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Hasslacher Standorte in Mitteleuropa © Holzkurier.com
Interview mit Christoph Kulterer

Ungebremster Aufstieg in Europa-League

Ein Artikel von Gerd Ebner | 18.07.2017 - 13:47

Die Hasslacher-Gruppe wuchs in den vergangenen 20 Jahren zu einer der größten Holzindustrien Europas heran. Mit der Übernahme von Nordlam wurde man etwa zur klaren Nummer 1 bei der Brettschichtholz-Produktion in Europa. Im Vorjahr erzeugte man am Stammsitz in Sachsenburg sowie in Hermagor 140.000 m3 BSH. Hinzu kommt nun eine Produktion von rund 200.000 m3 in Magdeburg.
Zählt man noch geprüftes Konstruktionsvollholz (GLT; 100.000 m3/J; Preding) und Brettsperrholz (80.000 m3; Stall im Mölltal) hinzu, kommt man auf 520.000 m3/J Leimholz. Das lässt das Kärntner Unternehmen wohl in die Top 3 Europas aufsteigen.
Um diese Menge an Leimholz herstellen zu können, benötigt man 700.000 m3 Schnittholz. In den drei verbliebenen Sägewerken in Sachsenburg, Preding und Malaya Vishera schneidet man rund 1,2 Mio. fm/J ein.

BSH Top Ten Plan 2016
  Unternehmen Standort Produktion 2015 Plan 2016 Besonderheiten
1. Hasslacher + Nordlam Sachsenburg
Magdeburg
330.000 340.000 Nordlam 200.000 m³; Hasslacher 140.000 m³ (jeweils 2016)
2. Mayr-Melnhof Holz Gaishorn 180.000 230.000 Bogenbauteile ab 3 m Radius, Duo/Trio
3. Binderholz Jenbach 170.000 225.000 CNC-Abb., Sonderteile, KVH, JAS
4. Mosser Randegg 160.000 170.000 PEFC, Duo, NSi
5. Schneider Eberhardzell 105.000 135.000 DE, Duo/Trio, Nature Plus
6. Hüttemann Wismar Wismar 120.000 120.000 JAS, CE, WCLIB, Duo, CNC-Abb., HBE, EN 14080:2013
7. Bullinger Neuruppin 110.000 120.000 Kommissionen innerhalb von 3 Werktagen erhältlich
8. Pfeifer Holz Imst 100.000 110.000 masch. Festigkeitssortierung
9. Weinberger Holz Abtenau, Reichenfels 95.000 105.000 setzungsfreie Blockhausbohle
10. Eugen Decker Morbach 100.000 100.000 KVH, Duo, BSH, BSP
Holzkurier 2017

Hasslacher Norica Timber ist immer wieder für eine Übernahmeüberraschung gut. Der Nordlam-Erwerb durch Hasslacher kam völlig unerwartet. Ihr Unternehmen wird damit zum größten BSH-Produzenten Europas. Was waren die Beweggründe, die Riesenproduktion in Magdeburg zu erwerben?
In den vergangenen beiden Jahren haben wir viel in eine sehr positive Vertriebsentwicklung investiert. Seit Mitte 2015 sind wir überdies mit einer sehr guten Nachfrage konfrontiert. Wir wollten daher expandieren – mit Nordlam ergab sich eine Gelegenheit, gleich einen größeren Schritt zu gehen. Das Unternehmen hat Märkte, wo wir nicht so stark sind: in Norddeutschland, Spanien und Frankreich. Von Magdeburg aus können wir faktisch ganz Europa gut bedienen – den Heimmarkt Deutschland sowieso.


Die Schulden von Nordlam beliefen sich laut Jahresabschluss auf 48 Mio. €. Der Kaufpreis muss also wohl höher gewesen sein. Wie gedenkt Hasslacher Norica Timber, diesen Betrag zu erwirtschaften?
Zahlen aus der Vergangenheit werde ich nicht kommentieren. Aber zweifellos hat Nordlam eine leistungsfähige Produktion. Wir werden nun unsere Produktionsphilosophie – größtenteils kommissionierte Ware – auf Magdeburg umlegen. Das ist auch eine organisatorische Frage, die wir lösen werden. Relativ schnell wollen wir die Produktion um 10 bis 20 % erhöhen. Dann wären wir bei 220.000 bis 240.000 m3/J in Magdeburg.


