„Die schwierige Phase, die vor über drei Jahren begann, hält an“, sagte EOS-Präsident Tommi Sneck am 22. Oktober auf der 73. Internationalen Nadelschnittholzkonferenz (ISC) in Oslo. Für 2026 erwartet die Branche keine wesentliche Veränderung. Trotz unterschiedlicher Produktionsentwicklungen zwischen den Ländern bestehen europaweit anhaltende Margen- und Rentabilitätsprobleme.
Sommerliche Ernüchterung
Der Schnittholzbedarf liegt 2025 um 13 % unter dem Niveau von 2021, zeigt jedoch gegenüber dem Vorjahr einen leichten Zuwachs von 2,5 %. Die Exporte sind heuer moderat gestiegen. Seit dem Sommer habe sich die Stimmung jedoch eingetrübt, so Sneck: „Die Branche erwartet schwächere Monate zum Jahresende.“
Rundholzpreise hoch und höher
Besonders in den nordischen Ländern sind die Rundholzpreise stark gestiegen und verharren auf hohem Niveau. Da die Verkaufspreise für Schnittholz mit dieser Entwicklung nicht Schritt halten, bleibt die Rentabilität gering. Die Rohstoffverfügbarkeit, vor allem bei Fichte, stellt insbesondere in Mitteleuropa ein zentrales Problem dar.
Im 1. Halbjahr stiegen die europäischen Lieferungen in die USA um 19 % auf 620 Mio. €, während die Exporte nach Japan um 7 % auf 350 Mio. € zurückgingen. Ägypten verzeichnete ein Plus von 8 % auf 240 Mio. €, während die europäischen Exporte nach China um 37 % auf bescheidene 85 Mio. € sanken.
Die Exportmärkte bleiben für die europäische Nadelholzindustrie auch 2026 entscheidend. Die US-Zölle von 10 % auf europäisches Schnittholz dürften laut Sneck keine gravierenden Auswirkungen auf die europäischen Produzenten haben, könnten aber die globalen Handelsströme negativ beeinflussen.
| Mengen in 1.000 m³ | ||||
| Land | 2024 | Forecast 2025* | 2025 | 2026 |
|---|---|---|---|---|
| Deutschland | 22.367 | 22.250 | 21.250 | 21.250 |
| Schweden | 17.800 | 17.100 | 17.800 | 17.800 |
| Finnland | 10.900 | 10.000 | 11.700 | 11.700 |
| Österreich | 9.700 | 9.900 | 9.900 | 10.000 |
Weniger US-Import dafür höhere Preise
Laut Paul Jannke, FEA, werden die Überseeimporte nach Nordamerika 2026 um rund 1 Mio. m3 sinken und anschließend stabil bleiben. Gleichzeitig erwartet er steigende Preise in den USA, bedingt durch Sägewerksschließungen in Nordamerika.
Sneck verwies zudem auf die zunehmende Konkurrenz durch Russland auf den Weltmärkten. Speziell in China, dem Nahen Osten und Nordafrika sind russische Anbieter stark präsent ist.
Warten bis 2. Halbjahr 2026
Kurzfristig bleibt die Lage für die europäische Holzindustrie herausfordernd. Hoffnung bestehe frühestens ab 2026, insbesondere in der zweiten Jahreshälfte. Entscheidend sei die Verfügbarkeit von Rohstoffen zu wettbewerbsfähigen Preisen. Aufgrund der Borkenkäferkrise und des daraus resultierenden Fichtenmangels müsse die Branche ihre Abhängigkeit von Fichte verringern und Kiefern stärker vermarkten.
