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Langjährige Partner: Baptist Resch (li.) lobt die Arbeit von Michael Held (mi.) und Albert Pauli (re.), die seit Jahrzehnten die Hauptlieferanten für sein 25.000?fm/J-Sägewerk sind © Plackner

Das Unternehmen Wald

Ein Artikel von DI Hannes Plackner | 13.06.2012 - 08:25
Wer an Bayern und Holz denkt, kommt an den Bayerischen Staatsforsten (BaySF) nicht vorbei. 807.000 ha (11 %) von Bayern sind Staatswald und werden von den BaySF bewirtschaftet. Der Nachhaltshiebsatz beträgt 5,2 Mio. fm/J und wurde im Geschäftsjahr 2011 nahezu voll ausgeschöpft. Damit sind die BaySF der größte Rohholzlieferant Mitteleuropas. Besonders Nadelsägerundholz ist heiß begehrt. 3,4 Mio. fm Stamm- und Industrieholz verkaufte der größte Waldbesitzer Deutschlands im Vorjahr. 900.000 fm wurden als Energie- und Brennholz ausgeformt. Wem bei solchen Holzmengen schwindelig wird, dem wird empfohlen, eine konkrete Holzerntemaßnahme zu begleiten. Die BaySF luden den Holzkurier ein, ihren östlichsten der 41 Forstbetriebe in Neureichenau/DE zu besuchen. Dort wurde zweierlei sichtbar. Erstens, hinter dem Millionenbetrieb steht eine Reihe gut ausgebildeter, fachkundiger und motivierter Mitarbeiter. Und zweitens, die BaySF haben zwar die Kapazität, als Partner industrieller Großsägewerke aufzutreten. Das heißt aber noch lange nicht, dass lokale Sägewerke leer ausgehen.

Neureichenau vermarktet fast alles lokal

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Langjährige Partner: Baptist Resch (li.) lobt die Arbeit von Michael Held (mi.) und Albert Pauli (re.), die seit Jahrzehnten die Hauptlieferanten für sein 25.000?fm/J-Sägewerk sind © Plackner
Michael Held und sein Stellvertreter, der Holzverkauf-Verantwortliche Albert Pauli, leiten den Forstbetrieb Neureichenau. Zwischen Donau, Inn und Ilz bewirtschaften dort 63 Mitarbeiter 18.500 ha Staatswald. Die Niederlassung erstreckt sich über den fichtenbetonten Bayerischen Wald und das tertiäres Hügelland mit Buchenmischwäldern sowie Eichen. „Jährlich wachsen 172.000 fm zu. Diese Menge nutzen wir zur Gänze. Daraus werden 116.000 fm Stammholz, 10.000 fm Industrieholz und 16.400 fm Brennholz ausgeformt“, erklärt Held.
Pauli betont das „Holz der kurzen Wege. In Neureichenau haben wir einen überdurchschnittlichen Eigenvermarktungsgrad von 50 %.“ Unternehmensweit werden dagegen rund drei Viertel der BaySF-Erntemenge überregional von Regensburg aus vertrieben. Probleme, diese Menge abzusetzen, gibt es keine. „Gegenwärtig können wir keine Neukunden akzeptieren. Die Nachfrage ist zu groß. Aber langjährige Partnerschaften werden freilich aufrechterhalten.“

Seit Jahrzehnten Hauptlieferant

Eine der erwähnten Partnerschaften besteht mit dem Sägewerk Resch, das sich nur einen halben Kilometer vom Forstbetriebssitz befindet. Der 23-Mitarbeiter-Betrieb investiert gegenwärtig in eine Starkholzlinie. Umso wichtiger ist eine verlässliche Rundholzversorgung. „Der Staatsforst liefert hier seit Generationen das Rundholz“, beschreibt Geschäftsführer Baptist Resch. Von den 25.000 fm Jahreseinschnitt stammen rund 11.000 fm aus den Staatswäldern.
Schon der entspannte Ton zwischen Held, Pauli und Resch macht deutlich, dass hier ein partnerschaftliches Verhältnis besteht. Dass davon auch der Forstbetrieb profitiert, zeigte sich 2007. Kyrill warf im Neureichenauer Verantwortungsgebiet 240.000 fm. Damals hat Resch extra ein 5000 fm-Nasslager angemietet, um die akuten Mehrmengen im Rahmen seiner Möglichkeiten aufnehmen zu können. Mit der Rundholzqualität seines Hauptlieferanten ist der umtriebige Sägewerker zufrieden. Dass die Region ein gutes Wuchsgebiet ist, wusste man schon im 18. Jahrhundert, als das Adelshaus Schwarzenberg unweit von Neureichenau seinen 90 km langen Schwemmkanal erbauen ließ, um die Wasserscheide zwischen Elbe und Donau zu überwinden.

