Fünf Fragen an drei Markteinsteiger

Drei neue BSP-Werke in den Startlöchern

Ein Artikel von Günther Jauk | 15.12.2025 - 07:12
  1. Was sind die wesentlichen Gründe für den Bau Ihres Brettsperrholz-Werks?
  2.  Wie unterscheidet sich Ihre Produktion und Ihr Produkt von bestehenden Werken? Wird es neben Standard-BSP auch noch weitere Produkte geben?
  3.  Wann planen Sie die erste Platte zu produzieren und wann soll der Regelbetrieb starten?
  4. Auf welche Jahreskapazität ist Ihr Werk ausgelegt? 
  5. Welchen Kundenkreis in welchen Regionen werden Sie ansprechen? Welcher Anteil der Produktion wird voraussichtlich in eigene Projekte fließen? 
Urban_Jung.tif

Urban Jung Geschäftsführer Blumer Lehmann © Blumer Lehmann

  1. Das neue Leimwerk mit BSH- und CLT-Produktion erhöht die Wertschöpfung im Betrieb von Blumer Lehmann vom Rundholzeinschnitt bis zum fertigen Gebäude und ermöglicht uns, wirtschaftlich attraktive Lösungen anzubieten. Außerdem kann Blumer Lehmann durch die eigene Leimholzproduktion auf dem Firmenareal Erlenhof vollständig auf Lkw-Transporte verzichten und damit den CO2-Ausstoß massiv senken. Darüber hinaus wird auch die Zusammenarbeit zwischen Holzindustrie und Holzbau vertieft, was uns als Komplettanbieter auf dem Markt weitere Chancen bietet und eine große Flexibilität ermöglicht.
  2. Im Unterschied zu vielen anderen Werken decken wir die gesamte Wertschöpfungskette ab, und produzieren unsere Leimholzprodukte aus „Schweizer Holz“. Neu ist unser CLT-clever, ein innovatives Produkt, das vor allem im konstruktiven Holzbau – im horizontalen Bereich, wie bei Decken und Böden – eingesetzt werden kann und rund 30 % Holz einspart. Zum Sortiment gehören auch gebogene Massivholzplatten (CLT-curved) für komplexe Freiformgeometrien mit verbesserten statischen Eigenschaften gegenüber geradem CLT. Ab Mitte Mai 2026 ergänzt CLT-solid aus Schweizer Holz das Portfolio. Die Standardplatten werden in verschiedenen Qualitäten für Decken, Böden, Wände und Dächer hergestellt. Bereits lieferbar ist das Brettschichtholz BSH-standard aus Schweizer Holz in den Varianten Duo/Trio sowie in größeren Querschnitten für gerade Träger bis 14 m Länge. Zudem wird ab 2026/27 mit PLT-solid ein Parallel-Lagenholz für größere statische Dimensionen verfügbar sein. Damit entsteht eine breite Produktpalette, die über klassische BSP-Standardplatten hinausreicht und vielfältige Anforderungen im Holzbau abdeckt.
  3. CLT-curved ist bereits verfügbar, wird aber nicht auf der neuen Anlage produziert. CLT-clever und CLT-solid sind ab Sommer 2026 verfügbar. BSH-standard ist bereits erhältlich.PLT-solid wird ab 2026/2027 verfügbar sein.
  4. Die Mengen sind stark abhängig von den produzierten Dimensionen und können daher schwanken. Die BSH-Linie ist mit der CLT-Linie verknüpft und kann im Bypass produzieren, wobei rund 7000 bis 8000 m³ pro Schicht produziert werden können. Bei der CLT-Linie gehen wir von rund 20.000 m³ pro Jahr und Schicht aus.
  5. Mit der neuen Leimholzpalette bieten wir Produkte an, die im konstruktiven Holzbau zum Einsatz kommen. Somit richten wir uns an Holzbauer, Planer- und Ingenieurbüros, die Holzbauten umsetzen. Grundsätzlich produzieren wir wie oben genannt für den konstruktiven Holzbau. Welcher Anteil in Projekte der eigenen Produktion fließen, ist stark projektabhängig und liegt bei rund 50 %.
Sepp_Meissnitzer.jpg

