Etwas USA, sofort Entlastung daheim
Einen Hoffnungsschimmer erahnt man am US-Markt. Zu Recht! Als Ende Juni die Preise in den USA stiegen, waren die zentraleuropäischen Holzindustrien wieder vor Ort. Der Einschnitt wurde vermehrt von KVH-Rohware auf die US-Sortimente gedreht – mit stabilisierenden Folgen für den KVH-Rohwarenpreis.
Und: Im 1. Halbjahr war der US-Import mit 17,2 Mio. m3 Nadelschnittholz um 6 % rückläufig. Trotzdem stiegen die Liefermengen aus Europa um 16 %. Damit stammten 15 % aller Importe aus Europa. Erleichtert wird die US-Präsenz durch günstigere Frachtraten und wieder funktionierende Hafenlogistik dies- und jenseits des Atlantiks.
Wie lange der Aufschwung in den USA hält, wird völlig unterschiedlich eingeschätzt. Auch deswegen, weil der jüngste Preisauftrieb Anfang August nach wenigen Wochen schon wieder zu Ende war.
Ein Rundholzpreis, der bei frischer Ware bei 90 €/fm beginnt, bietet den Europäern neue Möglichkeiten. In den Schadholzgebieten tun sich kurzfristig bei vermehrtem Käferholzeinschnitt zusätzliche Chancen auf. Doch dieses Preisniveau wird es nicht lange geben. Mittelfristig wird Fichte fehlen – höhere Rohstoffpreise werden andere Märkte benötigen. Hoch veredelte Holzbauprodukte für Europa werden eher geeignet sein als simples Massenschnittholz für die USA.
Levante bleibt Nummer 1
Obwohl nicht ganz so spektakulär: Der wichtigste Überseemarkt für Europa bleibt die Levante – also die MENA-Region. Allein im 1. Quartal lieferten im Wesentlichen Zentraleuropäer und Skandinavier bereits 2,1 Mio. m3 dorthin – das waren 8 % mehr als im Vorjahr. Schweden, Österreich und Deutschland konnten die Lieferungen um über 30 % steigern. Finnland reduzierte diese hingegen minimal (–3 % im 1. Quartal).
Aus zentraleuropäischer Sicht sind die Importlizenzen in Algerien und der zunehmende Preisdruck in der Region die Hauptprobleme. Erfreulich ist das minimale Wiedererstarken Libyens – des einstigen Hauptmarkts Österreichs.
Japan weiter verhalten
Viel erwartet wurde heuer auch vom japanischen Markt. Die dortigen Käufer importieren in regelmäßigen Nachfragewellen. Die jüngste Belebung der japanischen Orders verschob sich bisher quartalsweise nach hinten. Die Hoffnung liegt nun bereits auf dem Anfang des 4. Quartals.
Es kommt zu größeren Veränderungen am japanischen Markt. Die Hausbaubeginne lagen im 1. Halbjahr weiterhin auf Vorjahresniveau, trotzdem gaben die Importe um 42 % gegenüber dem Vorjahr nach. Davon kam die Hälfte der Importmenge aus Europa. Da Japan ein Hochpreisland ist, schmerzt die Entwicklung doppelt.
Fast zwei Drittel der chinesischen Importe stammten im 1. Halbjahr aus Russland. Das sanktionierte Land lieferte bereits knapp 6 Mio. m3 (+7 %). Aus europäischer Sicht überraschen die +85 % aus Schweden und Deutschland. Zusammen lieferte man 1 Mio. m3.
Wie China ist auch Indien ein Niedrigpreisland. Indien ist in Relation ein relativ kleiner Importmarkt, der aber speziell für Deutschland eine immer größere Rolle spielt: +31 % im 1. Halbjahr auf über 200.000 m3 sind eine klare Ansage. Allerdings steckt auch Indien in einer Wirtschaftskrise. Entsprechend dürfte auch der Bedarf verhalten bleiben. Nach der Monsunzeit könnte dieser steigen.