Rückblick 2021 / Ausblick 2022

Investitionsflut

Ein Artikel von Günther Jauk | 04.01.2022 - 12:22

Um das abgelaufene Jahr genau einordnen zu können, wird es wohl noch etwas mehr Abstand benötigen. Fest steht, dass 2021 die globale Nachfrage nicht überall und zu jeder Zeit auf der Welt gedeckt werden konnte, zahlreiche Preisrekorde gebrochen wurden und die Investitionslaune der mitteleuropäischen Branche nach wie vor extrem hoch ist. Von A, wie Ante-Holz, bis Z, wie Ziegler Group, nahm und nimmt beinahe jede größere Holzindustrie beträchtliche Summen in die Hand.

Damit ersetzen die Unternehmen in die Jahre gekommene Sägelinien durch leistungsstärkere und flexiblere Anlagen, investieren in die Weiterverarbeitung und errichten komplett neue Standorte. Bei den Neubauten erstreckt sich das Portfolio vom klassischen Sägewerk über Leimholz- und Faserdämmplatten-Linien bis hin zu kompletten Modulbaufabriken. Bereits Mitte April veröffentlichte der Holzkurier eine Liste mit 50 Neu- oder größeren Umbauprojekten, die in Europa oder von zentraleuropäischen Unternehmen binnen 24 Monaten realisiert werden – seither wurden zahlreiche weitere Investitionsprojekte und Übernahmen bekannt beziehungsweise offiziell bestätigt.

Von A, wie Ante-Holz, bis Z, wie Ziegler Group, nimmt beinahe jede Holzindustrie beträchtliche Summen in die Hand.

Günther Jauk

Gewaltige Summen

Während Binderholz mit den zwei US-Klausner-Sägewerken und der britischen BSW-Gruppe die größten Übernahmen realisierte, kündigte die Ziegler Group mit 400 Mio. € das umfangreichste Investitionsprogramm mit mehreren Greenfield-Projekten an. Ähnlich groß sind die Ambitionen von Mayr-Melnhof Holz. Die Steirer übernahmen Mitte Dezember laut Insiderschätzungen für mehr als 250 Mio. € die schwedische Sägewerksgruppe Bergkvist Siljan und investieren am Stammsitz in Leoben über 200 Mio. € in ein neues BSP-Werk sowie die bestehende Sägelinie.

Mit diesen jüngsten Übernahmen rückt Binderholz (4,83 Mio. m3) in puncto Schnittholzproduktion ganz nahe an den größten europäischen Player, Stora Enso (4,88 Mio. m3), heran und Mayr-Melnhof Holz steigt mit 2,9 Mio. m3 von Rang 9 auf den dritten Platz auf. Neben den Großübernahmen investierte Binderholz am Standort Hallein in b-solution – eine Komponentenfertigung für den Systembau –, eine neue Sägelinie am Standort Baruth/DE sowie in zahlreiche weitere Projekte, darunter auch eine weitere Sägelinie in Oberrot/DE, welche noch im Januar starten soll. Zwar sind vonseiten der Tiroler keine Investitionssummen bekannt, doch dürfte es sich auch hier um einen dreistelligen Millionenbetrag handeln.

Die Ziegler Group investiert den Großteil der genannten Summe in eine Holzfaserdämmplatten-Produktion in Grafenwöhr (150 Mio.  €) sowie in ein Holzbaukompetenzzentrum samt 140.000 m3/J-Brettsperrholz-Linien, Fertighauswerk und Musterhauspark in Tirschenreuth (220 Mio.€).

Neue Sägewerke in Mitteleuropa

Zum ersten Mal seit mehreren Jahrzehnten konnte der Holzkurier 2021 gleich vier neue Sägelinien, darunter zwei Greenfield-Projekte in Österreich und Süddeutschland, besuchen. Die Rettenmeier-Gruppe ersetzte am Stammsitz Wilburgstetten eine Schwachholzlinie aus den 1980er-Jahren gegen eine ein 1,3 Mio. fm/J-Profilierlinie des Typs VM50 von Linck. Laut CEO Dr. Stephan Lang handelt es sich dabei um das modernste Großsägewerk Europas.

