Nach dem drastischen Rückgang 2023, der den Abschwung nach dem Übertreibungsjahr 2022 widerspiegelte, konnte sich die Bilanzkurve 2024 nur leicht stabilisieren und bleibt unter der Nulllinie. Mit einem Verlust von –89,1 Mio. € im Vergleich zu –144 Mio. € im Vorjahr bleibt die Branche weit von einer Erholung entfernt. Und die Prognosen für das laufenden Geschäftsjahr 2025 lassen kaum Hoffnung auf eine schnelle Kehrtwende zu, ein weiteres Jahr im roten Bereich scheint wahrscheinlich.
Im Kern gesund ...
Die mittlere Eigenkapitalquote der untersuchten Unternehmen lag bei 60 %. Das zeigt, wie gesund die Unternehmen im Kern noch sind. Sie können sich finanziellen Schwankungen weiterhin anpassen. Insgesamt scheint die Branche gut abgesichert zu sein.
… aber nur einstellige EBITDA-Marge
Produzierende Betriebe sollten eine zweistellige EBITDA-Marge erzielen. Das schafften 2024 nur noch Binderholz mit erneut 11 % und die Holzindustrie Offner mit 10 %. Alle anderen waren darunter. Vorbei sind die Jahre 2021 mit im Schnitt 28 % oder 2022 mit durchschnittlich 23 %.
Die höchsten Margen, die der Holzkurier jemals erhoben hat, kamen 2021 von Binderholz (36,6 %) und der Pfeifer Holding (35 %). 2024 schaute es bei beiden (Binderholz: 11 %; Pfeifer Holding: 7 %) ganz anders aus. Das Wunschniveau liegt irgendwo dazwischen. Reinhard Binder, CEO Binderholz, definierte dieses gegenüber dem Holzkurier mit: „Eine nachhaltige EBITDA-Marge liegt bei 15 %. Nur so können Unternehmen die höheren Finanzierungskosten und die gestiegenen Investitionskosten gegenüber der Vor-COVID-19-Zeit stemmen. Die Platten- und Papierindustrie machen es uns schon vor.“
| Ausgewählte österreichische Holzindustrien; Werte und Differenz in Mio. € | ||||
| Rang 2023→2024 | Unternehmen | 2023 in Mio. € | 2024 in Mio. € | Diff. i. Mio. € |
|---|---|---|---|---|
| 1←→1 | Binderholz* | 33 | 13 | –20 |
| 3 ↑ 2 | Johann Offner Holzindustrie | 8 | 10 | 2 |
| 2 ↓ 3 | Holzind. Maresch | 16 | –0,7 | –17 |
| 4←→4 | Hasslacher Holding | 2 | –7 | –9 |
| 5←→5 | Mayr-Melnhof Holz*, ** | –47 | –16 | 31 |
| 6←→6 | Pfeifer Holding | –137 | –56 | 81 |
Nur zwei schwarze Ergebnisse
Die aufsummierten EGT/EBT aller berücksichtigen Unternehmen lagen bei –57 Mio. €, das war eine Halbierung des Verlustes 2023 (–124 Mio. €).
Nur Binderholz und die Johann Offner Holzindustrie schafften 2024 ein positives Ergebnis. Alle anderen rutschen ins Minus: Erstmals (seit Erhebungsbeginn 2011) überhaupt negativ waren die Hasslacher Holding (–6,9 Mio. €) und die Holzindustrie Maresch (–660.000 €).
Ein erneut negatives EBT weisen 2024 FMMS (= Mayr-Melnhof Holz) mit 16,2 Mio. € und die Pfeifer Holding mit 56 Mio. € auf. Beide verringerten die Verluste allerdings enorm: Rund 30 Mio. € Verbesserung waren es 2024 bei Mayr-Melnhof Holz, rund 81 Mio. € beim Tiroler Familienunternehmen Pfeifer.
| Rang 2023→2024 | Unternehmen | 2023 in Mio. € | 2024 in Mio. € | Diff. i. % |
|---|---|---|---|---|
| 1←→1 | Binderholz | 2.134 | 2.062 | –3 |
| 2←→2 | Pfeifer Group | 833 | 924 | 11 |
| 3←→3 | Mayr-Melnhof Holz** | 788 | 808 | 3 |
| 4←→4 | Hasslacher Holding | 504 | 521 | 3 |
| 5←→5 | Holzind. Maresch | 180 | 148 | –17 |
| 6←→6 | Johann Offner Holzindustrie | 108 | 115 | 7 |
Umsatz höher, aber Kosten drücken
Für die Pfeifer Holding gilt: Diese konnte trotz widriger Marktbedingungen den Umsatz erhöhen (unter anderem Pölkky-Zukauf***) und positive operative Zahlungsflüsse erzielen. Weiterhin in der Verlustzone bleibt man aber aufgrund hoher Kosten und Finanzierungsaufwendungen.
