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Die südlichen Standorte der Binderholz-Gruppe in Österreich und Deutschland © Holzkurier.com
Binderholz übernimmt Klenk Holz

Ein Gigant entsteht

Ein Artikel von Gerd Ebner | 04.10.2017 - 12:04

Nur drei Monate nach der Übernahme von Nordlam durch Hasslacher Norica Timber werden die Top-Ränge nochmals gemischt. Gemeinsam produziert Binder/Klenk über 2 Mio. m3/J Massivholzprodukte. Sieben Sägewerke schneiden künftig über 5 Mio. fm/J. Als Hauptbeweggründe für den Kauf führt Eigentümer Reinhard Binder an:
- deutlich verbesserte Rundholz-Logistikströme
- drei neue Standorte, die in den Vorjahren 5 bis 9 % EBITDA-Margen schrieben
Sortimentsstärkungen
- eigene wirtschaftliche Stärke (Eigenkapitalquote lag laut Binder AG-Bilanz 2016 bei 42 %.)
Klenk wurde 2013 von der US-Private-Equity-Gesellschaft Carlyle übernommen. Damals erwartete man, dass mit weiteren Beteiligungen eine Mega-Holzindustrie entsteht, die letztlich mit Gewinn an der Börse verkauft wird. Jetzt hat Carlyle wohl mit Gewinn an die österreichische Holzindustrie verkauft. Über den Kaufpreis schweigt Binder. Er lobt aber das US-Unternehmen für die Fairness und dessen Managementarbeit: „Die Amerikaner haben das Unternehmen finanziell geordnet, in eine höhere Wertschöpffungstiefe investiert und dafür gesorgt, dass die Anlagen in einem guten Zustand blieben. Das EBITDA Kenks wuchs seit 2013 jährlich um rund 1 Mio. €.“

Nadelschnittholz Top 10 | Plan 2017
Europa (Nadelschnittholz in 1.000 m³)
Rang Unternehmen Land ¹⁾ Plan 2017
1 Stora Enso ²⁾ FI 4.600
2 Binderholz/Klenk Holz AT 2.900
3 Moelven Group NO 2.200
4 Ilim Timber ³⁾ RU 2.150
5 Pfeifer Holz AT 2.100
6 SCA Timber SE 2.050
7 Södra Timber SE 1.900
8 Metsä Fibre FI 1.820
9 Holzindustrie Schweighofer AT 1.800
10 Mayr-Melnhof Holz AT 1.800

Kaufsumme „überschaubar“
„In Relation zu unserer Erlössituation und den Margenerwartungen bei Klenk war die Übernahmesumme überschaubar. Ich halte sie für deutlich besser als bei ähnlichen Deals 2017“, umschreibt Binder. „Die Vorstände bleiben bei Binderholz, ebenso die sehr guten Standortleiter. Auch vertriebsseitig bekommen wir Topleute“, urteilt der Tiroler Holzindustrielle.
Die vergangenen Jahre haben das Binderholz-Management darin bestärkt, dass Sägewerke immer eine Weiterverarbeitung haben müssen. Stand-alone-Lösungen
haben Nachteile. Entsprechend wird man wohl weiter in die Wertschöpfungstiefe investieren.


Mitten im Rohstoff
„Der Klenk-Stammsitz Oberrot liegt mitten im deutschen Fichten-Epizentrum. Der Standort hat drei vergleichsweise langsame, aber sehr flexible Einschnittlinien“, umschreibt Binder. Die Holzartenvielfalt (Fi, Kie, Dou, Lä), Gartenholz, Pressspanpaletten und Pressspanklotzproduktion ergänzen das bestehende Binderholz-Portfolio.


„Die Stärkung in der Weiterverarbeitung macht uns unabhängiger von den volatilen Schnittholzmärkten. Das stabilisiert die Ergebnisse deutlich.“ Mit der Übernahme stieg alleine die Leimholzproduktion der Gruppe auf unglaubliche 715.000 m3/J (s. Tabellen BSH, BSP, KVH, Massivholzplatten; 5,7 Mio. m2/J). Der dafür nötige Schnittholzbedarf war also der Hauptgrund, die drei deutschen Sägewerksstandorte zu übernehmen. „Rundholzseitig gibt es nur noch wenige weiße Flecken für uns. Wir können die Lieferungen speziell zwischen Oberrot und Kösching dramatisch optimieren“, sagt er voraus. Das könnte Aufgabe des eigenen Holzernteunternehmens TTW Waldpflege sein. Schnittholzmäßig liegt Burgbernheim (BSP-Produktion seit heuer) näher an Oberrot als am bisherigen Versorger Kösching. Vom neuen Sägewerk in Wolfegg ist es nicht weit bis zur BSH-Produktion in Jenbach.

