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Papierfabrik produziert nach Insolvenzantrag wieder auf beiden Linien

Ein Artikel von Michael Fehrle | 04.04.2025 - 11:31

In einem ersten Schritt wurde eine der beiden Papiermaschinen (PM) wieder in Betrieb genommen. Eine Woche später ist auch die zweite Linie angelaufen.  Seitdem wird auf beiden Linien ähnlich wie bereits vor dem Insolvenzantrag im Wechsel produziert. Auch Schleifholz wird nun wieder zugefahren. Allerdings werden die Werkslager noch als sehr niedrig beschrieben.

Das Amtsgericht Hagen hat Prof. Dr. Peter Neu vom Büro Hagen der Kanzlei ATN d´Avoine Teubler Neu Rechtsanwälte, Wuppertal/DE, zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt. Er hat gemeinsam mit der KPPP-Geschäftsführung mit der Investorensuche begonnen.  Aufgrund der von KPPP produzierten Papiersorten werden Chancen für eine Betriebsfortführung gesehen. So zählt KPPP zu den wenigen verbliebenen Werken in Europa, das für Tiefdruck geeignetes Lightweight Coated (LWC) herstellt.

Die Löhne und Gehälter für die 426 Mitarbeiter waren zuletzt im Februar bezahlt worden, sodass das Insolvenzgeld der Bundesagentur für Arbeit bis einschließlich Mai zur Verfügung steht. Allerdings ist es bei einigen Schleifholzlieferanten und Rundholzspeditionen zu Zahlungsausfällen gekommen.

Infolge des seit längerer Zeit andauernden Rückgangs beim Bedarf an grafischen Papieren hat KPPP die installierten Kapazitäten der PM 4 (190.000 t/J) und der PM 5 ( 260.000 t/J) nicht ausgelastet. Dementsprechend ist auch der Schleifholzverbrauch von rund 500.000 rm/J vor rund zehn Jahren auf zuletzt unter 300.000 rm/J gesunken. Vor der Stilllegung der PM 3 in dem damals noch zu Stora Enso, Helsinki/FI, gehörenden Werk 2008 waren es noch 600.000 rm/J.

Neben der Baisse bei grafischen Papieren nennt der vorläufige Insolvenzverwalter auch die Kostensteigerungen bei Energie und Rohmaterial als Ursachen für die drohende Zahlungsunfähigkeit von KPPP. Neben den stark gestiegenen Gas- und Strompreisen ist KPPP aber auch durch die höheren Einkaufspreise für Schleifholz und Zellstoff belastet. Infolge der kalamitätsbedingten Fichtenverknappung in vielen west- und nordwestdeutschen Einkaufsgebieten ergeben sich dort Schleifholzpreise von rund 35 €/rm ab Waldstraße und damit ein deutlich höheres Preisniveau im Vergleich zu Süddeutschland.

Bereits seit dem Verkauf des Werks 2016 waren immer wieder Versuche unternommen worden, die Rohstoffbasis zu verändern, um den energieintensiven Schleifholzeinsatz sowie den Zukauf von Zellstoff zu reduzieren. So wollte KPPP auf der von der geschlossenen Papierfabrik Walsum, Duisburg-Walsum/DE, übernommenen TMP-Linie Alkaline Peroxide Thermochemical Pulp (ATMP) produzieren. Das Projekt wurde allerdings nie umgesetzt. Auch der vorübergehende Einsatz von Birke als Fichtensubstitut wurde wieder aufgegeben.