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© Holzkurier

Absatzindikator Oktober 2021

Der längste Winter aller Zeiten

Ein Artikel von Gerd Ebner | 10.11.2021 - 08:51

Der Absatzindikator berücksichtigt keine Mengen. Daher ist für die Produzenten die Lage aufgrund der geringen Nachfrage noch unerfreulicher, als es die reinen Preisrücknahmen andeuten. Üblicherweise kommt der Bau im Winter zum Erliegen – und damit die Nachfrage. Heuer begann der Winter schon im Juli.

Lage verschlechtert sich weiter

Die mitteleuropäische Holzindustrie ist damit eines weiteren großen Erlöspolsters verlustig gegangen. Die Nachfrage liegt bei nahezu allen Produkten deutlich unter den saisonal üblichen Mengen. Bei gewissen Bauprodukten spricht man von 50 % des normalen Auftragseingangs. Alle Kunden kaufen nur das Nötigste, denn alles könnte nächste Woche günstiger sein. Eine Ausnahme ist Italien. Die italienischen Kunden konnten sich aus Liquiditätsgründen nicht so viel auf Lager legen wie etwa der deutsche Handel – sie müssen nun früher wieder ordern.

Die Sägewerke postulieren eine starke Einschnittsrücknahme. Einzelne werden ab November von drei auf eine Schicht zurückfahren. Auch im Weiterverarbeitungssektor werden starke Kürzungen vorgenommen.

US- und Pelletspreise verbessern sich

Zwei Faktoren stabilisieren die Lage: Die US-Nadelschnittholz-Preise steigen weiter. Im Westen könnte also die Trendumkehr eingeläutet werden. Plus 69 €/m3, lautet die Preissteigerung von September auf Oktober. Damit hat man sich zumindest wieder 90 €/m3 vom Jahrestiefstand entfernt.

Die Pelletspreise ziehen ebenfalls deutlich an. In Deutschland ist man mit 248 €/t schon um 9 % höher als im Vorjahr, in Österreich sind es immerhin +4 %. Am Rundholzmarkt bewirken drei Faktoren eine Abwärtsentwicklung:

  • hoher Versorgungsstand der Sägewerke
  • Einschnittsrücknahmen aufgrund der Absatzflaute beim Schnittholz und bei Weiterverarbeitungsprodukten 
  • regional starkes Rundholz-Mehraufkommen

Wie stark ist Einschnitt rückläufig?

Wie stark der Einschnitt wirklich zurückgenommen wird, ist schwer zu quantifizieren. Zwischen 5 und 10 % dürften es in Österreich sein. In Deutschland – wo der Einschnitt im 1. Halbjahr um 15 % über 2020 gewesen sein soll – wird die Handbremse deutlich fester angezogen.

Halten die Abwärtstrends weiter an, stellt sich bei Schnittholz- und den Weiterverarbeitungsprodukten sogar die Frage, ob man wieder zu den Vorjahrespreisen zurückfallen könnte. Die höchste Wahrscheinlichkeit, dass das eintritt, gibt es bei Produkten mit den höchsten Steigerungsraten im 1. Halbjahr 2021: Konstruktionsvollholz und Dachlatten. KVH hat sich seit dem Juni preislich fast halbiert. Bei Brettschichtholz stellt sich mittlerweile die Frage, ob man „mit einem 5er vorne ins neue Jahr kommt“. Noch steht im Mittel sowohl in Deutschland als auch Italien „ein 6er vorne“. Die frische BSH-Lamelle „muss über 300 €/m3 bleiben“, lautet ein weiterer Wunsch.

Preisboden kommt näher

Doch wird in allen Produktgruppen davon ausgegangen, dass eine gewisse preisliche Bodenbildung erreicht wurde. Die Rückgänge schleifen sich ein und die echten Produktionsrücknahmen kommen nun. Wie lange der Winter heuer dauert, wird unterschiedlich beurteilt. Aber zumindest das 1. Quartal wird absatzmäßig noch eine Herausforderung darstellen. Ein erster Hoffnungsschimmer ist die Entwicklung in den USA. Elf Wochen ohne Preisrückgang und +60 % im Preisniveau könnten das Anpeilen der viel beschworenen „new normals“ (dem neuen Normalniveau) sein.

Schiffsraum schon voll für 2022

Die Schiffskapazitäten von Europa in Richtung USA sollen 2022 schon „ausreserviert“ sein. Dies gilt sowohl bei Containern als auch Break Bulk. Das könnte einigen die US-Rückkehr 2022 verunmöglichen. Noch stärkere Unterschutzstellungen in Kanada erschweren die Versorgung Nordamerikas weiter und könnten den Bedarf an europäischem Holz hoch halten.

Der Bedarf Chinas ist eher rückläufig: eingebrochenes Käufervertrauen, COVID-19 und die Immobilienblase („Evergrande“) wirken dämpfend.

Kunden kaufen derzeit nur, was sie dringend brauchen. Alles könnte kommende Woche billiger sein.

Ein Holzindustrieller

Eine ähnliche Preisrallye wie im ersten Halbjahr kann sich 2022 wiederholen. Wir sollten im Interesse aller versuchen, das zu vermeiden.“

Ein Holzindustrieller

Früher galt: Rundholzpreis mal zwei ist Schnittholzpreis. Jetzt sind es eher 2,5-mal, weil Restholz billig und Strom teuer ist. Dieser 2,5-mal-Marke nähern wir uns gerade.

Ein Holzindustrieller

Wenn der Rundholzpreis zu tief fällt, fehlt uns im 1. Quartal 2022 das Holz.

Ein Holzindustrieller

Der Auftragsvorlauf für 2022 ist bei allen total unterschiedlich.

Ein Holzindustrieller

KVH hat sich preislich halbiert und ist trotzdem schwer verkäuflich.

Ein Holzindustrieller