Konstruktionsvollholz Top 10 | Plan 2017
Produktionen in Deutschland und Österreich (in m³)
Rang Unternehmen Land Plan 2017
1 Ante-Holz Bromskirchen/Rottleberode/DE 280.000
2 Stora Enso * Pfarrkirchen/DE, Ždírec/CZ 265.000
3 Ladenburger Holzwerke Bopfingen/DE 200.000
4 Binderholz, Klenk Holz ¹⁾ Jenbach/AT, Baruth/DE 180.000
5 Rettenmeier Holzind. Hirschberg/DE 150.000
6 Cordes Bremerhaven/DE 110.000
7 Hasslacher Norica Timber Preding/AT 100.000
8 Asta-Holzwerke Ziemetshausen/DE 95.000
9 Eugen Decker Morbach/DE 90.000
10 Abies Austria Oberweis/AT 85.000

Klenk mit starkem DIY-Angebot
Die Klenk-Standorte erzielen schon jetzt einen Umsatz von 100 Mio. € im DIY-Sektor. „Während bei uns der Fokus klar am Holzbau liegt, ist es bei Klenk eher die Baumarktschiene“, skizziert Binder einen Kontrast.


Kleine Schritte, große Wirkung
„Die Einschnittlinien, etwa in Oberrot, sind gut in Schuss und wurden zuletzt wegen Einkaufszurückhaltung nicht voll ausgefahren. Hier kann man mit kleinen Schritten viel erreichen“, kalkuliert Binder. Als Besonderheit erkennt er, dass alle Platten- und Hobellinien der Klenk-Gruppe mit Scannern ausgestattet sind – was im DIY-Sektor keine Selbstverständlichkeit ist.
„Baruth zählt zu den Top-Sägewerksstandorten Europas“, schwärmt Binder und erkennt zudem im dortigen KVH-Werk eine der besten Kommissionierungsstraßen aller europäischen Produzenten.


„Klenk“ bleibt als Marke
„Wir starten an den Standorten aber nur mit einer sanften Anpassung. Jedes Werk soll ein bisschen zulegen. Die Integration in unsere Gruppe wird den neuen Mitarbeitern einen breiteren Rücken verleihen“, erwartet Binder. „Die Marke Klenk ist gut positioniert und wird bleiben.“

Brettsperrholz Top 10 | 2016–2020
Europa; bestehende und kommende Produktionen (in m³/J)
Rang Unternehmen Standort künftig ¹⁾
1 Binderholz ²⁾ Unternberg/AT, Burgbernheim/DE 270.000
2 Stora Enso Bad St. Leonhard/AT, Ybbs/AT 210.000
3 Legal & General ³⁾ Großbritannien 120.000
4 KLH Massivholz Katsch a. d. Mur/AT 110.000
5 Pfeifer Holz ⁴⁾ Schlitz 100.000
6 Hasslacher Norica Timber Stall im Mölltal/AT 80.000
7 Mayr-Melnhof Holz Gaishorn/AT 80.000
8 CLT Finland Hoisko/FI 40.000
9 Eugen Decker Morbach/DE 30.000
10 Züblin Timber Aichach/DE 30.000

Binderholz AG-Bilanz
Die Binder Beteiligungs AG in Fügen erzielte 2016 einen Jahresüberschuss von 32,6 Mio. €. Im Jahr davor betrug dieser 20 Mio. €. Inklusive des Gewinnvortrags aus dem Vorjahr erhöhte sich der Bilanzgewinn um 69 % auf 79,7 Mio. €.
Die Erträge aus Beteiligungen (verbundenen Unternehmen) stiegen von 2015 auf 2016 von rund 9 Mio. € auf 35,2 Mio. €.
Das Eigenkapital gemäß Punkt A in der Bilanz wies man mit 79,8 Mio. € aus. Demgegenüber steht eine Bilanzsumme von 189 Mio. €, was einer Eigenkapitalquote von 42 % entspricht.
Der Unternehmensgruppe gehörten 2016 die Binderholz GmbH in Fügen, die Binderholz Bausysteme GmbH in Hallein, die Waldprofi GmbH in Fügen, die Binderholz Unternberg GmbH, die Binderholz Deutschland GmbH in Kösching/DE, die Binderforst GmbH in Kösching, die Binderholz Burgbernheim GmbH in Burgbernheim sowie Binderholz Nordic Oy in Joensuu/FI an.