Josef Meissnitzer, Geschäftsführer Holz Meissnitzer © Meissnitzer

  1. Die strategische Kooperation von Holz Meissnitzer mit Hermann & Müller zielt darauf ab, HM Timber als festen Partner im Holzbau zu etablieren. Das Unternehmen soll sich als Lieferant von Massivholz-Elementen für individuelle Lösungen positionieren und zugleich seine Rolle als Experte für hochwertigen Massivholzbau und Holzbau-Engineering festigen. Ein zentraler Bestandteil der Zusammenarbeit ist die langfristige Absicherung und Weiterentwicklung der Standorte durch eine steigende lokale Wertschöpfung. Dazu gehört die effiziente Nutzung bestehender Sägekapazitäten für den modernen Holzbau sowie die Überführung der in der Manufaktur gewonnenen Erfahrungen – sowohl bei leimfreien als auch bei verleimten Massivholzprodukten – in eine automatisierte industrielle Fertigung, ohne dabei die notwendige Flexibilität zu verlieren. Im Mittelpunkt steht zudem die verlässliche Versorgung des Marktes mit hochwertigen Massivholz-Elementen. Die Kooperation unterstützt die Eigenversorgung für Projekte innerhalb der Gruppe und ermöglicht zugleich die Bereitstellung fundierter Planungs- und Engineering-Dienstleistungen. Durch den Ausbau der Produktionskapazitäten erhält die Meissnitzer-Gruppe Zugang zu größeren Massivholzbau-Projekten und kann neue Märkte erschließen. Der neue BSP-Standort schafft die Voraussetzungen für die Teilnahme an umfangreichen internationalen Vorhaben, während der bestehende Standort weiterhin flexible Liefermöglichkeiten für die leimfreie MHM-Massiv-Holz-Mauer und verleimtes Brettsperrholz bietet.
  2. Die Produktion zeichnet sich durch hohe Flexibilität mit kurzen Umrüstzeiten und einer vollautomatisierten Fertigung bis hinunter zur Losgröße 1 aus. Auf einer einzigen Linie können BSP, BSH und KVH hergestellt werden, was eine breite Produktpalette ermöglicht. Das Angebot umfasst Oberflächen in NSI-, ISI- und WOSI-Qualität sowie zusätzliche Sonderbeschichtungen. Darüber hinaus sind sowohl Standard- als auch Sonderabbundleistungen vorgesehen. Produziert wird mit Fichte und Lärche, sodass unterschiedliche Anforderungen an Material und Erscheinungsbild abgedeckt werden können.
  3. Die Produktion der ersten Platte ist im 1. Quartal 2027 geplant, der Regelbetrieb im 2. Quartal 2027.
  4. 35.000 m³/J im Zweischichtbetrieb
  5. Adressiert werden in erster Linie regionale Holzbau- und Zimmereibetriebe sowie Holzbaubetriebe im gesamten DACH-Raum, perspektivisch auch in weiteren europäischen Märkten. Zusätzlich richtet sich das Angebot an Bauunternehmen und Generalunternehmer, die ihr Holzbauportfolio ausbauen möchten, ebenso wie an Immobilienentwickler. Ein definierter Anteil der Produktion wird zudem in eigene Projekte einfließen, wobei die externe Kundengruppe insgesamt klar im Mittelpunkt steht.
Lutz_Schmelter.png

Lutz Schmelter Geschäftsführer Schmelter Holzindustrie © Schmelter

  1. Wir bieten bereits die gesamte Bandbreite an stabförmigen Produkten für den konstruktiven Einsatz an. Diese Produkte werden primär im aktuell schwächelnden Wohnungsbau eingesetzt. Da wir vermuten, dass der Wohnungsbau nicht wieder die Neubauzahlen der Rekordjahre erreichen wird, möchten wir auch im Objektbau Fuß fassen. Vermehrt wird in diesem Gebäudebereich auch Holz eingesetzt und unseres Erachtens ist BSP dazu der Schlüssel. Unsere Auffassung ist daher, dass die Abrundung unseres Sortiments mit einem plattenförmigen Werkstoff auch gleichzeitig der richtige Schritt in Richtung unserer Kunden ist, die verstärkt größere Gebäude (Schulen, Kindergärten, …) bauen werden.
  2. Die Kombination mit unseren stabförmigen Produkten, unsere Vertriebswege und die überschaubare Kapazität unterscheiden uns von den etablierten Herstellern. Wir werden die Produktion auf die Holzarten Fichte und Kiefer auslegen und planen, Sicht- und Nicht-Sicht-Oberflächen anzubieten. Selbstverständlich werden wir in der Lage sein, die Platten abzubinden, aber das Einbringen von Dämmung ist nicht geplant. 
  3. Im Spätsommer des Jahres 2026 möchten wir die erste Platte produzieren. Der Regelbetrieb wird dann 2027 erfolgen.
  4. 25.000 m³/J im Zweischichtbetrieb
  5. Wir werden keine eigenen Projekte anbieten. Unsere Produkte werden, wie gehabt, komplett an unsere Kunden im Holzbau-Handwerk und in der Fertighausindustrie verkauft. Unser Vertriebsgebiet wird unverändert der norddeutsche Raum bleiben.