Mitteleuropäische Holzindustrien haben eine niedrige, einstellige Prozentzahl als Cashflow. Davon müssen vielfach noch Verbindlichkeiten gedeckt werden. Wie schafft Hasslacher Norica Timber diese regelmäßigen Expansionssprünge?

Unsere Bilanzen sind öffentlich, andere kommentiere ich nicht. Unsere Cashflows und Ergebnisse in den Vorjahren waren in Ordnung. So gelang es immer, Investitionen und Verbindlichkeiten abzudecken. Wir hatten ein solides Wachstum mit entsprechenden Ergebnissen. Was wir erwirtschafteten, wurde wieder ins Unternehmen gesteckt.


Mehrere unserer Gesprächspartner haben den Erwerb von Nordlam abgelehnt, weil sie unter anderem feststellten, dass zwei Produktionsanlagen weniger produzierten als zuvor eine. Nordlam verzeichnete daher zuletzt rückläufige Umsätze – und das in einer Zeit, als die meisten anderen Produzenten zulegten. Wie kann man hier erste Erfolge erzielen?
Die zweite Ausbaustufe in Magdeburg lief zur schlimmsten konjunkturellen Zeit an. Die Zeiten sind jetzt einfacher. Mit optimierten Prozessen und dem Vorteil zweier Produktionsstandorte werden wir es schaffen. Speziell in der Logistik lassen sich noch einige Synergien holen.
Nordlam liefert rund 40 % der Produktion nach Italien. Die Frachtkosten dorthin müssen wohl um 15 €/m3 über jenen der österreichischen Hersteller liegen.
Mittelfristig wird Sachsenburg eher den Süden Europas bedienen. Magdeburg wird unsere Transportwege für Deutschland optimieren. Von beiden Standorten aus lässt sich Europa bestmöglich bedienen, für beide gibt es nun Optimierungspotenzial. Magdeburg hat außerdem die JAS-Zertifizierung.

Wir wollten angesichts der Marktlage erweitern. Mit Nordlam machen wir nun einen extragroßen Schritt.

Christoph Kulterer

In Deutschland sind die Bestellmengen relativ klein. Zuletzt soll die Auslieferzeit bei Nordlam rund 20 Tagen betragen haben. Topunternehmen machen das in einem Viertel der Zeit. Wie wird man das umstellen können?
Wir beweisen in Sachsenburg, dass es möglich ist, kurzfristig kleinteilig zu liefern. Das werden wir auch in Magdeburg umsetzen.


Laut uns bekannten Zahlen produzierte Nordlam zuletzt 200.000 m3/J und machte damit 4 Mio. €/m3 Verlust. Das wären 20 €/m3. Wie kann man eine solche Größenordnung kompensieren? Das Senken der Produktionskosten wird wohl auch in Magdeburg ein Schlüssel sein, um positiv arbeiten zu können. Wo liegen hier Potenziale? Welche Prioritäten setzt man?
Wir haben einen Plan, wie wir in zwei Jahren positiv wirtschaften. Das wird Gerhard Göritzer als Geschäftsführer vor Ort sicherstellen. Er leitet beide BSH-Produktionen.
Brancheninsider erwarteten, dass Magdeburg von einer Holzindustrie gekauft werden würde, die dort ihr Schnittholz weiterverarbeitet. Das trifft in Ihrem Fall nicht zu.

Wird Nordlam den Bedarf weiterhin mit einem Mix aus nordischer, österreichischer und deutscher Ware decken?

Magdeburg wurde schon bisher je zur Hälfte mit skandinavischer und zentraleuropä-ischer Ware versorgt. Das hat gut funktioniert und setzen wir auch so fort.


Sachsenburg/AT, Preding/AT, Bled/SI, Malaya Vishera/RU, Kleinheubach/DE sind nur einige der Standorte der Hasslacher-Gruppe. Wird es in den kommenden Jahren eine strategische Arrondierung geben?
In Österreich wurde schon zusammengelegt – ich erinnere an die Schließung der Sägewerke in Arnoldstein und St. Veit oder zuletzt in Liebenfels. Die jetzigen Standorte passen optimal zu unsere Strategie, einer der führenden Anbieter von Holzprodukten in Europa zu werden. Bei BSH sind wir schon die Größten in Europa und haben in Deutschland eine Produktion für Standardware und Sonderbauteile (Anm. d. Red.: Hess Timber in Kleinheubach). Wir produzieren noch Hobelware, Pellets und KVH in Preding. Der russische Standort ist unsere Ergänzung in den asiatischen Markt. Ich sehe unser Unternehmen in dieser Konstellation sehr gut aufgestellt.

