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Schnittholz Stapel Nadeholz © Martina Nöstler

ISC 2020 

Viel Unsicherheit, aber auch Chancen

Ein Artikel von Gerd Ebner | 13.10.2020 - 08:33

Frankreich und Italien hart getroffen

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Moderator Keith Fryer (oben), EOS-Präsident Sampsa Auvinen (unten li.) und ETTF-Vizepräsident Morten Bergsten begrüßen die Onlineteilnehmer © Holzkurier.com

Der Baurückgang mit über 60 % im März betraf speziell Frankreich und Italien, während andere Länder, wie Deutschland, fast stabil durch diese Zeit kamen. Frankreich wird heuer rund 8,2 Mio. m3 Nadelschnittholz benötigen. Für 2021 ist dann ein Anstieg um 3 % zu erwarten. Den italienischen Bedarf machte Morten heuer mit 4 Mio. m3 fest, der Import bliebt konstant bei 3,8 Mio. m3. Für 2021 wird eine leichte Bedarfssteigerung erwartet. Hierbei erwähnte er den „Superbonus 110 %“ – das Bau-Stimulus-Programm der italienischen Regierung. Bauherren erhalten dabei steuerliche Vorteile.

Deutschland wird heuer einen Bedarf von 19,5 Mio. m3 Nadelschnittholz haben. Trotz leicht gedämpfter Baudynamik 2021 soll der Holzkonsum unverändert bleiben, sagte Morten voraus. Weniger Erfreuliches konnte er über Großbritannien sagen. Dessen Import sinkt heuer um 11 %, um sich 2021 um 4 % zu erholen. Den Nadelschnittholz-Bedarf 2021 schätzt die ETTF aber um 10 % höher.

Bedarf steigt 2020 und 2021

In Summe könnte der EU-Nadelschnittholz-Bedarf 2021 um 2,3 Mio. m3 steigen. Nimmt man Nordamerika dazu, wird der gesamte Konsum um 11,1 Mio. m3 zulegen.

2021 birgt viele Unsicherheiten! Für die Holzbranche gibt es aber einen positiven Ausblick.

Morten Bergsten, Vizepräsident ETTF

Die eigenen vier Wände umbauen

Einige Trends wurden heuer durch COVID-19 sichtbar und diese könnten sich laut Sampsa Auvinen, Präsident des Europäischen Sägewerkverbandes, 2021 fortsetzen:

  • Bevölkerung bleibt mehr zu Hause und kauft online (starker DIY- und Verpackungssektor) 
  • Umzug aufs Land (stärkt DIY)
  • Erhöhte Risikovermeidung (Hausrenovierung stärker als Neubau)
  • Menschen verbringen weniger Zeit im Büro (Zunahme der Digitalisierung, weniger Büroräume)
  • Die Bautätigkeit nimmt etwas ab.

Zentraleuropa im Rundholzvorteil

Auvinen verwies auf die zweigeteilte Versorgungslage: da Zentraleuropa mit einem auch 2020 hohen Schadholzanfall, dort Nordeuropa und das Baltikum mit einer deutlich schlechteren Versorgungslage. Europaweit sieht Auvinen eine heuer und 2021 leicht sinkende Rundholz-Verfügbarkeit. 

Kurzfristig werden die zentraleuropäischen Holzindustrien ihren durch den Rohstoffpreis erlangten Wettbewerbsvorteil halten können. In Skandinavien hält Schweden durch die Währungsabwertung seine Marktposition – eine Möglichkeit, die Finnland und den baltischen Staaten verwehrt ist.

Ich lag im Vorjahr falsch, als ich sagte: ,Mehr geht nicht‘. 2020 bringt diesen Gewinnrekord trotz einer um 3% geringeren Produktion. Die Zahlen könnten weiter steigen, wenn die US-Preise hoch bleiben. Dann haben wir aber bald ein Verfügbarkeitsproblem in Europa. Schon jetzt beklagen viele Kunden, dass sie zu wenig Schnittholz erhalten.

Sampsa Auvinen, Präsident Europäischer Sägewerksverband

Immer mehr Marktanteile in Übersee

Europäisches Schnittholz wird 2021 weitere Marktanteile in Übersee gewinnen können. Die europäischen Exportmengen nach China und in die USA erreichen Höhen, wie es sie noch nie gab. Und Japan sowie der Nahe Osten kaufen zumindest konstant europäische Ware. Auvinen geht für die kommenden Monate davon aus, dass die Nadelschnittholz-Preise und -Exportmengen weiter steigen werden. Die Vorräte werden weiter sinken.

