Bisher haben die Mitarbeiter beim Holzwerk Baumgartner im bayerischen Polling die gesamte Stapelung der Seitenware von Hand erledigt. „Das war nicht mehr zeitgemäß und ging auch zulasten der Leistung“, erläutert Geschäftsführer Georg Baumgartner und führt weiter aus: „Die Sortimentsvielfalt ist in den vergangenen Jahren gestiegen und die Arbeit ist anstrengend. Die fehlende Paketierung war ein Flaschenhals in unserer Produktion.“ Aus diesem Grund hat er sich entschieden, in eine Paketier- und Stapelanlage zu investieren. Im Sägewerk werden jährlich rund 36.000 fm eingeschnitten – ausschließlich Nadelholz mit einer Bandsäge im Vor- und einem Gatter im Nachschnitt sowie einem Besäumer. Daraus erzeugt man unter anderem Bauholz, Latten und Verpackungsware für die eigene Kisten- und Palettenproduktion.
Projekt in zwei Etappen
Die Maschinenfabrik Stingl, Guttaring, bot Baumgartner die passende Lösung für die Stapelung. „Eine große Herausforderung war, eine leistungsstarke Anlage am vorhandenen Platz unterzubringen. Stingl hat uns eine perfekte Lösung geboten und ist auf unsere Wünsche eingegangen“, bestätigt Baumgartner. Im ersten Schritt hat die Maschinenfabrik Stingl im Februar 2024 hinter dem Besäumer die Abzieheinrichtung erneuert und einen Sonderabwurf ergänzt. Für eine gerechte und stückweise Einsortierung von mehrstieliger Ware nach der Besäumanlage integrierte Stingl einen Einzelstückzuteiler. Zudem wurde in der bestehenden Sortieranlage vor der Einteilung in die Boxen eine Kontrollvermessung integriert, um etwaiger Fehlsortierung entgegenzuwirken. „Wir haben ebenfalls die gesamte Steuerung der Sortieranlage erneuert“, erläutert Wolfgang Stingl, Geschäftsführer der Maschinenfabrik Stingl.
Der größere Part folgte im Sommer 2024: die Integration der Stapelanlage. Welche Herausforderung der Umbau mit sich brachte, zeigt Baumgartner beim Rundgang: „Wir mussten die 20 m lange Rundholzzuführung zur Bandsäge um 1,5 m anheben, damit die Paketierung darunter Platz findet.“ Stingl ergänzt: „Das bestehende Sortierwerk befindet sich in einer Sackgasse, angrenzend verläuft die Sägehalle, auf der anderen Seite ein Wasserkanal. Die einzige Möglichkeit bestand darin, das Niveau höhentechnisch anzupassen und die Stapelanlage unterhalb der Sägezubringung zu platzieren.“ Dadurch konnten die Fahrwege optimiert werden.
Die neue Mechanisierung von Stingl übernimmt die Bretter nach der Boxenentleerung. Da eine neue Nulllinie erforderlich war, gelangt das Schnittholz zunächst auf einen Verfahrwagen. Dieser bringt das Holz zur Vereinzelung vor der Endkontrolle. Die Qualität gibt bereits der Bediener am Besäumer jedem Stück mit. Vor der Paketierung wirft sein Kollege noch einen letzten Blick auf jedes Holz. Nicht passende Ware schleust er bei Bedarf aus. „Die Stapelanlage kann sowohl Pakete mit Fixbreiten als auch mit fallenden Breiten bilden. Speziell für die Zentimeterware ist eine Breitenmessung für ein möglichst dichtes Paket eingebaut. Diese entscheidet automatisch, ob das aktuelle Brett in die Paketlage gelangt oder ausgeschleust und in der oberen Etage geparkt wird“, erläutert Stingl. Von dort kann der Bediener die Bretter jederzeit wieder manuell abnehmen. Stingl spezifiziert: „Die Stapelanlage ist so konzipiert, dass wahlweise mit Einzelstückzuteilung, mit fallender Brettbreite oder auch leistungsstark durch lagenweises Paketieren gearbeitet werden kann. Bei jedem Modus ist eine lagenweise Endkappung mit einer fixen und einer variablen Säge möglich.“
Linienlaser unterstützen Mitarbeiter
Nach der Lagenbildung und Kappung legen Stapelzungen die Bretter auf das Paket. Aufgrund der einzelnen Sortimente, die mehrere Hundert Kombinationsmöglichkeiten bei der Stapelung ergeben, stellt sich die Anlage automatisch um. Selbst das Lattenlegemuster ist in der Software hinterlegt. Linienlaser, die an der Decke montiert sind, zeigen dem Mitarbeiter genau die Position der Stapelleisten und Kanthölzer, die er händisch auflegt. „Wir haben uns vorerst für diese Variante entschieden“, sagt Baumgartner, und Stingl ergänzt: „Eine automatische Lattenlegung ließe sich jederzeit einfach nachrüsten.“ An den fertigen Paketen können Paketscheine mit allen relevanten Informationen angebracht werden. Zudem wären auch Schnittstellen zur Lagerverwaltung möglich.
Die Stapelung ist auf Holzlängen von 2,5 bis 5,5 m sowie Querschnitte von 18 mal 80 mm bis 120 mal 260 mm ausgelegt. Die Leistung an der Paketierung beziffert Stingl mit rund sechs Lagen pro Minute. Die Maschinenfabrik lieferte zudem die komplette Schaltschrankanlage mit neuester Technologie. Dazu sind nahezu alle Antriebe mittels Frequenzumrichter ausgeführt und äußerst energiesparend. Die Steueranlage wurde perfekt an die Bedürfnisse von Baumgartner angepasst, dazu zählen etwa mehrere Bedienstellen für die Entleerung der bestehenden Fall- und Senkboxen. Am großzügigen Bildschirm werden die Sortimente mit Füllstand angezeigt. Weiters ist eine spätere Einbindung für eine Entstapelung vorgesehen.
Gelungene Zusammenarbeit
Baumgartner ist von der Zusammenarbeit mit Stingl und der Abwicklung seitens der Maschinenfabrik begeistert: „Die Montage und Inbetriebnahme haben tadellos geklappt. Wolfgang Stingl hat uns bei unseren Wünschen und Anforderungen zugehört und diese perfekt umgesetzt. Wir haben schon im Hobelwerk gute Erfahrungen mit den Kärntnern gemacht – das Vertrauen wurde auch dieses Mal wieder bewiesen“, bekräftigt Baumgartner, und ergänzt, dass er neben der professionellen Abwicklung auch besonders mit der sauberen Paketoptik zufrieden ist. Die Anlage wird in der Regel von einem Mitarbeiter bedient. „Wir haben uns im Vergleich zu früher rund eineinhalb Arbeitsplätze eingespart. Ich schätze, dass mit der neuen Anlage die Leistung im gesamten Betrieb um etwa 5 % gestiegen ist.“
Holzwerk Baumgartner
Standort: Polling/DE
Geschäftsführer: Georg Baumgartner
Mitarbeiter: 28
Einschnitt: 36.000 fm/J, davon 85 % Fi/Ta und 15 % Kie, Lä, Dou
Produkte: Bau- und Kantholz, Blockware, Latten, Hobelware, Paletten- und Kistenfertigung
Absatz: überwiegend regional an Industriebetriebe und Weiterverarbeiter, Holzhandel, Zimmereibetriebe, Private