Ab wann wird man an den Standortausbau denken können – etwa in Richtung Brettsperrholz? 14 ha freie Fläche soll es ja noch geben.
Gekauft haben wir Nordlam wegen des BSH. Darauf wird nun der Fokus liegen. Es ist aber genug Platz für weitere Ideen. Außerdem sind ja bei BSP laut Holzkurier ohnehin mehrere 100.000 m3 an Kapazitätsausbauten in der Pipeline. Wir werden erst sehen, ob der Markt so schnell mitwächst.


Ein Blick in die jüngere Vergangenheit zeigt, dass mit Nordlam, LIP Bled, Buchacher, Hess Timber und Leitinger eher Unternehmen gekauft wurden, die sich in finanziellen oder strategischen Schwierigkeiten befanden. Über Synergieeffekte, Produktivitätssteigerungen und -konzentration wird versucht, diese profitabel zu machen. Könnte man so den strategischen Weg von Hasslacher Norica Timber umschreiben?
Wir haben eine klare Strategie, wie wir unser Unternehmen entwickeln wollen: eigene Erweiterungen oder Zukäufe, die passen. Über Synergieeffekte plus Optimierungen am Markt kann man wachsen. Das haben wir schon mehrmals gemacht.
Wo sehen Sie Ihr Unternehmen in zehn Jahren?
In den vergangenen zehn Jahren entwickelten wir uns vom Schnittholzproduzenten zum integrierten Vollanbieter. Künftig steht weiterhin der Holzbaumarkt im Fokus. Wir wollen ein starker Partner für den Holzbau sein. Dabei gilt es, gleichzeitig die Wertschöpfung möglichst hochzuhalten.

Hasslacher Norica Timber
1901 Gründung durch Jakob Hasslacher
1998 Brand in Sachsenburg: Aufbau der neuen Linie mit rund 400.000 fm/J Einschnitt (abgebrannte Linie war mit 130.000 fm/J beschränkt; bis 1996: 80.000 fm/J-Gatter)
1998 Kauf der Sägewerke Arnoldstein und St. Veit an der Glan von den Gebrüdern Feltrinelli -> Werke werden zu Hasslacher Drauland Holzindustrie GmbH fusioniert.
2001 Einstieg in die Brettschichtholz-Produktion mit Gründung des Unternehmens Noritec im Stall im Mölltal
2005 Nach einem Brand des BSH-Werkes Noritec in Stall im Mölltal im Dezember entschließt sich Kulterer, die Produktion am Hauptstandort in Sachsenburg wieder aufzubauen. Nach nur sechsmonatiger Bauzeit konnten in einer 18.000 m2 großen Halle neben dem Hobelwerk die Maschinen anlaufen.
2007 Herbert Kulterer übergibt an seine Söhne Stefan und Christoph.
2008 Übernahme des 330.000 fm/J-
Sägewerkes Kogler Holz in Liebenfels
2009 35 %tige Beteiligung an LIP Bled, einem Schalungsplatten-Produzenten mit 230 Mitarbeitern
2009 Fortführung der Holzindustrie Preding GmbH sowie Übernahme des russischen Tochterunternehmens Madok in Malaya Vishera
2011 Hasslacher Norica Timber übernimmt insolventen Holzbaubetrieb Buchacher, Hermagor; Aufbau der BSP-Produktion in Stall im Mölltal
2016 75 %ige Übernahme von Hess Timber in Kleinheubach/DE. Es ist der erste Standort in Deutschland.
2016 Erwerb Maschinenpark des RZ Sägewerkes; Nachsortierung kam nach Sachsenburg, Rest wurde verwertet.
Ende 2016 wird der Standort in Liebenfels stillgelegt.
2017 Hasslacher Norica Timber, Sachsenburg, wird die Brettschichtholz-Stützen sowie die Brettsperrholz-Wandelemente für das Hoho liefern.
Im Juli 2017 erwirbt Hasslacher Norica Timber Nordlam, Magdeburg.