Das Projektteam von Theurl: Herbert Fresser, Betriebsleiter BSH-Werk (li.), Projektleiterin Elisabeth Kreuzer und Geschäftsführer Hannes Theurl © Günther Jauk
mit unseren Insellösungen oder beseitigen wir sämtliche Software-Schnittstellen mithilfe eines einheitlichen Systems, in dem alle Unternehmens-Prozesse abgebildet sind? Nach reichlicher Überlegung entschied man sich 2016 für die Umstellung. „Viele unserer Insellösungen waren zwar gut, aber, langfristig betrachtet, nicht zukunftsfähig. Zudem sind Schnittstellen immer potenzielle Fehlerquellen“, begründet Geschäftsführer Hannes Theurl die Entscheidung.
Im Nachhinein betrachtet, nennt Theurl drei Faktoren, die für das Gelingen des Projektes maßgeblich ausschlaggebend waren: „Ein engagiertes, hauseigenes IT-Team, ein kompetentes Projektteam, das den Überblick behält und das Geschehen vorantreibt, sowie ein erfahrener, lösungsorientierter Partner, dem die Eigenheiten der Holzindustrie bestens bekannt sind.“ Die interne Projektleitung wurde von Elisabeth Kreuzer (Fa. Theurl) übernommen. Timbertec, Eutin/DE lieferte das gesamte ERP-System.
Einheitliche Datensätze
Die Umstellung umfasst auch die Sägehalle – die ERP-Software schlägt der Sägelinie einen Pool an möglichen Dimensionen aus der Produktionsplanung vor © Theurl
Nachdem im Herbst 2016 die Entscheidung für Timbertec gefallen war, startete man im November des Jahres mit den Vorbereitungen. Hierbei mussten sämtliche Arbeitsabläufe erfasst, alle Maschinen und Teilbereiche mit dem System verbunden und sämtliche Stamm- und Personendaten definiert und angelegt werden. „Dank der Vereinheitlichung der Stammdaten arbeitet jetzt der ganze Betrieb mit denselben Informationen. Das hat den Vorteil, dass etwa die vom Verkauf angelegten Bestellungen direkt von der Produktion übernommen werden können“, berichtet Kreuzer und Theurl ergänzt, dass jetzt keine „zufälligen“ Produkte mehr anfallen: „Die Linck-Spanerlinie bekommt von Timbertec einen Pool an möglichen Dimensionen vorgeschlagen, aus denen diese auswählen kann. Nach erfolgter Produktion wird mit diesen Daten die Nachkalkulation gefüttert.“
Nach über einem Jahr akribischer Vorbereitung war es dann am 1. Januar 2018 so weit. Auf einen Schlag ersetzte das ERP-System von Timbertec beinahe alle bestehenden Softwarelösungen der Osttiroler. „Der Projektumfang und unser Wunsch alle EDV-gestützten Bereiche auf einen Schlag umzustellen, war eine Herausforderung für die erfahrene TimberTec-Mannschaft. Dank der guten, lösungsorientierten Zusammenarbeit hat es nahezu reibungslos funktioniert“, erzählt Theurl.
Rundholzeinkauf bis BSH-Kommissionierung
Die größte Herausforderung lag in der BSH-Kommissionierung mit einem von Timbertec angesteuerten vollautomatischen Lager © Günther Jauk
Müsste man jeden Teilbereich, den Timbertec bei Theurl jetzt betreut, genau beschreiben, würde dies den Rahmen dieser Ausgabe sprengen. Grob zusammengefasst, beginnt die Verantwortung des neuen ERP-Systems beim Rundholzeinkauf, zieht sich über die Produktionsplanung und -kalkulation im Säge- und BSH-Werk und endet erst mit der ausgelieferten Ware. Darüber hinaus arbeitet auch der Vertrieb von Angebotslegung, Auftragsabwicklung, Bonitätsprüfung inklusive Übergabe an die Buchhaltung mit der Timbertec-Software. Bemerkenswert sind hier etwa die automatisierte Erstellung von Provisionsrechnungen auf Basis des tatsächlich bezahlten Skontos oder die Einführung einer Reklamationsverwaltung.
Die größte Herausforderung lag bei diesem Projekt allerdings in der vollautomatischen BSH-Kommissionierung. Dabei werden bereits im Zuge der Arbeitsvorbereitung – vor der Produktion – Pakete definiert. Um eine möglichst hohe Pressenauslastung zu erreichen, produziert Theurl diese aber nicht an einem Stück. Ein von Timbertec angesteuerter H.I.T.-Kran übernimmt die einzelnen BSH-Elemente direkt aus der Produktion und positioniert sie in einem freien Lager an einer vorab definierten Stelle. Erst wenn alle Stangen eines Paketes vorhanden sind – das kann unter Umständen auch einige Tage dauern –, holt ein weiterer Kran die fertige Kommission. „Dadurch sind wir jetzt in der Lage, trotz unserer auftragsbezogenen Einzelstückfertigung, unsere Produktion voll auszulasten, ohne dabei ein Lager aufzubauen“, erklärt Theurl.
Gelungene Umstellung
Wenige Monate nach der Einführung zieht Kreuzer eine positive Bilanz: „Dank der guten Vorbereitung und eines präsenten, flexiblen Timbertec-Teams war die Umstellung nach dem 1. Quartal größtenteils abgeschlossen. Nach ein paar unruhigen Monaten, wohlgemerkt ohne Stillstände, zeigen sich bereits erste positive Effekte.“ Als Beispiel nennt sie die deutlich effizientere Arbeitsvorbereitung im Sägewerk.
Das tatsächliche Potenzial des vernetzten Systemes und der ganzheitlichen Datenerfassung dürfte sich allerdings erst in Zukunft offenbaren: „Das umfassende Potenzial des vernetzten Systemes und der ganzheitlichen Datenerfassung wird sich zeigen, wenn wir beginnen damit, die erhobenen Daten auszuwerten und Schlüsse zu ziehen. Da gibt es sicherlich noch weiteres Optimierungspotenzial“, so Theurl abschließend.