Unternehmen – dieses Mal von 2014 bis 2018 – analysierte, zeigte sich eine völlig andere Situation: Die großen Sieben erzielten in Summe 638 Mio. € Gewinn. Dieser wird, wie in Familienunternehmen üblich, wieder reinvestiert. Derzeit verliert man in puncto Investitionen – egal, ob in der Sägeindustrie oder in der Weiterverarbeitung – rasch den Überblick. Die Gründe für diesen massiven Aufschwung liegen nicht zuletzt in den ausgesprochen entgegenkommenden Rahmenbedingungen. Hierzu zählen neben der günstigen Rundholzsituation die boomenden Weltmärkte – allen voran China und die USA –, welche wiederum die Schnittholzpreis lange stabilisierten.

2019 waren die Einkauf- und Absatzsituation ähnlich gut und auch Ende des vergangenen Jahres konnten die Säger trotz der Absatzeinbußen und Preisrückgänge ab Mitte des Jahres auf ein erfolgreiches Jahr zurückblicken.

Für heuer erwartet man eine vergleichbar positive Entwicklung – speziell auf den Überseemärkten. Reinhard Binder, Geschäftsführer von Binderholz, bringt diese Entwicklung mit einer klaren Ansage auf den Punkt: „Wir werden 2020 mehr Umsatz in den USA generieren als in Italien.“
Aber auch die Heimmärkte dürften sich positiv entwickeln. Branchenkenner gehen von einer überwiegend regen Entwicklung des Baugeschehens in der DACH-Region aus, was auch den Leimholzproduzenten zugutekommen wird. Die Hauptwarennachfrage wird schon am Beginn des Jahres als hoch eingeschätzt.

Neben erfolgreichen Absatzkanälen für hochwertige Hauptware etablierte sich mit BSP in den vergangenen Jahren ein wahrer Schadholzfresser: Minderwertige Ware eignet sich ideal für die Mittellagen des massiven Holzbauprodukts – und der Bedarf steigt in der DACH-Region jährlich um weit über 10 %.

Ebenfalls relativ „schadholztolerant“ zeigt sich KVH, wobei sich hier zunehmend eine zweite Qualitätsklasse zu etablieren scheint – quasi eine nicht offizielle „Sichtqualität“, wofür manche Abnehmer gerne bereit sind, höhere Preise zu bezahlen. Das wäre dem Produkt zu wünschen, das mit Abstand die größten preislichen Auf- und Abbewegungen im Jahreszyklus mitmacht. 2019 ging es – parallel zum Schadholzanfall – preislich fast nur nach unten.

Wir werden 2020 mehr Umsatz in den USA generieren als in Italien.

Reinhard Binder, Geschäftsführer Binderholz

Schnittholz für Eigenbedarf

Selten – oder vielleicht sogar noch nie – war die Stimmung auf der Ligna so euphorisch wie 2019. Der Gutteil der Aussteller sprach von „florierenden Geschäften“ und „gut gefüllten Kassen der Holzindustrien“. Passend dazu berichteten die Besucher von geplanten Investitionen in allen Bereichen. Viele dieser Ankündigungen wurden mittlerweile bestätigt. Dabei geht es nicht mehr nur um die Weiterverarbeitung (siehe oben), sondern auch um massive Investitionen im Sägebereich. 2020 bis 2022 sind in Österreich und Süddeutschland zumindest neun Sägelinien zwischen 250.000 und 500.000 fm/J geplant – von 2009 bis 2018 war es in Österreich keine einzige.

Indirekt spielt die Weiterverarbeitung bei vielen dieser Großprojekte eine zentrale Rolle. Da die frei verfügbare Hauptware zunehmend knapper wird, ist die künftige Versorgung der eigenen Leimholzlinie bei einigen Projekten Investitionsgrund Nummer eins.

Ein anderer wäre, dass selbst Spanerlinien nach 30 Jahren erneuert werden müssen. Dann stellt sich die Frage: Sägewerk abstellen oder neu investieren? Für Letzteres haben derzeit viele die nötige Finanzierung und die Weiterverarbeitung braucht dringend Holz – wie das abgelaufene Jahr deutlich zeigte.