SOKOL TIMBER COMPANY

Per Fahrrad nach Russland

Ein Artikel von Günther Jauk | 01.10.2020 - 10:11
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Ein Ledinek-Techniker am Weg zur russischen Grenze – diese darf nicht zu Fuß passiert werden © Ledinek

Am 9. Juli radelten drei Ledinek-Monteure über die finnisch-russische Grenze. Ausgestattet mit Spezialvisa, war dies zu diesem Zeitpunkt eine der ganz wenigen Möglichkeiten, in Russland einzureisen. Der ursprüngliche Plan, mit dem Taxi bis an die Grenze zu fahren, diese zu Fuß zu überqueren und dort vom Kunden abgeholt zu werden, scheiterte an der Vorgabe, dass man Russland nur auf Rädern und nicht per pedes „betreten“ darf.

Diese Anekdote zeigt sehr gut die Herausforderungen, mit denen global tätige Maschinenausstatter derzeit kämpfen und wie entschlossen die Ledinek-Mitarbeiter dennoch versuchen, jedes Projekt möglichst fristgerecht in Betrieb zu nehmen. Aber von Anfang an.

Am 10. März startete die Sokol Timber Company im russischen Sokol mit der Demontage einer bestehenden Keilzinkenlinie. Innerhalb von vier Wochen wollte man diese durch eine neue Ledinek-Linie mit 144.000 m3 Jahresleistung ersetzen. Konkret orderte das zur Segezha Group gehörende Unternehmen eine schlüsselfertige Keilzinkenlinie mit einer Kontizink L-S120 für vertikale Keilzinkungen sowie eine Eurozink H12 mit 300 kN Presskraft für horizontale Zinkenstöße. „Damit sind wir für den russisch-europäischen Markt gleichermaßen gut aufgestellte wie für den japanischen“, begründet Dmitry Rudenko, Vizepräsident der Segezha Group, die Kaufentscheidung. Neben den beiden Keilzinkenanlagen lieferte Ledinek die gesamte Mechanisierung samt Etagenlager, Flächenlager und Vakuumhebern. Zudem zählt eine Festigkeits-Prüfanlage, speziell für die Anforderungen des japanischen Marktes, zum Lieferumfang.

In Kürze werden wir das erste industrielle BSP-Werk Russlands in Betrieb nehmen. Ledinek hat dafür die richtigen Anlagen.

Dmitry Rudenko

Reisen unmöglich

Mit den keilgezinkten Lamellen versorgt man die angeschlossene bestehende BSH-Anlage, weshalb ein möglichst kurzer Stillstand oberste Priorität hatte. Wenige Tage nach dem Start der Installation kam es aber zum großen „Corona-Lockdown“, woraufhin ausländische Monteure zuerst in Quarantäne und im Anschluss nach Hause geschickt wurden. Trotz oder gerade wegen dieser Einschränkungen rückten Sokol und Ledinek enger zusammen und nahmen die Anlage aus der Ferne in Betrieb.

Barrieren überwunden

Für die Montage und Inbetriebnahme per Fernverbindung stellte Sokol Ledinek 15 Kameras zur Verfügung. Einen Teil der Montage, wie etwa des Etagenlagers oder der Kontizink, nahm Sokol selbst in die Hand – bei komplizierteren Anlagenkomponenten, wie etwa der Eurozink, saßen die Augen in Slowenien und die Hände in Russland. Per Videokonferenzen und über diverse Onlineplattformen versuchte Ledinek, die Inbetriebnahme möglichst zeitnah umzusetzen. Zusätzlich zu den zwei russischsprechenden Mitarbeitern nahm Ledinek noch einen weiteren Übersetzer für dieses Projekt auf.

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Dmitry Rudenko © Ledinek

Auf diese Art gelang es, die gesamte Anlage Schritt für Schritt hochzufahren und relativ zeitnah die vorgegebenen Leistungs- und Qualitätsziele zu erreichen. „Ledinek hat von Anfang an alles versucht, um die Anlage trotz der Umstände möglichst rasch zum Laufen zu bringen. Aufgrund der Entfernung und der sprachlichen Barrieren war dies eine große Herausforderung. Mit sehr enger, guter Zusammenarbeit ist es aber gelungen. In Summe hat uns der Corona- Lockdown drei Monate gekostet“, berichtet Rudenko. Als am 9. Juli erstmals wieder Elektriker und Mechaniker von Ledinek in Sokol eintrafen, mussten nur noch Feineinstellungen und Optimierungen vorgenommen werden.

BSP in den Startlöchern

Neben der Keilzinkenlinie orderte Sokol Timber bei Ledinek auch ein schlüsselfertiges BSP-Werk mit 250.000 m3/J Kapazität für den Standort Sokol. Laut Rudenko handelt es sich dabei um die erste industrielle Brettsperrholz-Linie des Landes. „Auch hier konnte Ledinek unsere Anforderungen am besten umsetzen“, begründet Rudenko die Kaufentscheidung. Die bereits gelieferten und aufgestellten Anlagen werden gerade montiert. Bereits am 1. Oktober möchte man die erste Platte pressen – bis Januar 2021 soll die Inbetriebnahme abgeschlossen sein.

„Die Grenzen sind nach wie vor zu und jedes Visum ist eine Herausforderung. Trotz dieser widrigen Umstände bin ich aber zuversichtlich, dass wir unsere Zeitpläne gemeinsam mit Ledinek umsetzen werden“, betont Rudenko abschließend.