Langfristig gewinnt, wer Rundholz hat

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© Holzkurier

Für den mittelfristigen Ausblick griff Auvinen auf die Holzkurier-Erhebung der Neubauprojekte zurück. Seine Frage war, ob all diese Kapazitäten in ein paar Jahren genug Rohstoff erhalten würden. „Regionen, die derzeit kein billiges Rundholz haben, könnten zu den Gewinnern zählen.

Ich habe im Vorjahr gesagt: Mehr als heuer geht nicht. Jetzt kam 2020 noch ein neuer Rekord trotz einer um 3 % geringeren Produktion. Die Zahlen könnten weiter steigen, wenn die US-Preise hoch bleiben. Dann haben wir aber bald ein Verfügbarkeitsproblem in Europa.“

Markttrends

  • 2020 in EU nur geringer Rückgang des Bedarfs (Sonderkonjunktur DIY-Sektor)
  • Für 2021 Anstieg Nadelschnittholz-Bedarf in der EU um 2,3 Mio. m3 
  • Gesamtverbrauch Europa und Nordamerika 2021 +11,1 Mio. m3
  • Die meisten Länder sagen für 2021 steigenden Bedarf voraus (stabile Bautätigkeit).
  • Italien: Import 2020 unverändert 3,8 Mio. m3; Konsum 2020 4 Mio. m3. Beide sollten 2021 leicht steigen.
  • Frankreich: Import heuer –12 % (2021: +4 %); Konsum 8,2 Mio. m3 (2021: +3 %)
  • Deutschland: Import heuer –2 % (2021: unverändert); Konsum 19,5 Mio. m3 (2021: unverändert)
  • Großbritannien: Import heuer –11 % (2021: +4 %); Konsum 8,5 Mio. m3 (2021: +9,5 %)

Top 4-Länder

#1 Deutschland

  • Nadelschnittholz-Produktion 2020 Zunahme und 2021 erneute Zunahme auf fast 25 Mio. m3 Jahresproduktion
  • Viertes Jahr mit sehr viel Schadholz
  • Bautätigkeit blieb auch während der Coronaperiode auf hohem Niveau, daher sehr stabile Inlandsnachfrage
  • Andere Sektoren der Branche konnten sich ebenfalls erholen.
  • Ausfuhrboom: USA und China kompensieren Schwächen anderswo.

#2 Schweden

  • Nadelschnittholz-Produktion 2020 Rückgang um rund 500.000 m3 auf etwa 18,2 Mio. m3; 2021 nochmaliger Rückgang auf etwa 18,1 Mio. m3
  • Schnittholzproduktion ist trotz hoher Nachfrage wegen Pandemieauswirkungen zurückgegangen.
  • Exporte bisher stark. China (+60 % 1. Halbjahr) und die USA (+80 %) stechen hervor. Hauptmarkt Großbritannien –15 %, Europa konstant.
  • Bis Ende 2020 dürfte Holzverbrauch im Bausektor um etwa 3–5 % sinken; 2021 dann um weitere 3–5 %.

#3 Österreich

  • Nadelschnittholz-Produktion könnte 2020 leicht sinken (2019: 10,4 Mio. m3) ev. gelingt Wiederholung der Vorjahresproduktionsmenge.
  • Rundholzqualität Herausforderung
  • Große Bauprojekte wurden heuer verschoben, Neustart unsicher.
  • Schnittholzmärkte: DACH-Region läuft sehr gut, übriges Europa schwächer; USA/China zufriedenstellend/gut.

#4 Finnland

  • Nadelschnittholz-Produktion 2020 deutliches Minus auf 10 Mio. m3, 2021 leichter Anstieg
  • Sägewerke-Performance besser, als zu Beginn 2020 vorhergesagt (wegen DIY und Renovierung) 
  • Höhere Rohstoffkosten als in Mitteleuropa; volatile Devisen- und Frachten
  • Herausforderungen bei Nebenprodukten und Industrieholz aufgrund des schwachen Zellstoffmarktes

* Meldungen der Mitgliedsländer Juli 2020