Im oberösterreichischen Summerau nahm der Leimholzhersteller Handlos ein Sägewerk in Betrieb. Für 2021 meldete das Unternehmen einen Einschnitt von 205.000 fm, 2022 sollen es bereits 450.000 fm sein. Damit bedient das Unternehmen in erster Linie die eigene BSH- und KVH-Herstellung mit Rohware.
Aus demselben Beweggrund – die Rohwarenversorgung der eigenen Leimholzwerke sicherzustellen – entschieden sich auch GELO Holzwerke und Holzwerke Bullinger zur gemeinsamen Gründung von GELO Timber und zum Bau eines Schwachholzsägewerks in Wunsiedel. Der geplante Jahreseinschnitt der Veisto-Linie liegt bei 350.000 fm/J. Der Holzkurier zeichnete das Unternehmen wegen seines ganzheitlichen Konzeptes als „Sägewerk des Jahres 2022“ aus.

Im Zuge der Generalmodernisierung des Standortes der Hasslacher-Gruppe in Preding wurde die 35 Jahre alte Sägelinie gegen eine neue Linck-Spaner-Profilierlinie getauscht. Mit der neuen Anlage will das Unternehmen den Einschnitt von 250.000 auf bis zu 600.000 fm/J erhöhen. Darüber hinaus steigert das Unternehmen den Jahreseinschnitt am russischen Standort Malaya
Vishera von 200.000 fm auf 400.000 fm.

Schnittholz für den Eigenbedarf

Nicht weniger spannend dürften die Besuche in den kommenden Monaten ausfallen. Bereits im Frühling plant Best Wood Schneider den Start des neuen Sägewerks. Für rund 80 Mio. € errichtet das Unternehmen in Meßkirch, Landkreis Sigmaringen, einen neuen Standort. Dort möchte man künftig 200.000 m3 Schnittholz sowie 100.000 m3 Brettsperrholz pro Jahr produzieren.

Ein Jahr später soll bei Tschopp in Buttisholz das „modernste Sägewerk der Schweiz“ in Betrieb gehen. Mit einer Investitionssumme von 75 Mio. CHF errichtet das Unternehmen ein USNR-Bandsägenwerk, das künftig bis zu 300.000 fm/J im Zweischichtbetrieb verarbeiten soll. Damit ist es laut Holzkurier nicht nur das modernste, sondern auch das größte Sägewerk der Schweiz.

Ebenfalls in der Schweiz plant das Holzbauunternehmen Uffer, die alte Gemeindesägerei in Tinizong zu revitalisieren und ein hochdigitales sowie leistungsfähiges Holzkompetenzzentrum zu errichten. Mittelfristig möchte man bis zu 70.000 fm/J verarbeiten.

Etwas weiter entfernt entstehen die Sägewerksprojekte von HS Timber. Am Standort Svisloch in Belarus plant man – ebenfalls im kommenden Frühjahr –, ein Sägewerk in Betrieb zu nehmen. In der ersten Ausbaustufe sollen 500.000 fm/J eingeschnitten werden. Darüber hinaus realisiert das Unternehmen den Bau eines 500.000 fm/J-Sägewerks in Südamerika. Gemeinsam mit dem belgischen Joint Venture-Partner Forestcape begann das Unternehmen im Dezember den Sägewerksneubau in Gobernador Virasoro in der argentinischen Provinz Corrientes. Dabei sollen größtenteils europäische Ausstatter zum Zug kommen – die Investitionssumme liegt bei rund 87 Mio. € – die Inbetriebnahme ist für Mitte 2023 geplant.

