Iran-Krise

Iran-Krise: Erste Hintertüren tun sich auf für Golf-Belieferung

Ein Artikel von Gerd Ebner | 28.04.2026 - 15:09
Golfkrise.jpg

© holzkurier.com

Während ein Containertransport von Österreich nach Katar bisher rund 1500 € kostete, fallen nun zusätzliche Kosten von 6000 bis 8000 € an. Allein die War-Risk-Charge liegt bei etwa 3500 €/m3. Der fehlende Versicherungsschutz stellt eine weitere erhebliche Hürde dar. Ein vergleichbarer Fall eines österreichischen Holzhändlers wurde sogar in einem ausführlichen Artikel von Reuters aufgegriffen.

Grundsätzlich stellt sich die Frage nach künftigen Neubauten in der Golf-Region. Derzeit werden vor allem begonnene Bauprojekte weitergeführt, während viele neue Vorhaben aufgrund der Unsicherheit auf Eis liegen. Die strategische Positionierung von Standorten wie Dubai steht ebenfalls zur Diskussion. „Hier wird sich strukturell vieles verändern“, lautet eine Einschätzung.

„Die Kunden in der Golfregion werden zunehmend nervös. In Saudi-Arabien und Bahrain leeren sich die Lagerbestände. Ich erwarte, dass sich die Lage zumindest teilweise normalisiert“, so ein Marktteilnehmer. Letzterer geht davon aus, dass sich die Containerpreise wieder in Richtung 3000 US-$ bewegen werden. Erste Anbieter planen bereits Programme für die Region. Aktuell wird primär über Mengen gesprochen. Preisverhandlungen sollen erst bei finaler Verladung in Europa erfolgen.

Eine nachhaltige Entspannung dürfte bis zu sechs Monate dauern. Laut Holzkurier-Analyse gingen 2025 rund 4 Mio. m3 aus Europa in die Golfregion sowie nach Ostafrika (s. Beitrag "Iran-Krise bringt Chaos"). Fällt wirklich ein Zeitraum von sechs Monaten aus, entspräche das einem rechnerischen Rückgang von 2 Mio. m3. Unter der Annahme, dass 50 % der Einschnitte in andere Märkte umgeleitet werden und sich die restlichen Mengen ebenfalls teilweise verteilen, verbliebe ein Überhang von rund 500.000 m3 zusätzlich in Europa.

Die USA fallen noch als Absatzmarkt aus, da die Preise nicht auskömmlich sind. Allerdings nähert sich der Markt einem tragfähigen Niveau: An der Ostküste erzielen europäische Anbieter wieder 376 €/m3. 2-by-6 hat sich deutlich verteuert und lag zwischenzeitlich sogar über dem Preis von 2-by-4, nachdem zuvor ein Abstand von rund 100 US-$ bestanden hatte. In Richtung USA fehlen zudem Break-Bulk-Kapazitäten, da sich mehrere Reedereien aufgrund gesunkener Gesamtvolumina aus dem Transatlantikgeschäft zurückgezogen haben. Der Bunkerzuschlag erhöht die Kosten zusätzlich um etwa 5 €/m3. Diese Situation dürfte sich voraussichtlich bis in den Sommer hinein fortsetzen.