Nordamerika

US-Schnittholzmarkt bereits im 1. Quartal wieder überhitzt

Ein Artikel von Russ Taylor, Präsident Russ Taylor Global | 20.01.2022 - 15:03
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© Russ Taylor, Präsident Russ Taylor Global

Die Lumber Futures für März 2022 (ein ungefährer Anhaltspunkt für die Preisentwicklung) schwankten zuletzt stark und notierten vergangene Woche bei über 1300 US-$/Mbf (ab Sägewerk in Britisch-Kolumbien), fallen aber im Moment und nähern sich den Barpreisen an. Noch spektakulärer ist, dass die Preise für 2-by-4 aus Southern Yellow Pine (SYP) bereits jetzt ihren Rekord von 2021 gebrochen haben und das Sortiment diese Woche für 1491 US-$/Mbf (Südwesten der USA, ab Sägewerk) beziehungsweise 845 €/m³ gehandelt wurde. In der Regel beträgt die Preisspanne zwischen SYP- und W-SPF-Schnittholz (ab Sägewerk) etwa 50 bis 80 US-$/Mbf (37 €/m³). Die aktuelle Spanne von 271 US-$/Mbf (154 €/m3) ist enorm und deutet auf einen möglicherweise wesentlich stärkeren Aufwärtstrend der SPF-Preise hin, der die Preisschere zu SYP-Schnittholz verringern würde (oder aber alternativ auf eine Korrektur der SYP-Preise nach unten).

Natürlich gibt es nach wie vor Ereignisse und Entwicklungen, die zu volatileren Märkten führen, wie es schon 2021 der Fall war. Die Geschichte bleibt jedoch mehr oder weniger dieselbe, da Transportunterbrechungen, extreme Wetterereignisse und COVID-19 allesamt Schlüsselfaktoren sind, die sich weiterhin negativ auf die Lieferketten in Nordamerika und auf der ganzen Welt auswirken. Der Personalabbau in Produktion, Logistik und Vertrieb sowie Schwankungen in der Produktion in Verbindung mit verspäteten Lieferungen und schlechter Logistik motivieren Einkäufer dazu, ihre Bestellungen zu erhöhen, in einigen Fällen auch ungeachtet der Preise, damit sie genügend Lagerbestände für ihre Kunden haben.

Zölle verdoppelt

Ein weiterer neuer Faktor ist die Erhöhung der US-Einfuhrzölle auf kanadische Schnittholzlieferungen, die im Dezember 2021 in Kraft getreten ist: Diese stiegen infolge der obligatorischen jährlichen Überprüfung durch das US-Handelsministerium von 9 % auf 17,91 %. Dieser Schritt hat bei diversen Verbraucher- und Industrieverbänden weitere Empörung ausgelöst, da die bereits knappe Verfügbarkeit von kanadischem Schnittholz bei gleichzeitig höheren Preisen einfach an die Verbraucher weitergegeben wird. In weiterer Folge wirkt sich dies auch auf Bauherren aus und trägt zu einer Rekordinflation in den USA bei.

Die Holzindustrie in Britisch-Kolumbien hat seit Mitte November mit massiven Störungen in der Produktion und Logistik zu kämpfen, wobei in naher Zukunft noch mit weiteren negativen Auswirkungen zu rechnen ist. Zuerst gab es eine Reihe heftiger Stürme und Unwetter, die den Süden von Britisch-Kolumbien trafen und dort zahlreiche Brücken und Straßen unterspülten und schwere Überschwemmungen durch über die Ufer tretende Flüsse verursachten. Diese extremen Wetterereignisse erschütterten die US-Holzmärkte und lösten im Wesentlichen die aktuelle Preisrallye aus.