„2025 war politisch ein turbulentes Jahr, aber Europa wird sich erholen“, sagte Morten Bergsten, Vizepräsident der Europäischen Holzhandelsvereinigung (ETTF). Er rechnet für dieses Jahr in der EU mit einem Anstieg des Schnittholzbedarfs um 2,5 %. Weltweit werde der Bedarf 165,3 Mio. m³ erreichen und 2026 leicht auf 168,9 Mio. m³ (+2,2 %) zunehmen – getrieben vor allem durch die USA, so die Analysen in Oslo.
| Vorhersagen des Europäischen Holzhandelsverbandes (ETTF) auf der ISC 2025 | ||||
| Region | BIP-Trend 2026 | Baubranchen-Ausblick | Nadelholz-Markttrend | Haupttreiber |
|---|---|---|---|---|
| Belgien | Stabil | Schwache Erholung | Neutral | Wettbewerb, geringe Nachfrage |
| Dänemark | Positiv | Moderate Erholung | Steigend | Grüne Transformation, niedrigere Zinsen |
| Frankreich | Stabil | Moderate Erholung | Leichter Anstieg | Grüne Transformation, steigende Baugenehmigungen |
| Deutschland | Stabil | Allmähliche Erholung | Leichter Anstieg | Öffentliche Arbeiten, energetische Sanierung |
| Niederlande | Moderat | Wachsend | Steigend | Biobasierte Baupolitik |
| Italien | Schwach | Stabilisierend | Neutral bis leichter Rückgang | PNRR, Handelsbelebung |
| Spanien | Stark | Expandierend | Steigend | Wohnraummangel, Renovierung |
Neue MENA-Dimension
Der wichtigste Überseemarkt für europäisches Nadelschnittholz bleibt die MENA-Region. Erik Eliasson, Norra Timber, berichtete in Oslo, dass der Mangel an Fichte dort den Markt für Kiefernholz geöffnet habe. Bei skandinavischen Lieferungen würden sich die Brettbreiten zunehmend auf 47 mm standardisieren. Die MENA-Märkte seien besonders bedeutend für niedrigere Sortierungen und Seitenbretter, müssten sich aber an den wachsenden Bedarf an weiterverarbeiteten Produkten anpassen. Eliassons Fazit: „Die MENA-Märkte sind anpassungsfähig und haben eine positive Zukunftsperspektive.“
Chinas Neubauten stehen leer
In China hingegen ist der Markt eingebrochen. Laut Olle Berg, Setra, stehen dort 65 bis 80 Millionen Wohnungen leer, die Bautätigkeit ist stark zurückgegangen. Russland deckt inzwischen rund 70 % der chinesischen Schnittholzimporte und bestimmt die Preisniveaus, die deutlich unter dem Weltmarkt liegen. Hinzu kommen US-Zölle auf Möbel, welche die chinesische Möbelindustrie belasten – mit Folgen auch für skandinavische Lieferanten hochwertiger Ware.
Die Markterholung hängt mittelfristig von staatlichen Konjunkturmaßnahmen ab. Ein vorsichtiger Optimismus ist frühestens nach 2026 angebracht.
Japans Baubeginne sinken
In Japan bleibt der Wohnungsbau ebenfalls schwach. Der schwache Yen verteuert Importe zusätzlich. Fredrik Westling (Frossel Timber) erwartet keine kurzfristige Besserung: Die Zahl der Baubeginne werde weiter sinken. Zwar nehme der Holzbedarf in Nichtwohngebäuden zu, doch behindern Arbeitskräftemangel und ein geringes Rundholzaufkommen die Nutzung einheimischer Hölzer.
| Mengen in 1.000 m³ | ||
| Land | Schätzung Verbrauch 2025 | Forecast 2026 |
|---|---|---|
| Österreich | 5.100 | 5.200 |
| Belgien | 1.700 | 1.700 |
| Dänemark | 1.490 | 1.500 |
| Frankreich | 7.300 | 7.500 |
| Deutschland | 16.900 | 17.250 |
| Italien | 5.030 | 4.750 |
| Niederlande | 2.510 | 2.490 |
| Spanien | 3.475 | 3.540 |
| Gesamt | 43.505 | 43.930 |
| Großbritannien | 8.830 | 8.830 |
| USA | 83.510 | 86.415 |
| Insgesamt | 135.845 | 139.175 |
| Übrige Länder* | 29.500 | 29.715 |
| Total | 165.345 | 168.890 |