Acht neue BSP-Werke bis 2023

Nicht weniger beeindruckend sind die Zahlen und Größen der angekündigten BSP-Werke. Neben den bereits erwähnten Projekten von Mayr-Melnhof, Best Wood Schneider und der Ziegler Group sollen bis 2023 fünf weitere Fertigungen in Betrieb gehen.

Stora Enso investiert am tschechischen Standort Ždírec knapp 80 Mio. € in das vierte BSP-Werk des nordischen Konzerns. Mit den zusätzlichen 120.000 m3/J kommt das Unternehmen künftig auf 400.000 m3/J. Der Produktionsbeginn ist im 3. Quartal 2022 geplant.

Ebenfalls noch heuer soll in Seewald-Besenfeld in Baden-Württemberg das HolzBauWerk Schwarzwald hochfahren. Damit geht eine Machbarkeitsstudie, ursprünglich vom Forum Weißtanne angestoßen, in einer Kooperation der drei Schwarzwälder Sägewerke und Weiterverarbeiter Sägewerk Echtle (Nordrach), Kübler Holzwerk (Haiterbach) und Sägewerk Streit (Hausach) auf. In der ersten Ausbaustufe möchten man 35.000 m3/J Brettsperrholz produzieren.

300 km weiter nördlich, in Oberhonnefeld-Gierend, errichtet Holzwerke van Roje eine BSP-Linie, die ebenfalls noch 2022 ihren Betrieb aufnehmen soll. Die geplante Jahresproduktion liegt bei 75.000 m3.
Mosser plant, in Randegg bis 2023 eine Fertigungslinie mit 55.000 m3/J zu starten. Die Versorgung mit Rohmaterial soll insbesondere mit Schnittholz aus dem eigenen Sägewerk erfolgen. In Vorbereitung auf dieses Projekt erhöht das Unternehmen die Kapazitäten im Sägewerk und in der Trocknung an allen Standorten auf insgesamt 300.000 m3/J.

LOC Holz seht für Lauss, Ortner und Cappelen. Die Säger Josef Lauss und Rudolf Ortner wollen bis 2023 gemeinsam mit der Cappelen Group ein BSP-Werk in Betrieb nehmen. Laut Ortner soll es ein kleines, aber feines Werk werden, das die Stärken der mittelständischen Sägeproduktion nutzt. Die geplante Produktionskapazität liegt bei 45.000 m3/J.

BSP-Werk Nummer 9 geht 2024 an den Start: Wie jüngst bekannt wurde, plant auch Schilliger Holz den Bau eines zweiten BSP-Werkes – dieses Mal am Standort Volgelsheim/FR. Die Produktion mit einem geplanten Ausstoß von rund 50.000 m3/J im Zweischichtbetrieb soll im Januar 2024 ihren Betrieb aufnehmen.

Die Ante-Gruppe startete bereits 2021 in Berga, nahe dem Sägewerksstandort Rottleberode, ein 100.000 m3/J-BSP-Werk, das auch bis zu 50.000 m3/J KVH herstellen kann.

Egal, ob Neubauten oder Ersatzinvestitionen, Sägewerk, Leimholzlinie, Faserplattenwerk oder Bauelemente. In allen Bereichen wird kräftig investiert.

Günther Jauk

BSH wieder interessant

Bemerkenswert sind auch die zahlreichen Investitionen im BSH- und KVH-Bereich. Neben Kapazitätserweiterungen und punktuellen Erneuerungen, wie jenen der Pfeifer Group in Imst, kommt es im BSH-Bereich auch zum Tausch ganzer Linien (Holzwerke Bullinger, Abtsgmünd) und zur Errichtung neuer Werke. Die Holzwerke Ladenburger erweitern am Standort Bopfingen ihre BSH-Produktion um ein weiteres Werk. Die Investitionssumme soll bei 15 Mio. € liegen.
Cordes Holz investiert in Bremerhaven 50 Mio. € in eine weitere Leimholzproduktion. Mit dem Neubau erhöht sich die Kapazität in Bremerhaven auf 200.000 m3/J KVH und 50.000 m3/J BSH (Duo/Trio). Für das Unternehmen ist dies der Einstieg in den BSH-Markt.