Eine weitere Verknappung des Schnittholzangebotes in Britisch-Kolumbien könnte im 1. Quartal eintreten, da die Provinzregierung gerade neue Richtlinien vorgeschlagen hat, welche die Holzernte in der Provinz einschränken werden. Die Regierung hat in ihrer Herbstsitzung mehrere Reformen durchgesetzt, die zu einer dauerhaften Verringerung des Holzangebotes führen werden. Diese Reformen beinhalten eine 7%ige Reduzierung durch die Außernutzungstellung von Primärwäldern und die Übertragung von Waldbesitz von Unternehmen an indigene Völker und möglicherweise sekundäre Holzproduzenten. Als Teil des Aufschubverfahrens für Holz aus Primärwäldern wird die Ernte vorübergehend von der Regierungsbehörde (BC Timber Sales) gestoppt, die 20% der Ernte in Britisch-Kolumbien ausmacht, und Lizenznehmer könnten möglicherweise kein Holz aus Primärwäldern ernten, die in ihren Forstlizenzen beinhaltet sind – und das gilt auch für jene, die über bestehende Genehmigungen verfügen. Dies wird sich insbesondere auf das Geschäft mit Western Red Cedar auswirken – und zwar sowohl für Sägewerke als auch Weiterverarbeiter. Zusammen mit den Schutzmaßnahmen für den Lebensraum der Karibus werden allein durch diese neuen Bestimmungen bis 2030 zwischen 1 und 2 Mrd. bft (1,6 bis 3,2 Mio. m³) an Produktionsvolumen verloren gehen und ein großer Teil davon schon früher.

Warum sind europäische Schnittholzexporte in die USA so wichtig?

Einfach ausgedrückt, können die USA und Kanada die von den USA benötigte Nettonachfrage kurzfristig nicht decken, weswegen Importe aus Europa unabdingbar sind. Bei der Analyse des nordamerikanischen Schnittholzmarktes während der ersten zehn Monate des Jahres und der Extrapolation bis Ende 2021 erzählen die Herkunftsländer der Importe des Gesamtjahres im Vergleich zu 2020 eine aufschlussreiche Geschichte. Die Mengen, die 2021 zusätzlich aus Europa eingeführt wurden, stellen den zweitgrößten Anstieg der US-Schnittholzimporte dar, mit einem Nettozuwachs von ca. 400 Mio. bft (620.000 m3). Das größte zusätzliche Importvolumen kam aus Kanada, genauer gesagt, Britisch-Kolumbien (fast 1 Mrd. bft bzw. 1,55 Mio. m³). Trotz des enormen Ausbaus der Sägewerkskapazitäten im Süden der USA werden sich die Mehrmengen aus dieser Region im Jahr 2021 auf nur 330 Mio. bft (510.000 m3) belaufen, gefolgt von den übrigen US-Regionen mit 240 Mio. bft (370.000 m3).

Sieht man sich das Schnittholzvolumen an, das für die Deckung des US-Bedarfs (plus höhere US-Exporte) nötig ist, braucht es im Jahr 2021 insgesamt 2 Mrd. bft (3,1 Mio. m3) zusätzlich. Die Importe aus Europa werden 2021 etwa 20 % dieser Mehrmenge ausmachen. Ein ähnlicher (oder sogar stärkerer) Zuwachs wird 2022 erforderlich sein, damit die USA ihre Gesamtnachfrage decken können. Während Kanada 2021 der US-Lieferant mit dem größten Anstieg war, werden die Zuwächse der Produktions- und Exportmengen heuer viel geringer ausfallen, insbesondere wegen der bevorstehenden Einschränkungen des Holzangebotes, die in Britisch-Kolumbien bereits Auswirkungen haben. Die kanadische Provinz lieferte 2021 die größten Mehrmengen in die USA – über 900 Mio. bft (1,4 Mio. m3), was fast 95 % des Anstiegs der Gesamtliefermenge aus Kanada entspricht. 2022 werden jedoch nur geringe Steigerungen der Importe aus BC erwartet. Infolgedessen wird Europa heuer möglicherweise noch mehr Schnittholz in die USA exportieren müssen, um die erwartete US-Nachfrage zu decken. Dies könnte für die europäischen Holzexporteure eine ziemliche Herausforderung, aber auch eine großartige Chance sein.