Rettenmeier_Baltic_Bedienkabine_rgb.jpg

Totale Übersicht: Bedienkabine der Sägelinie © holzkurier.com

Rettenmeier Baltic Timber

Das „Keine Kompromisse-Sägewerk“

Ein Artikel von Gerd Ebner | 24.09.2025 - 07:54
RettenmeierBaltic_Lang_rgb.jpg

CEO-Rettenmeier Holding Dr. Stephan Lang: "Wir eröffnen das größte Sägewerk des Baltikums. Es ist auch das effizienteste Europas." © holzkurier.com

Lang zollte seinen Mitarbeitern Respekt, dass alle Investitionsschritte in den vergangenen zwei Jahren parallel zum laufenden Betrieb mit der bestehenden Mannschaft umgesetzt wurden: Rundholzplatz, komplettes Sägewerk, Hobelwerk und Trocknungskomplex entstanden in dieser Zeit.

Technik aus dem Premiumsegment

Um Europas effizientestes Sägewerk aufzubauen, griff Rettenmeier erneut auf führende Anlagenhersteller zurück – wie bereits 2021 in Wilburgstetten. Der abermalige Einsatz derselben Hersteller brachte klare Vorteile: Kinderkrankheiten der Vorgängeranlagen konnten vermieden, vier Jahre technologische Weiterentwicklung genutzt und die lettische Belegschaft bereits in Mittelfranken geschult werden. Umgekehrt waren Schlüsselpersonen aus Deutschland, darunter Technikchef Paul Schmid und Hirschberg-Standortleiter Uwe Lutz, hunderte Tage vor Ort.

Herzstück in Inčukalns ist eine Linck-Profilierlinie, ergänzt durch Microtec-Scanner und -Steuerelemente. Die aus rund zehn Millionen Fichten- und Kiefern-Stämmen gesägten Bretter laufen über zwei Springer-Sortieranlagen. Dort werden sie sortiert, gekappt, gelagert und abgestapelt.

Klare Leitlinien für den Standort

RettenmeierBaltic_Rimicans_rgb.jpg

Betriebsleiter Rolands Rimicans auf der Bühne der Eröffnungsfeier © holzkurier.com

Zusammen mit Geschäftsführer Rolands Rimicans entwickelte das Rettenmeier-Technikteam zentrale Vorgaben: 

  • Arbeitsplatzqualität: Moderne Gebäude mit Besprechungs-, Sozial- und Sanitärräumen direkt an den Linien.
  • Automatisierte Reinigung: Von der Rundholzübernahme bis zum Hobelwerk sorgt Technik für saubere Hallen und vollständige Reststoffverwertung.
  • Platz-/Leistungsreserven: vorausschauende Planung in Elektrik, Hydraulik und Layout ermöglicht spätere Erweiterungen ohne großen Aufwand.

Rettenmeier Baltic Timber-Facts

  • Standort: Inčukalns/LT (30 Jahre Holzverarbeitung am Standort)
  • Bauzeit des neuen Werkes: 2 Jahre
  • Investition: 120 Mio. € (Arealerweiterung/Bau Rundholzplatz/Sägewerk/Hobelwerk/Trocknungskomplex)
  • Mitarbeiter: 270 (2025)
  • Betriebsgelände: 46 ha
  • Holzarten: Fichte (65 %), Kiefer (35 %)
  • Stammlängen: 2,4 bis 6,1 m
  • Media-Rundholz: 19,5 cm
  • Rundholzplatz: 132 Boxen
  • Einschnitt: >1 Mio. fm/J; 30 Stämme pro Minute; zehn Millionen Stämme/Jahr 
  • Vorschub Sägelinie: 170 m/min
  • Sortieranlage: 22 Lagen- und 71 Schrägboxen
  • Hobelwerk-Vorschub: 500 m/min

Effizienz und Präzision

Der Personalbedarf ist minimal: ein Bediener an der Sägelinie, drei in jedem der beiden Sortierwerke, vier im Hobelwerk. Möglich wird dies durch modernste Scanner- und Profiliertechnik: lückenoptimierte Eintaktung, Stammweiterverfolgung, Eindrehung und präzise Vorschubgeschwindigkeiten. Bereits in Wilburgstetten erprobte Konzepte konnten also erfolgreich übertragen und weiterentwickelt werden.

Ergänzt wird die Sägelinie durch einen Holtec-Rundholzplatz mit verbesserter Ergonomie und Sensorik sowie durch neue Valutec- und Mahild-Trockenkammern mit Wärmerückgewinnung. Ein Teil der Energie wird für die Fußbodenheizung in den neuen Hallen genutzt. Das Hobelwerk stammt von Kallfass. Die 500 m/min-Hobelmaschine lieferte Rex.

Rohstoff und Logistik als Pluspunkte

Lettisches Nadelholz ist gerade gewachsen, feinastig und weist enge Jahrringe auf – ein klarer Vorteil bei der Verarbeitung.

Rettenmeier Baltic besitzt große Lagerflächen, einen Schienenanschluss sowie einen direkten Zugang zum Hafen Riga. Letzterer dürfte für einen einstelligen Eurobetrag je Kubikmeter erreichbar sein. Damit sind die internationalen Schlüsselmärkte – Europa, USA, UK, Asien, MENA und Asien-Pazifik – logistisch effizient angebunden.

Strategie umgesetzt

Mit der Eröffnung des Standorts Inčukalns wurde der letzte von drei zentralen Meilensteinen der Wachstumsstrategie von 2015 erreicht. Mit der Übernahme der Ziegler Group im Frühjahr 2025 kam ein großer Meilenstein hinzu, den man 2015 noch nicht am Tapet hatte.

Details zu den Schlüsselkomponentenfolgen folgen im Oktober auf holzkurier.com

Rettenmeier Holding-Fact

  • Mitarbeiter: 2200 Mitarbeiter
  • Standorte: 8
  • Gesamteinschnitt: 6,2 Mio. fm/J
  • Pelletsproduktion: 465.000 t/J