Alarmierend: EBITDA noch nicht auf Vor-Corona-Niveau
Die EBITDA-Summe der sechs analysierten Unternehmen stieg 2024 auf 404 Mio. € (+4 %). Das ist nur ein Drittel dessen, was in den Übertreibungsjahren 2021 und 2022 erzielt wurde. Und es reicht auch noch nicht an die Vor-Corona-Jahre 2018, 2019 und 2020 heran. Immerhin liegt das Ergebnis über dem von 2017. Der Umsatz der berücksichtigen Unternehmen lag mit 4,6 Mrd. € am 2023er-Niveau. Bei der Umsatzentwicklung sticht die Pfeifer Holding mit +11 % hervor (unter anderem Pölkky-Zukauf***). Umgekehrt verlor der reine Nadelholzsäger – Holzindustrie Maresch – mit 148 Mio. € gleich 17 % an Umsatzvolumen binnen eines Jahres.
Umsatz 50 % über Vor-Corona-Jahren
Macht man hingegen einen Mehrjahresvergleich, so lag der Umsatz 2023 und 2024 rund 50 % über den Vor-Corona-Jahren (2018 bis 2020). Darin zeigen sich die höheren Preise für Schnittholz und Weiterverarbeitungsprodukte sowie die getätigten Investitionen doch deutlich.
| Rang 2023→2024 | Unternehmen | 2023 in Mio. € | 2024 in Mio. € | Diff. i. % |
|---|---|---|---|---|
| 1←→1 | Binderholz | 241 | 229 | –5 |
| 5 ↑ 2 | Pfeifer Holding | 17 | 65 | 277 |
| 2 ↓ 3 | Mayr-Melnhof Holz** | 58 | 51 | –12 |
| 3 ↓ 4 | Hasslacher Holding | 42 | 47 | 14 |
| 6 ↑ 5 | Johann Offner Holzindustrie | 9 | 12 | 22 |
| 4 ↓ 6 | Holzind. Maresch | 21 | 0,4 | –98 |
| Rang 2023→2024 | Unternehmen | 2023 in % | 2024 in % |
|---|---|---|---|
| 1←→1 | Binderholz | 11 | 11 |
| 3 ↑ 2 | Johann Offner HI | 9 | 10 |
| 4 ↑ 3 | Hasslacher Holding | 8 | 9 |
| 6 ↑ 4 | Pfeifer Holding | 2 | 7 |
| 5←→5 | Mayr-Melnhof Holz*,** | 7 | 6 |
| 2 ↓ 6 | Holzind. Maresch | 11 | 0,3 |
Keine bis hohe Verbindlichkeiten
Mit 0 € haben die Offner Holzindustrie und die Holzindustrie Maresch keine Verbindlichkeiten (über ein Jahr Laufzeit), die höchsten hat Binderholz mit 1,06 Mrd. €. Binders Verbindlichkeiten lagen 2024 minimal (4 Mio. €) unter denen von 2023.
Die Pfeifer Holding hatte 2024 eine Nettoverschuldung von rund 300 Mio. € (2023: 264 Mio. €). Stark angestiegen ist die Verschuldung auch bei der Hasslacher Holding, diese hatte 2024 ebenfalls eine Verschuldung von knapp 300 Mio. €, nach 230 Mio. € 2023.
Bemerkenswert: Die Hasslacher Holding steigerte 2024 die Schnittholz-Eigenverwendung auf imposante 72 %, nach 66 % 2023.
*** Laut Bilanz ist der Kaufpreis für Pölkky Oy noch nicht endgültig festgelegt, da Earn-Out-Klauseln auf Basis der Geschäftsjahre 2024 und 2025 erfüllt werden müssen. Zudem besteht ein Rechtsstreit im Zusammenhang mit dem Anteilserwerb.
Bilanzanalyse: Österreich 2024
In den vergangenen vierzehn Jahren analysierte der Holzkurier die Konzernbilanzen von Mayr-Melnhof Holz (2014 bis 2021 Bilanz der Holding, 2022 bis 2024: Bilanz der FMMS), der Pfeifer Holding, von Binderholz, der Hasslacher Holding, der Holzindustrie Maresch sowie der Johann Offner Holzindustrie. Auswahlkriterien waren ein Einschnitt von mindestens 500.000 fm/J und der Sitz in Österreich. Deshalb fehlen in der Aufstellung: Stora Enso mit Hauptsitz in Finnland sowie die HS Timber-Gruppe, welche keine Sägewerke im Inland betreiben. Seit der Bilanz 2021 analysieren wir nur noch sechs Unternehmen (von West nach Ost): Pfeifer Holding, Imst (1); Binderholz, Fügen (2); Hasslacher Holding, Sachsenburg (3); Offner Holzindustrie, Wolfsberg1) (4); Mayr-Melnhof Holz (ab 2022: FMMS), Leoben (5); Holzindustrie Maresch2), Retz (6).
1): Bei der Johann Offner Holzindustrie wird KLH nicht berücksichtigt. Es handelt sich also um reine Sägewerkszahlen, genauso wie bei der Holzindustrie Maresch. Die übrigen vier sind voll integrierte internationale Holzindustrien.
2): Bei Maresch ist die Bilanz 3. Quartal 2023–1. Quartal 2024 berücksichtigt.