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Ein gewachsenes Unternehmen: Das Sägewerksgelände windet sich 1,5 km entlang der Würm © Holzwerk Keck

Holzwerk keck

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Ein Artikel von Gerd Ebner | 23.12.2020 - 14:56

Die Homepage des Unternehmens gibt es in Chinesisch, Deutsch, Englisch, Französisch, Litauisch und Polnisch. Hiermit sind die Märkte schon gut beschrieben, die Steffen Rathke als kaufmännischer Geschäftsführer und Co-Eigentümer bedient.

Absatz komplett gedreht

„Als ich in den 1980er-Jahren begann, setzten wir 85 % der Produkte in Deutschland um. 2020 verkaufen wir 85 % außerhalb des deutschsprachigen Raums“, deutet Rathke an, wie grundlegend sich das Geschäft geändert hat. „Vor 1989 haben wir alle großen Treppenbauer Süddeutschlands beliefert. Dann die Plattenwerke in Osteuropa. Die Hartholzverarbeiter sind mehr oder weniger aus Deutschland verschwunden. Wir sind aber geblieben, weil wir nur hier den idealen Rohstoff haben.“

Alle zwei Jahre neuer Markt

„Alle zwei, drei Jahre tut sich ein neuer Markt auf“, umschreibt Rathke, wie viel Flexibilität in seiner Position erforderlich ist. „Von meinem Großvater, Bernhard Keck, habe ich gelernt, dass ,das Geld zwar auf der Straße liegt – man aber rausgehen, sich bücken und es aufheben muss‘. Das ist notwendig, aber nicht immer lustig!“<„Rausgehen“ heißt für Rathke, dass er bei nahezu allen Hausmessen seiner Kunden dabei ist. „Wenn ich beim polnischen Möbelproduzenten mit dessen Kunden spreche, weiß ich, was bald nachgefragt sein wird. Auf das müssen wir dann eine Antwort finden.“

„Rausgehen“ heißt aber auch, vier Monate im Jahr in Asien unterwegs zu sein. Schon 1996 starte man die Erstakquise in China. „Das war ein Sprung ins kalte Wasser“, erinnert er sich.

Märkte ohne Grenzen

2001 begann das Holzwerk Keck, in den USA und in Mexiko aktiv zu werden. Vier Jahre später war man ein Gründungsmitglied des European Hardwood Export Council (EHEC). Rathke wurde nicht ohne Grund zum ersten Vorsitzenden eines Vereins gewählt, der 14 Mitglieder mit einem gemeinsamen Einschnittvolumen von 250.000 fm/J hatte.

Es ist teuer, nahe Stuttgart ein Sägewerk zu betreiben. Diesen Standortsnachteil muss ich über den Vertrieb verdienen.

Steffen Rathke

Nichts ist ausgeschlossen

Rathke erzählt im Interview von einem Kleiderbügelhersteller, der ihm immer treu blieb. Zuerst in Deutschland, dann in Ungarn, in Südchina und mittlerweile in Litauen. „Wegen der Personalkosten wanderte der Kunde weiter – unseren Produkten blieb er treu“, freut sich Rathke. Kommt ein weiterer Automatisierungsschritt, wäre es für solche Verarbeitungssparten günstiger, gleich nahe beim Rohstoff zu sein.

Vor 25 Jahren verwarf Rathke noch die Idee, selber Laubholzplatten zu produzieren – weil mit ost- und südosteuropäischen Produzenten auch durch EU-Förderungen keine Chancengleichheit herrschte. Doch als man 2019 auf der Ligna war, sah man, dass es nun vollautomatische Plattenproduktionsanlagen gibt. „Nichts ist ausgeschlossen“, heißt es daher heute.

Gut vorbereitete Übergabe

Es könnte aber sein, dass diese Entscheidung erst die fünfte Generation treffen wird. Derzeit betreibt Steffen Rathke mit seinem Bruder, Bernhard Rathke, das Unternehmen. Doch in zwei Jahren soll die Übergabe an seinen Sohn, Markus Rathke, erfolgen. Der 36-Jährige bereitet sich über Kurse und Mitarbeit im Unternehmen darauf vor. Die Betriebsübergabe wurde von langer Hand vorbereitet, extern begleitet und soll 2022 per Gesellschafterbeschluss finalisiert werden.