Brettschichtholz Top 10 | 2016
Produktionen in Deutschland und Österreich (in m³)
Rang Unternehmen Standort Plan 2016
1 Hasslacher + Nordlam Sachsenburg, Magdeburg 340.000
2 Mayr-Melnhof Holz Gaishorn 230.000
3 Binderholz ¹⁾  Jenbach 225.000
4 Mosser Randegg 170.000
5 Schneider Eberhardzell 135.000
6 Hüttemann Wismar 120.000
7 Bullinger Neuruppin 120.000
8 Pfeifer Holz Imst 110.000
9 Weinberger Holz Abtenau, Reichenfels 105.000
10 Eugen Decker Morbach 100.000

Binderholz-Chronik
1950: Franz Binder gründet eine kleine Handelsfirma.
1957: Ein Eingattersägewerk wird in Fügen gekauft.
1963: Stammsitz Fügen wird gegründet.
1974: Ein Zweigattersägewerk wird gebaut und die Schnittleistung auf 60.000 fm/J erhöht.
1984: Ein Feuer zerstört das Sägewerk in Fügen.
1985: Acht Monate nach dem Brand beginnt wieder die Produktion mit einer Erhöhung der Einschnittleistung auf 210.000 fm/J.
1989: Inbetriebnahme eines Massivholzplattenwerks in St. Georgen bei Salzburg
1996: Inbetriebnahme des Brettschichtholz-Werks in Jenbach und Eröffnung des Holzfachmarktes in Fügen
1999: Inbetriebnahme eines MDF-Werks in Hallein (Partnerunternehmen: Pfleiderer AG, Neumarkt/DE)
2004: Inbetriebnahme eines Biomasseheizkraftwerks und eines Pelletswerks in Fügen
2005: Inbetriebnahme des Standortes Kösching/DE, wo man Schnittholz, Hobelware, Pellets und Ökostrom produziert.
In Fügen eröffnet Binderholz die Holzerlebniswelt „Feuerwerk“ und die Galerie im Feuerwerk.
2006: Binderholz sichert sich alle Vertriebs- und Produktionsrechte sowie das Know-how am Santner Holzbau-Elementsystem. Santner meldete im selben Jahr Insolvenz an. Weiters bestehen Vorkaufsrechte für die Anlagen in Unternberg.
2007: In Fügen wird ein neues Werkstättengebäude gebaut und das Hauptquartier erweitert.
2011: In Unternberg startet Binderholz mit der BBS XL-Produktion.
2014: Das MDF-Werk in Hallein wird stillgelegt.
2015: Binderholz akquiriert die PHB Burgbernheimer Holzbau, Burgbernheim/DE. Mit dem neuen Standort steigt die Kapazität für verleimte Massivholzprodukte in der Binderholz-Gruppe von 420.000 m3/J auf über 500.000 m3/J.
2016: Die Binderholz-Gruppe übernimmt im Januar von Vapo die Sägewerke in Lieksa/FI und Nurmes/FI. Diese firmieren unter Binderholz Nordic. Binderholz erweitert damit die Einschnittleistung von 1,75 Mio. fm auf 2,55 Mio. fm/J.
Binderholz baut ein Brettsperrholz-Werk am Standort Burgbernheim/DE. Produktionsstart ist im Dezember 2016. Nach Abschluss der Investitionen verfügt Binderholz Bausysteme über eine Produktionskapazität von 210.000 m3/J BSP. Im Werk in Unternberg erweitert man bereits in den Wintermonaten die Produkt- und Abbundkapazitäten. Die BSH-Produktion in Burgbernheim legt das Unternehmen Ende August 2016 still.
2017: Das Brettschichtholz-Werk in Jenbach wird erweitert. Dadurch erhöht sich die BSH-Produktion um weitere 80.000 m3/J.
Im Rahmen eines Asset Deals wurden ein Hobelwerk und ein Leimbinderwerk (50.000 m3/J) von der Anaika Wood Group am Standort in Lieksa übernommen. Damit beträgt die Weiterverarbeitungsmenge an gehobelten und verleimten Massivholzprodukten in der Binderholz-Gruppe circa 1,2 Mio. m3/J.
September. 2017: Die Binderholz-Gruppe übernimmt Ende September das Säge- und Holzverarbeitungsunternehmen Klenk Holz AG, Oberrot/DE.