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Absatzindikator April 2026

Iran-Krise prägt direkt und indirekt Holzbranche

Ein Artikel von Gerd Ebner | 28.04.2026 - 16:36

Der Absatzindikator stieg im April 0,8 Prozentpunkte auf 107,3 %. Das sind zwar um vier Prozentpunkte mehr als im Vorjahr, angesichts der Kostensteigerungen und der Bedarfsrückgänge liegt das Niveau aber weit unter den Erwartungen der Produzenten. Erhöhungen gab es beim Sägerestholz, wovon alle Sägewerke und die Weiterverarbeiter profitieren. Nicht für alle nutzbar: In den USA stiegen im April die Preise von einem sehr tiefen auf ein nur noch tiefes Preisniveau.

Was wäre wenn?

Man wird es nie mehr beweisen können, aber eine Bedarfserhöhung wäre ohne die Iran-Krise bereits eingetreten. Deutschland und Italien sind riesige Absatzmärkte, die schon 2025 ordentlich liefen. Dass noch kein höherer Bedarf eintrat, ist auf die allgemeine Verunsicherung zurückzuführen. Diese dämpft derzeit die Einkaufs- und Einlagerlaune der Kunden von Holzprodukten. Hier baut sich ein Bedarfsvakuum auf, das mit jeder Woche größer wird.

Wer trägt Mehrkosten?

Der April war der Monat, in dem die Folgen der Iran-Krise erstmals voll spürbar wurden. Entlang der Wertschöpfungskette wird unterschiedlich mit den Erhöhungen der Transportkosten umgegangen. Vom „Schlucken derselben“, über den Verzicht auf den Verkauf ungünstiger Produkte (etwa frische Seitenware) bis zur 100 %-Weitergabe an den Käufer reichen die Lösungen. Ein Beispiel für eine praktikable Lösung finden Sie rechts im Kasten „Logistikkosten“.

Die großen Holzwerkstoff-Produzenten verwiesen auf die Teuerungen und erhöhten um bis zu 11 % die Plattenpreise oder um bis zu 200 € je Lieferung die Preise.

Eine Alternative zum „Golf-Einschnitt“ ist vermeintlich der vermehrte Einschnitt von KVH-Rohware, wo jüngst ein Preisdruck entstand. Einzelangebote waren auf einmal um 10 bis 15 €/m3 unter dem Marktniveau von rund 315 bis 320 €/m3. Speziell Sägewerke mit frischem Angebot taten sich hier hervor, aber auch auf den Levante-Einschnitt fokussierte Sägewerke sorgten für Angebotsdruck.

Hauptwarenpreise am Prüfstand

KVH-Rohware ist aber nur ein Bespiel für die Probleme bei den Hauptwarensortimenten, die Preise zumindest zu halten. „Bei diesen Preisen kann ich besser gleich Verpackungsware schneiden – da habe ich weniger Ansprüche und verdiene besser“, schimpft ein Säger.

Trotzdem hat sich – nach einem witterungsbedingt verzögerten Saisonstart – die KVH-Nachfrage in der zweiten Aprilhälfte deutlich belebt und entspricht inzwischen weitgehend einem stabilen, saisonüblichen Niveau. Preiserhöhungen von +20 €/m3 konnten zwar nicht durchgesetzt werden, gleichzeitig sind niedrigere Preiszugeständnisse vom Markt verschwunden (s. Beitrag "Iran-Krise: Erste Hintertüren tun sich auf für Golf-Belieferung").

Wenn man so will, so hat die Transportkostensteigerungen auch positive Effekte:

  • Das Geschäft im Ein- und speziell im Verkauf wird deutlich regionaler. Davon profitieren kleinere und mittlere Unternehmen, die überdies bei ihrer Klientel auch auf mehr Verständnis für Preiserhöhungen hoffen können.
  • Mittlerweile ist es außerdem endgültig unrentabel, per Lkw von Finnland bis Italien mit Schnittholz oder bis Spanien mit Leimholz zu fahren.
  • Der minimierte Lkw-Verkehr sorgt auch – trotz grundsätzlicher Verfügbarkeit bei den Sägewerken – für rund zehntägige Lieferzeiten aus Mitteleuropa bis Italien. Das könnte italienische Kunden wieder zu Lieferprogrammen animieren.

Die BSH-Lamelle kam im April preislich etwas unter Druck. 322 bis 338 €/m3 lautet die Holzkurier-Preisspanne, wobei das untere Ende den Angeboten der skandinavischen Anbieter entspricht.

Bei BSH konnten die avisierten +25 €/m3 nicht umgesetzt werden. „Als nach den Ankündigungen keiner mehr bestellte, war das schon absehbar“, urteilt ein Händler. Das Resultat: Sowohl in Deutschland als auch in Italien blieben die Preise in der unveränderten Range von 550 bis 575 €/m3. Hinzu kommt, dass es nach Ostern zu keiner Mengenbelebung kam. Im Gegenteil – Experten urteilen, dass die Zeit vor Ostern noch aktiver war. Mit den Feiertagen diese und kommende Woche folgen wieder zwei kürzere Wochen. Im Scherz wird bei manchen nun aus der „Oster-Belebung“ bereits eine „Pfingst-Belebung“.

Logistikkosten

Musterformulierung

Folgende Formulierung nutzen derzeit einzelne deutsche Holzhändler, um ihre Erhöhungen bei den Logistikkosten zu rechtfertigen:

„Aufgrund der aktuellen Entwicklungen auf den Energiemärkten (insbesondere gestiegene Kraftstoff- und Transportkosten) sehen wir uns gezwungen, die Maut- und Logistikpauschale anzupassen: Die Pauschale wird pro Anlieferung von bislang XX € auf XX € erhöht. (Anmerkung: in diesem Fall fast +100 %)

Diese Anpassung berücksichtigt die derzeit eingetretenen Kostensteigerungen. Wir behalten uns vor, die Pauschale bei weiteren Änderungen der Kostenstruktur entsprechend anzupassen. Dies umfasst sowohl Erhöhungen als auch Reduzierungen bis hin zum vollständigen Wegfall der Pauschale.“