Ernte im Mai ist kein Problem

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Gut ausgestattete Forstunternehmer erledigen im Forstbetrieb Neureichenau etwa 40 % des Einschlags © Plackner
Nach dem Besuch im Sägewerk geht‘s per Allradkombi in den Forst. Es ist zwar schon Ende Mai, aber noch wird in den Fichten-Tannen-Buchen-Mischwäldern geerntet. Unweit des kleinen Städtchens Freyung geht es über zunächst asphaltierte und dann geschotterte Forststraßen in die BaySFBestände, bis meterhohe Polter die Wege säumen.
In diesem Fall wurde ein Forstunternehmer mit der Plenternutzung beauftragt. Die Harvester und Forwarder sind mit bodenschonenden Reifen beziehungsweise Bändern ausgestattet. Tatsächlich hinterlassen die schweren Maschinen keine Bodenschäden, die nicht im nächsten Jahr schon wieder verschwunden wären. Die Polter neben der Waldstraße deuten auf die BaySF-Hauptkunden hin. Der Großteil der Menge ist als 4 m langes Fichtenblochholz für die deutsche Sägeindustrie bestimmt. Nebenan freuen sich geschätzte 300 fm Buchenrundholz auf ihre Nutzung als Faserrohstoff im oberösterreichischen Lenzing.

Waldumbau, um Klimawandel vorzubeugen

Die Wälder im Forstbetrieb Neureichenau sind sehr naturnah. Vor dem Hintergrund des Klimawandels bauen die BaySF ihre Wälder um. Während gegenwärtig noch über die Hälfte des Holzvorrats aus Fichte (53 %) besteht, dominiert die Buche mit 61 % bei den ausgebrachten Forstpflanzen. Das allgemeine Bestockungsziel definieren die BaySF mit 36 % Fichte, 26 % Buche, 8 % Kiefer, 7 % Eiche, 12 % sonstige Laubhölzer und 11 % sonstige Nadelhölzer. Das ist ein mutiger Schritt, weil die Erträge und Nutzungsmöglichkeiten für die propagierte Buche gegenwärtig noch beschränkt sind. Der Waldumbau ist als notwendige Maßnahme für die Zukunft zu sehen.

Gelebter Grundsatz: Wald vor Wild

BaySF-weit fielen im Vorjahr nur mehr 440.000 fm als Zwangseinschlag (ZE) an – der niedrigste Wert seit zehn Jahren. Unter ZE subsumiert man Schneebruch-, Windwurf- und Käferkalamitäten. Die Abkürzung könnte also auch als „Zufällige Ereignisse“ gelesen werden, gegen die man kurzfristig nichts machen kann.
Im Forstbetrieb Neureichenau macht der ZE-Anfall langfristig leider immer noch 40 % der Erntemenge aus, aktuell liegt er unter 10 %. Ein weiteres Problem sind steigende Rotwildbestände, was auf die wachsenden Population in Tschechien zurückzuführen ist. Bayern gilt als Vorbild für waldgerechte Bejagung. Der im bayerischen Jagd- und Waldgesetz festgeschriebene Grundsatz „Wald vor Wild“ wird im bayerischen Staatswald konsequent gelebt. Ziel ist es, dass die standortgemäßen Baumarten im Wesentlichen ohne Schutzmaßnahmen verjüngt werden können. In den vergangenen Jahren sind die Abschusszahlen tendenziell gestiegen. Die Jagdfläche der BaySF betrug im Vorjahr 821.000 ha. Darauf wurden im Vorjahr unter anderem 42.000 Stück Rehwild, 8000 Stück Schwarzwild und 3000 Stück Rotwild erlegt.
Das zeigt Wirkung: Aufgrund der Jagdanstrengungen wurde in den vergangenen Jahren stets mehr Wildzaun ab- als aufgebaut. Seit 2005 verringerte sich die Zaunlänge in BaySF-Wäldern um über eine Million Laufmeter und beträgt gegenwärtig etwa 2200 km.

BAYERISCHE STAATSFORSTEN

Gegründet: 2005 (Ausgliederung als Anstalt des öffentlichen Rechts)
Struktur: 41 Forstbetriebe mit 370 Revieren
Zentrale: Regensburg
Vorstand: Dr. Rudolf Freidhager (Vorsitzender), Reinhardt Neft
Fläche: 807.000 ha, davon 723.000 ha Waldfläche
Umsatz: 353,1 Mio. € (2011)
Jahresüberschuss: 63 Mio. €
Holzeinschlag: 5,14 Mio. fm
davon Stammholz: 3,4 Mio. fm
davon Energieholz: 0,9 Mio. fm
Beschäftigte: 2.836 (per 30. Juni 2011)

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