„Ich war zwölf Jahre in der IT-Branche tätig, davon zehn Jahre im Vertrieb“, stellt sich Markus Rathke vor. In seinem Konzept, das er zur Übernahme der Geschäftsleitung entwickelt hat, stehen daher auch die Digitalisierung des Einkaufs, der Produktion und des Vertriebs oben auf der Prioritätenliste.

Digitalisierung erfordert Offenheit

„Digitalisierung ist in der Holzbranche möglich, aber angesichts der Einzigartigkeit des Naturstoffes nicht selbstverständlich“, erläutert Markus Rathke. „Wir haben 120 Produkte auf Lager. Das wollen wir unseren weltweiten Kunden auch vermitteln. Diese sollen online auswählen, was sie benötigen. Jeder soll sein Individualpaket bekommen.“ Digitalisierung erfordere eine neue Denkweise: „Ich darf keine Angst davor haben, dem Kunden zu viel zu zeigen“, sagt Markus Rathke und schmunzelt.

Laubholz benötigt Fachleute

„Die Sortimentsvielfalt ist auch das, was uns am meisten von der Nadelholzbranche unterscheidet“, erklärt Steffen Rathke. „Mit unserem Personalstand müssten wir 400.000 fm/J Fichte schneiden und nicht 35.000 fm/J Laubholz“. Die 40 Mitarbeiter kann er nahe der Daimler-Hochburg Stuttgart auch nur halten, wenn er „schon Kindern das Unternehmen zeigt, selber ausbildet, die Meister nach Rosenheim schickt und die ,Großindustriemüden‘ mit modernen, ergonomischen, interessanten Arbeitsplätzen fordert“, umschreibt Rathke.

„Wir bilden jedes Jahr zwei, drei Lehrlinge selber aus“, verweist Bernhard Rathke, Eigentümer und technischer Geschäftsführer. Er ist auch zuständig für die Mitarbeiterausbildung. „Nur wenn wir selber ausbilden, haben wir die Facharbeiter, die wir dringend brauchen.“ Denn: Das Geschäft der Rathkes geht nur mit Topleuten. „Wenn ich nach China verlade, muss ich sicher sein, dass alles passt. Man kann falscher Ware nicht hinterherfahren.“

Dass dieser Anspruch funktioniert, beweisen die Lieferungen an ein polnisches Hobelwerk: „Verlangt wird 9 % Holzfeuchtigkeit, ab 10 % fliegt das Teil automatisch raus – das ist uns aber noch nie passiert …“, freut sich Bernhard Rathke.

Laubholz birgt Überraschungen

„Viele Nicht-Laubholzmenschen sehen nur die Sahnestücke. Dass ich aber mitunter 500 €/fm zahlen muss und dann wegen Käfern nur Unterlagshölzer produzieren kann, sehen die wenigsten“, verweist Rathke, dass man „ins Holz nur dranna, aber nicht drannei“ sehe.

Die künftige Versorgung macht den Rathkes Sorgen. „Naturnaher Waldumbau heißt, Buche, Buche und Buche. Was sollen wir daraus alles machen?“, lautet ihre Frage. Steffen Rathke war daher auch Mitinitiator des Technikums Laubholz. „Dieses Institut soll Verwendungsmöglichkeiten finden – etwa für Buchenindustrieholz.“

Holzernte wird kritisch gesehen

Im Rundholzeinkauf merkt Steffen Rathke auch, dass die Holzernte von Teilen der Bevölkerung „angefeindet wird“. Da die Buche offenbar weniger trockenresistent ist als angenommen, tappt man im Waldumbau „etwas im Dunkeln“.

Steffen Rathke sieht noch kein Ende „des schon viel zu lange andauernden Eichen-Hypes“. Die helle Welle lässt auf sich warten. „Wir haben aber immer das Ohr am Kunden. Wir werden also rechtzeitig auf alle Modeänderungen reagieren können“, beschließt Markus Rathke das Interview.

Holzwerk Keck

Standort: Ehningen
Mitarbeiter: 40
Einschnitt: 35.000 fm/J
Holzarten: Eiche, Buche, Esche, Amerikanische Walnuss, Douglasie, Wertkiefer, Lärche
Produkte: Schnittholz, Massivholzzuschnitte, Verpackungsware