prutscher Holzbau

Der nächste logische Schritt

Ein Artikel von Jakob Wassermann | 06.08.2025 - 09:00

Um eine gewünschte Qualität sicherstellen und termingerecht liefern zu können, nimmt Prutscher Holzbau sämtliche Bearbeitungsschritte selbst vor. Für den Plattenzuschnitt steht dem Unternehmen eine SPM-2 von Hundegger zur Verfügung. Abgebunden wird mit einer Robot-Drive, die ebenfalls vom Hawangener Maschinenbauer stammt. Die restlichen Schritte bis hin zum fertigen Element erfolgten, mit Ausnahme der Dämmstoffeinbringung, bislang manuell.

Das Hauptgeschäft von Prutscher Holzbau ist der Objektbau, in dem man vornehmlich Gebäude der Klasse 4 und 5 errichtet. Einfamilienhäuser, Aufstockungen sowie Sanierungen realisiert das Unternehmen ebenfalls – stets in der selbstentwickelten Massivholzsystembauweise. „Vor rund zwei Jahren fiel die Entscheidung, in eine Fertigungslinie zu investieren. Ich habe mich intensiv mit den am Markt verfügbaren Maschinenkonzepten beschäftigt“, erklärt Prutscher. Da Hundegger den umfangreichen Anforderungskatalog Prutschers schließlich erfüllen konnte, entschied sich der Unternehmer erneut für den lediglich 30 Autominuten entfernten Maschinenbauer. Gleichzeitig fungierte Prutscher Holzbau als Partner bei der Entwicklung der Wall-Master Linie und erhielt einen der ersten Prototypen der Anlage.

Deutliche Produktivitätssteigerung

„Wir sind seit 2018 im Bereich der Elementfertigung aktiv. Mit dem Wall-Master CF haben wir uns hier deutlich weiterentwickelt und eine hochflexible Anlage entwickelt. Diese eignet sich nicht nur für Fertighaushersteller, sondern auch für Unternehmen aus dem Objektbau“, erläutert Hundegger-Produktmanager Stefan Braunmiller. Für Prutscher war die Investition der nächste logische Schritt in der Automatisierung seiner Produktion. Ziel sei, den Output um mindestens 40 % zu steigern.

Ein Mitarbeiter montiert auf einem Vortisch das Rahmenelement und befördert dieses per Hallenkran auf den 37 m langen Maschinentisch. Anschließend werden die Plattenzuschnitte aufgelegt und durch das Bearbeitungsportal automatisch befestigt. Nach dem Wenden der bis zu 3,8 m breiten Elemente erfolgt die Dämmstoffeinbringen über das Thermo Linked-Einblasportal. Die drehbare Einblastechnik ermöglicht selbst bei komplexen Geometrien eine autonome Verarbeitung des Dämmmaterials. Alternativ bietet Hundegger mit dem selbstfahrenden Portal Thermo Solo sowie der Kragarmlösung Thermo Cantilever zwei weitere Möglichkeiten zur Dämmstoffeinbringung an.

Schritt für Schritt zum fertigen Element

Sämtliche Produktionsschritte wie Klammern, Sägen und Fräsen erfolgen über das Bearbeitungsportal. Dazu steht ein leistungsstarkes Dreiachs-Fräsaggregat mit einem bis zu zwölf Werkzeugen fassendem Magazin zur Verfügung. Das Aggregat bietet die Option zur Erweiterung auf vier- und fünfachsige Bearbeitungen mit einem Kreissägeblatt mit bis zu 420 mm Durchmesser. Das Wall-Master-Portal verfügt zudem über ein vierachsiges Befestigungsaggregat. Der universelle Aufnehmer kann herstellerunabhängig schrauben, nageln und klammern. Selbst Holznägel lassen sich laut Braunmiller einbringen. „Die Fertigung der Elemente erfolgt schichtweise. Bis zu einer Stärke von 100 mm kann auch schichtübergreifend bearbeitet werden“, erklärt Braunmiller und Prutscher ergänzt: „Wir versuchen, die Durchlaufzeit der Elemente auf der Anlage so kurz wie möglich zu halten. Sobald ein Bearbeitungsschritt abgeschlossen ist, legen unsere Mitarbeiter die nächste Schicht auf – alles Weitere erfolgt automatisiert. Der größte Mehrgewinn ist für uns der Zuschnitt der Fassade. Um Stillstandszeiten zu vermeiden, wird etwa vor Pausenzeiten die nächste Schicht aufgelegt. Das Portal führt den nächsten Schritt währenddessen eigenständig aus.“

Einfache Bedienbarkeit

Über die Cambium-Software von Hundegger erfolgt die Arbeitsvorbereitung nahezu automatisch. Die Bauteilreferenzierung kann über Anschläge oder per Kreuzlinienlaser erfolgen. Prutscher Holzbau entschied sich für die Referenzierung per Laser. Etwaige Schieflagen der Elemente gleicht das Bearbeitungsportal selbstständig aus. Über ein verstellbares Bedienportal besteht auch die Möglichkeit, den Wall-Master manuell zu steuern.

Ein intelligentes Sicherheitskonzept erkennt, sobald sich Personen im Arbeitsbereich befinden und stoppt die Maschine. Sobald diese den kritischen Bereich wieder verlassen haben, wird der Bearbeitungsprozess automatisch fortgesetzt.

Individuelle Konfiguration

„Der Wall-Master wird kundenindividuell und modular konfiguriert. Die Bearbeitungslänge ist abhängig vom Hallenlayout und dem jeweiligen Bausystem. Sie kann jederzeit flexibel erweitert werden. Eine verkettete Fertigung mit mehreren Maschinen ist ebenfalls möglich. Prutscher Holzbau hat sich für einen stationären, bauseitig zur Verfügung gestellten Tisch entschieden. Alternativ lässt sich die Anlage mit Bearbeitungstischen zum Wenden, Transportieren und Spannen der Elemente ausstatten“, beschreibt Braunmiller. Fünf Wall-Master wurden von Hundegger bisher ausgeliefert. Das Interesse des Marktes zeige sich dem Produktmanager zufolge an einem entsprechenden Auftragsbestand.