Die Austragungen großer Messen haben längst ihren Status als Selbstläufer verloren. In der Holzbranche, zumindest im Falle der Ligna, dürfte dies angesichts der am vergangenen Donnerstag in Hannover präsentierten Besucher- und Ausstellerzahlen noch anders laufen. „Die Ligna liegt aktuell nahezu auf dem Niveau der Vorveranstaltung“, berichtet Dr. Jochen Köckler, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Messe, gut drei Monate vor dem bedeutendsten Messevent für die Holzindustrie.
Im Jubiläumsjahr haben bereits mehr als 1200 Aussteller ihre Messestände gebucht. Zusammen belegen sie rund 112.000 m2 Ausstellungsfläche. Bezogen auf die Verteilung der Nationalitäten, führt Deutschland das Ranking an. Auf den Plätzen zwei und drei folgen Italien und die Türkei. Dahinter finden sich Österreich auf Platz vier und China auf dem fünften Rang wieder. Betrachtet man nicht die Fläche, sondern die Anzahl der Aussteller, so rücken die Chinesen bereits auf Platz drei vor – weiter hinter Deutschland und Italien. „Kaum ein Aussteller lässt die Ligna aus“, bestätigt Dr. Bernhard Dirr, Geschäftsführer des VDMA-Fachverbandes Holzbearbeitungsmaschinen, auf der Messebühne.
Unerwartetes Allzeithoch
Der Preview-Event wurde nicht nur als reine Networkingveranstaltung ausgestaltet, sondern auch um spannende Fachvorträge ergänzt. Dabei wurden auch Zahlen zur deutschen Maschinenbauindustrie vorgelegt: Demnach ist der Auftragseingang für Maschinenbauer innerhalb der Holzindustrie seit einem Peak 2022 stetig rückläufig, konnte sich zuletzt aber wieder etwas stabilisieren. Nichtsdestotrotz liegt man damit laut den von Markus Hüllmann, dem Vorstandsvorsitzenden des VDMA, präsentierten Zahlen unterhalb der übrigen Maschinenbauindustrie Deutschlands. Die Holzbranche steht hier jedoch auch in Relation zu einem Allzeithoch. 2023 lag der Produktionswert von Holzbearbeitungsmaschinen in Deutschland bei 4,2 Mrd. €. Mit 3,6 Mrd. € rechnet Hüllmann 2024 somit mit einem Rückgang um 15%. Im Vergleich zu den vergangenen 25 Jahren ist das Vorjahr mit Rang 2 jedoch weiterhin auf Spitzenkurs. Die Prognosen für 2025 liegen dabei auf einem ähnlichen Niveau.
USA wichtigster Absatzmarkt
Mit einem Exportwert von knapp 350 Mio. € sind die USA der mit Abstand wichtigste Absatzmarkt deutscher Maschinenbauerzeugnisse in der Holzindustrie. Ein Vergleich der vergangenen drei Jahre legt zudem offen, dass der US-amerikanische Markt zuletzt deutlich an Bedeutung gewinnen konnte. Zum Vergleich: 2022 wurden rund 70 Mio. € weniger in diesem Markt erwirtschaftet. Wie sich die amerikanischen Präsidentschaftswahlen hier auswirken werden, bleibt abzuwarten. „Wir sind in politisch angespannten Zeiten mit Blick auf Zölle und Kurse. Das haben viele von uns so noch nicht erlebt. Die Bundestagswahl und die Umsetzung der US-Präsidentschaft werden Klarheit geben. Egal, welche Rahmenbedingungen – die holzbe- und -verarbeitende Industrie wird dringend gebraucht“, bleibt Köckler optimistisch.
Hinter den USA folgt bereits China. Im präsentierten Betrachtungszeitraum von Januar bis November verfehlten die deutschen Produzenten einen kumulierten Exportwert von 200 Mio. € nur knapp. Ein Blick in die jüngere Historie zeigt jedoch, dass die beiden Vorjahre deutlich besser ausfielen.
Mit Frankreich und Österreich finden sich zwei deutsche Nachbarländer auf den Folgeplätzen. Spannend ist hingegen beispielsweise Rang sieben. Im Vorjahr konnten deutsche Produzenten Maschinenbauerzeugnisse im Wert von über 75 Mio. € nach Ägypten exportieren. Ein Markt, der 2023 und 2022 faktisch nicht existierte.
Ein Mix aus etabliert und innovativ
Die Ligna präsentiert 2025 neben etlichen altbewährten auch neue Events und Formate: unter anderem eine eigene zentrale Anlaufstelle für Tischler und Zimmerer. Beim Ligna Truck-Stop können sich die Besucher über viele praxisnahe Highlights aus den Bereichen Powertools, Beschläge oder Befestigungstechnik freuen. Die Messeveranstalter konnten dafür zentrale Austeller, wie Festool, Hettich, Sawstop oder auch Swiss Krono, gewinnen.
Die Veranstalter der Ligna wollen dabei die gesamte Wertschöpfungskette gleichermaßen abholen: „Die digitale Vernetzung für eine nachhaltige Holzindustrie entlang der gesamten Wertschöpfungskette mit Holz und Holzwerkstoffen als Materialien der Zukunft – das ist in einem Satz zusammengefasst, wofür Industrie, Handwerk und Forstwirtschaft in Zukunft gemeinsam stehen wollen“, sagt Stephanie Wagner, Ligna-Projektleitung bei der Deutschen Messe.