HS Timber Productions, ein Unternehmen der HS Timber Group, investiert 34 Mio. € in ein Leimholzwerk in Kodersdorf. Das Werk soll auf einem 11 ha Betriebsgelände südlich des bestehenden Sägewerks in Kodersdorf gebaut werden, die Fertigstellung ist im Sommer 2022 geplant.
Bereits im Frühjahr 2021 startete die Rettenmeier-Gruppe am KVH-Standort Hirschberg eine 60.000 m3/J-BSH-Anlage. Parallel können darauf aber auch KVH sowie Duo- und Triolam in Losgröße 1 erzeugt werden.

Eschelmüller Holz errichtete 2020 eine neue Leimholzlinie auf der grünen Wiese. In diesem Werk erzeugt das Unternehmen keilgezinktes Bauholz und auch Balkenschichtholz. Bereits im Sommer 2020 kündigte Eschelmüller den Bau einer weiteren Linie in derselben Halle an.
Neben den bereits erwähnten KVH-Projekten der Ante-Gruppe, Rettenmeier-Gruppe, von Cordes Holz und Eschelmüller Holz steigen zwei neue Hersteller in den Markt ein. Schrage-Holz beschloss nach einem Brand im April 2020, das Sägewerk nicht wieder aufzubauen, sondern stattdessen eine KVH-Produktion am Standort Olpe/DE zu starten. Ruhdorfer begann im Dezember mit der Installation einer KVH-Linie im österreichischen Straßburg.

Roboter bauen Häuser

Last but not least sind noch die gewaltigen Investitionen in den Bereichen Faserplatten und Bauelementefertigung zu nennen. Neben den bereits erwähnten Projekten von Binderholz (b-solution) und Ziegler (Holzbaukompetenzzentrum Tirschenreuth) plant Gropyus in Richen im Kraichgau die modernste und wohl auch größte Bauelementefertigung Europas. Eine vollautomatische Produktion soll für „leistbaren Wohnraum“ sorgen. 100 Roboter sollen dort künftig 1000 Wohnungen pro Monat fertigen.

Steico begann im September 2021 mit der Errichtung eines neuen Werks zur Produktion von Holzfaserdämmmatten. Am polnischen Standort Gromadka sollen künftig mehr als 1 Mio. m3 flexible Dämmmatten und 500.000 m3 stabile Holzfaserplatten pro Jahr erzeugt werden. Die Inbetriebnahme ist zum Jahreswechsel 2022/2023 geplant.

Homanit, Tochtergesellschaft von Homann Holzwerkstoffe, München, plant umfangreiche Investitionen am Standort Losheim am See/DE. Das Investitionsvolumen wird mit 65 Mio. € angegeben.
Gutex errichtet im Gewerbepark Breisgau einen Produktionsstandort für Holzfaserdämmstoffe. Ab September 2023 sollen dort Holzfaserdämmplatten im Trockenverfahren hergestellt werden. Die Investitionssumme liegt bei über 100 Mio. €. Zudem installierte das Unternehmen am Standort Eschbach ein neues Faserstoffaufbereitungssystem für die Produktion von Holzfaserdämmplatten.

Immer auf dem letzten Stand

Neben diesen bereits umgesetzten oder zumindest bestätigten Projekten berichten Maschinenausstatter von zahlreichen weiteren kleinen und großen Vorhaben der Holzindustrie. Das Holzkurier-Team wird Sie auch im neuen Jahr stets auf dem Laufenden halten, von geplanten Projekten berichten und bereits realisierte Fertigungen mit Vor-Ort-Reportagen und Videos eingehend vorstellen.